Charlo Mor von Weber

Charlo Mor von Weber (geb. 8. Juni 1898 als Charlotte Elisabeth Mohr in München; gest. 20. November 1984 in Ebenhausen) war eine deutsche Autorin, Grafikerin, Theaterfotografin und Journalistin.

Leben und Werk

Charlo Mor von Weber wurde als Tochter des jüdischen Kaufmanns Leopold Mohr (1865–1941) und seiner Frau Luise Klara Anna Mohr (geb. Wagner, 1875–1959) in München geboren.[1]

Zwischen 1923 und 1979 verfasste sie Märchen, Gedichte, Essays und Romane. Anfangs erschienen ihre Werke vorwiegend im Verlag ihres Schwiegervaters Hans von Weber. Nach dem Ende der Zeit des Nationalsozialismus wurde sie als Übersetzerin, Journalistin und Theaterfotografin tätig. Bei Literaturabenden trat sie mit eigenen und fremden Werken auf. Sie arbeitete für den Bayerischen Rundfunk in München. Ihr Leben und ihre Werke sind schwer zu erfassen, da sie unter einer Vielzahl von Pseudonymen publizierte, und ihr Nachlass im Münchner Literaturarchiv Monacensia zwar erfasst, aber weitgehend unausgewertet ist.[2] Ihre Tätigkeiten werden im Kalliope-Verbund aufgeführt als Erzählerin, Kunst- und Theaterkritikerin, Essayistin, Romanschriftstellerin, Märchenautorin und Lyrikerin.[3]

Im Zuge eines Wiedergutmachungsverfahrens nach dem Ende der Zeit des Nationalsozialismus wurde ihr ein Schreibverbot ab 1933 bescheinigt.[4][5] Erst 1979 ist wieder eine Buchveröffentlichung Rasthaus Herr Berge (Europäischer Verlag, Wien) nachweisbar.[6] Eine Vielzahl an Manuskripten in ihrem Nachlass blieb unveröffentlicht.

Mit ihrem Ehemann Wolfgang von Weber, dem Sohn des Münchner Verlegers Hans von Weber, lebte Charlo Mor von Weber in München-Solln und nahm am literarischen und gesellschaftlichen Leben in München teil. Sie führte einen lebhaften Briefwechsel und stand in Verbindung mit Konstantin Prinz von Bayern und seiner Frau Maria Adelgunde Prinzessin von Hohenzollern-Sigmaringen, Hans Ludwig Held, Carl Amery, Thomas und Erika Mann, Rudolf Schmitt-Sulzthal, Walter Kolbenhoff oder Karl Scharnagl.[7][8][9][10] Ihr literarischer Nachlass umfasst 132 Manuskripte und rund 2100 Briefe sowie Dokumente in 27 Kassetten.[2]

Charlo Mor von Weber starb am 20. November 1984 im Alter von 86 Jahren in Ebenhausen. Sie wurde auf dem Waldfriedhof Solln beerdigt.[11]

Archivbestand Charlo Mor von Weber

Getrennt nach Personen, Organisationen und Orten ist Material zu finden (Stand September 2025 im Kalliope-Verbund). Dazu gehört vor allem der Briefverkehr von dem und an den eigenen Namen und die Arbeiten als Theaterfotografin sowie als Literatur- und Theaterkritikerin.

Archivbestand nach Personen und Anzahl

(Stand September 2025 im Kalliope-Verbund, die ersten 20 absteigend)

  • Mor von Weber, Carlo (1688)
  • Schmid, Ines (136)
  • Mayer, Arnold (107)
  • Brenner, Heinz (1900–1981) (92) siehe Heinz Brenner
  • Backert, Rudolf (46)
  • Ströbele-Koch, Margarete (43)
  • Titt-Falckenberg, Bettina (1926–2020) (42) siehe Bettina Falckenberg
  • Meuer, Adolph (40)
  • Assmann, Luisa (37)
  • Knop, Christiane (36)
  • Lörik-Kummer, Elisabeth (33)
  • Prechtl, Robert (1874–1950) (29) siehe Robert Friedlaender-Prechtl
  • Speicher, Rosine (1884–1967) (28) siehe Rosine Speicher
  • Hecht, Elle (26)
  • Ströbele, Renate (26)
  • Held, Hans Ludwig (1885–1954) (20) siehe Hans Ludwig Held
  • Weber, Wolfgang von (1900–1976) (20)
  • Kunze, Walter (18)
  • Fuchs, Johanna (17)
  • Pratschke, Gottfried (1923–2002) (17)

Archivbestand nach Organisationen und Anzahl

(Stand September 2025 im Kalliope-Verbund, die ersten 20 absteigend)

Archivbestand nach Ort und Anzahl

(Stand September 2025 im Kalliope Verbund, die ersten 20 absteigend)

  • München (715): eigener Nachlass, weiters enthalten u. a. im bereits digitalisierten und öffentlich zugänglichen Nachlass Waldemar Bonsels
  • o. O. (292), Berlin (43) Lis Verhoeven, Augsburg (36) Heinz Brenner, Starnberg (36) Robert Prechtl, London (35), Haifa (34), Waiblingen (25), Coburg (22), Nürnberg (20), Tübingen (20), Bamberg (19), Düsseldorf (19), Essen (19), Wien (15), Limburg (14), Königshütte (13), Frankfurt am Main (11), Planegg (10), Basel (9)

Veröffentlichungen als Autorin

Eine Suche nach Veröffentlichungen wird durch die Verwendung mehrerer Pseudonyme erschwert. Die Deutsche Nationalbibliothek erfasst als ihre Pseudonyme: Charlo Mor, Charlot Mor, Charlotte Mor, Elem, Zhiliosta, Lotte (und) Herbert Mohr, Walter Hogard, Yallmar Stern.[12] Im Verlag Hans von Weber erschien unter der Leitung ihres Ehegatten Wolfgang von Weber 1925 ein Gedichtband unter dem Pseudonym El Em.

Veröffentlichungen als Autorin unter Pseudonym

  • Sauersüße Liebeslieder, München 1926; 1. kleiner Dreiangeldruck, 8°, Orig.Karton mit Marmorpapierüberzug (als El Em).
  • Der Spiegel der Iris, München 1926, Von anderen Dingen; 36 S., 2. kleiner Druck mit d. Dreiangelzeichen, München 1926, 8°, Orig.Karton mit Marmorpapierüberzug (als Zhiliosta).
  • Von Prinzessinnen und Königssöhnen, Leipzig 1924, Feuer-Verlag; 110 (2) S.mit 4 farb. Illustrationen auf Tafeln von Karl Mühlmeister; Original-Leinenband (als Lotte und Herbert Mohr)
  • Bärbel von Ottenheim. Schauspiel in 4 Akten und einem Vorspiel, Münchner Stadtbibliothek/Monacensia ; Nachl. Charlo Mor von Weber, Signatur: CMvW M 46, 1936. 96 geb. S. Ts. u. 1 Bl. hs. Widm. für Heinz, 1943. (als Walter Hogard)
  • Rasthaus Herr Berge. Trilogie. Geleitwort v. Gottfried Pratschke (Hrsg.), 44 S., OBr. m. OU, E. A., Europäischer Verlag, Wien 1979 (als Yallmar Stern)
  • Die 7-farbige Laterne, Verlag Der Weg, Wiesbaden 1932 (als Charlot Mor)

Veröffentlichungen als Autorin unter eigenem Namen

  • Carl Muth im Exil: Seine Persönlichkeit im Licht meiner Erinnerung; Erschienen in: Die Besinnung, kritische Zeitschrift für Kultur- und Geistesleben. Heft 4 (1949), S. 58–64.
  • Ein Brief von Gustav Meyrink; Erschienen in: Der Zwiebelfisch, Zeitschrift über Bücher, Kunst und Kultur. Heft 8 (1946), S. 10–11.
  • Gedichte aus einem Zyklus: Durchdringend klar ist dieses Menschen Geist... Ein königliches Maß... So groß ist diese königliche Kraft...; Erschienen in: Die Besinnung, kritische Zeitschrift für Kultur- und Geistesleben. Heft 1 (1946), S. 97–99.
  • Paris in Tirol (Prosa), Erschienen in: Der Zwiebelfisch, Zeitschrift über Bücher, Kunst und Kultur. Heft 1 (1946), S. 35–37.
  • Masken (Gedicht), Erschienen in: Der Zwiebelfisch, Zeitschrift über Bücher, Kunst und Kultur. Heft 8 (1946), S. 11.
  • Szene aus Europäische Schattenspiele, Erschienen in: Der Zwiebelfisch, Zeitschrift über Bücher, Kunst und Kultur. Heft 9 (1946), S. 30.

Arbeiten als Übersetzerin

  • Saga, T. I-III Dt. Ausgabe, übersetzt von C. Mor von Weber aus dem französischen, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia; Signatur: CMvW M 145, Verfasser Robert Morel (1922–1990), 1947. - 1 Konv. Ts. u. Hs./BR/Beil.: 64 S. Ts. Fragm. I. endgült. Fassung/BR/I. Rohübersetzung u. d. T.: Njal/BR/II. Rohübersetzung/BR/III. Rohübersetzung
  • Leslie McArden: Der große Hochzeitstanz u. andere Gedichte, Münchner Stadtbibliothek / Monacensia ; Signatur: CMvW M 129, 3, 7, 26 S. Ts.; 1 Bl. Hs.. – Übersetzung

Arbeiten als Fotografin

In den Nachlässen von Therese Giehse in der Monacensia und Friedrich Dürrenmatt im Schweizerischen Literaturarchiv sind Aufnahmen von Charlo Mor von Weber enthalten. Im 2005 erschienenen Werk Varlin – Dürrenmatt: Horizontal, herausgegeben vom Centre Dürrenmatt Neuchâtel, ISBN 978-3-85881165-3, wurden Fotografien von ihr verwendet.

  • Rolf Boysen (1920–2014) und Friedrich Dürrenmatt (1921–1990) bei den Proben zu Frank V., Münchner Stadtbibliothek / Monacensia; Nachl. Therese Giehse, Fotos, Signatur: TG F 44, 1 S/W-Foto, 9.0 x 9.0. - Werk, Fotografie, Benutzbar - Verfügbar, am Standort. ur nicht dokumentiert, DE-611-HS-4164952,[13]
  • Friedrich Dürrenmatt mit August Everding anlässlich der Aufführung von Frank der V. in München. Oktober 1960, Schweizerisches Literaturarchiv (SLA); Nachlass Friedrich Dürrenmatt; Signatur: SLA-FD-D-09-a/0176, Kasten 325, S/W, nicht aufgezogen[14]

In ihrem eigenen Nachlass in der Monacensia sind Aufnahmen folgender Personen, Orte und Aufführungen enthalten und im Archiv erfasst:

Arbeiten als Zeichnerin

Rezeption in wissenschaftlichen Werken

  • Vater Courage: Reinhold K. Olszewski und die Deutschen Kammerspiele in Lateinamerika 1949–1974, Verfasser Andreas Stuhlmann; mit Beiträgen von Nicola Lange, Andreas Löhrer, Carlo (sic!) Mor von Weber und Mirko Nottscheid. belleville Verlag; 1. Auflage; München 2016, Illustrationen; ISBN 9783946875000; d-nb.info/1114836648.
  • Veröffentlichungen zum Nachlass:
    • Elisabeth Tworek (Hrsg.): Literatur im Archiv: Bestände der Monacensia. Monacensia, München 2002.
    • Elisabeth Tworek (Hrsg.): Lebendiges Literaturarchiv: 25 Jahre Monacensia im Hildebrandhaus. Monacensia, München 2002.
    • Elisabeth Tworek u. Marietta Piekenbrock (Hrsg.): Dichter Hand Schrift. Blumenbar, München 2004.

Eintragung Nachlassverzeichnis und Bestandsbildner

Der Nachlass ist bei der Monacensia unter Mor von Weber, Charlo (Aussprache Scharlo als Kurzform von Charlotte) richtig erfasst. Durch einen Schreibfehler bei der Monacensia bei der Nennung als Bestandsbildner (Mor von Weber, Carlo) werden sämtliche Werke bis hin zu Einträgen der DNB unter einem falschen männlichen Vornamen verlinkt. Die Leiterin der Monacensia, Anke Buettner, hat es sich zur Aufgabe gemacht, mit dem Forschungsprojekt #femaleheritage genau solche Probleme anzugehen.[15]

Arbeitsverbot im Dritten Reich

Wegen der im Nationalsozialismus sogenannten Mischehen wurde Charlo Mor von Weber mit einem Arbeitsverbot aufgrund der Reichsbürgergesetze und der Nürnberger Gesetze belegt. Die Eltern von Wolfgang von Weber waren Hans von Weber und Anna von Weber (geb. Jäger). Da der Vater von Charlotte Mo(h)r jüdischer Abstammung war, galt die Ehe ihrer Eltern als Mischehe. Die Ehe von Charlo Mor von Weber und Wolfgang von Weber wurde geschieden. Im Dritten Reich wurden sogenannte Mischehen oft geschieden, um sich selbst oder den Ehepartner zu schützen.

Commons: Charlo Mor von Weber – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

  1. Gedenkbuch Münchner Juden: „Leopold Mohr“ abgerufen am 28. Juni 2025.
  2. a b Literaturportal Bayern: Carlo (sic!) Mor von Weber im Verzeichnis Nachlässe Personen, abgerufen am 28. Juni 2025.
  3. Biographische Hinweise. Abgerufen am 29. September 2025.
  4. Monacensia: Bestand Nachlass Carlo (sic!) Mor von Weber, D17, Gutachten Prof. Manfred Schröter vom 25. Februar 1951.
  5. Münchner Merkur: Münchner Schriftstellerinnen lasen, 26. Januar 1950.
  6. Andreas Klimt (Redaktion): Kürschners Deutscher Literatur-Kalender Nekrolog 1971−1998. K.G. Saur 1999, ISBN 3-598-23687-5, S. 651.
  7. Elisabeth Tworek (Hrsg.): Literatur im Archiv – Bestände der Monacensia 2002, S. 86.
  8. Carlo Mor von Weber Kalliope Verbund, abgerufen am 28. Juni 2025
  9. Deutsches Literaturarchiv: Carlo Mor von Weber, abgerufen am 28. Juni 2025.
  10. Archivportal-D: Carlo Mor von Weber, abgerufen am 28. Juni 2025.
  11. Grabstätte 23-U-38. Monacensia: Biographischer Katalog – Weber, Charlotte von
  12. Deutsche Nationalbibliothek: Mor von Weber, Carlo, abgerufen am 28. Juni 2025.
  13. Rolf Boysen und Friedrich Dürrenmatt bei den Proben zu Frank V. Abgerufen am 29. September 2025.
  14. Dürrenmatt, Friedrich mit Everding, August anlässlich der Aufführung von Frank der V. in München. Abgerufen am 30. September 2025.
  15. Gedächtnis mit Schlagseite. Abgerufen am 29. September 2025.