Charlotte Hirdman
Charlotte Hirdman, auch Charlotte Gräfin Stenbock-Fermor (geboren als Marie Ida Käthe Charlotte Schledt am 20. August 1906 in Dorpat, Russisches Kaiserreich; gestorben im Februar 1966 in Stockholm), war eine deutsch-schwedische politische Aktivistin.
Leben
Marie Schledt war eine Tochter eines Hamburger Buchhändlers und einer Schweizerin, sie hatte zwei jüngere Geschwister. Als Kind lebte sie mit ihren Eltern in Oxford und in der Bukowina. 1926 ging sie als Schreibkraft nach Jena zum Eugen Diederichs Verlag. Sie heiratete 1929 den kommunistischen Aktivisten Alexander Graf Stenbock-Fermor. Charlotte Stenbock-Fermor wurde Mitglied der Roten Hilfe und 1932 Parteimitglied der KPD. Sie trennte sich von Alexander Stenbock-Fermor und lebte und arbeitete mit Heinrich Kurella zusammen, der bei der kommunistischen Presseagentur Inprekorr angestellt war.
Nach der Machtübergabe an die Nationalsozialisten 1933 flohen beide nach Zürich, wo sie, ohne Schweizer Arbeitserlaubnis, für die Rundschau für Politik, Wirtschaft und Arbeiterbewegung der Komintern arbeiteten. Im Juni 1934 wurde sie von der Schweizer Polizei wegen nicht genehmigter politischer Aktivität ausgewiesen und ging nach Moskau, wo sie weiterhin mit Kurella zusammenlebte. Sie arbeitete bei der Verlagsgenossenschaft Ausländischer Arbeiter in der Sowjetunion und bei der Druckerei „Flamme der Revolution“. Im Februar 1937 wurde Stenbrock als Agentin nach Dänemark geschickt. Derweil geriet Hans Kurella in den Sog der Stalinschen Säuberungen und wurde im Oktober 1937 in Moskau hingerichtet.
Stenbrock ging im Juli 1937 von Kopenhagen aus nach Brüssel und dann nach Frankreich, wo sie eine Beschäftigung als Sekretärin bei Paul Desjardins in Pontigny fand. Im April 1939 wurde sie vom französischen Innenministerium des Landes verwiesen und ging mit dem Deutsch- und Französischlehrer Einar Hirdman (1916–1999) nach Schweden. Sie heirateten und hatten drei Kinder. Der Sohn Sven Hirdman (* 1939) wurde schwedischer Diplomat. Die Sozialwissenschaftlerin Yvonne Hirdman (* 1943) schrieb 2010 eine Biographie ihrer Mutter.
Literatur
- Charlotte Stenbock, in: Georg Wiesing-Brandes: Walter Benjamin. Das Pariser Adressbuch. Eine Biographie des Exils im Spiegel. Wädenswil: Nimus, 2025, S. 612f.
- Yvonne Hirdman: Den röda grevinnan. En europeisk historia. Stockholm: Ordfront, 2010, ISBN 978-91-7037-419-7.
- Yvonne Hirdman: Meine Mutter, die Gräfin. Ein Jahrhundertleben zwischen Kommunismus und Bohème. Übersetzung Nina Hoyer. Berlin: Insel, 2011, ISBN 978-3-458-17519-3
- Vem är det: svensk biografisk handbok. Stockholm: Norstedt, 2001, S. 497