Charlie Casanova

Charlie Casanova (* 20. Dezember 1997 in Heidelberg) ist eine multidisziplinäre Künstlerin deutsch-taiwanischer Herkunft. Ihre Arbeit umfasst unter anderem Live-Illustration, Malerei, Fotografie und experimentellen Film. Neben eigenen interdisziplinären Projekten ist sie insbesondere im Theater als Schauspielerin und Live-Musikerin tätig.

Leben

Charlie Casanova wuchs in Heidelberg auf und besuchte zunächst eine International School. Das erste Schuljahr verbrachte sie in Shanghai. Ihren Schulabschluss erlangte sie in England mit dem International Baccalaureate (IB). Im Alter von vier Jahren begann sie, Klavier zu lernen, und zeigte früh Interesse an analoger Fotografie, Zeichnung sowie an Theater und Schauspiel.

Seit 2016 lebt sie in Berlin. Dort begann sie, während Theateraufführungen das Gesehene illustrativ festzuhalten. Dadurch entwickelte sich ihre Fähigkeit zum Live-Zeichnen. Auf diese Weise entstandenen Hefte wurden 2022 in einem Artikel des Theatermagazins Die Deutsche Bühne präsentiert[1] sowie in verschiedenen Ausstellungen gezeigt. 2026 widmete das Magazin Theater der Zeit dieser Praxis in seiner Januarausgabe die Rubrik „Kunstinsert“.[2]

Seit 2020 ist Casanova als Schauspielerin, Live-Musikerin und Performerin tätig. Sie fertigte zudem Malereien für Theater- und Operninszenierungen an. Zu ihren bisherigen Stationen zählen unter anderem das Deutsche Schauspielhaus Hamburg, die Hamburgische Staatsoper, das Thalia Theater Hamburg, das Staatstheater Stuttgart, das Theater Chemnitz, das Theater Freiburg und das Badische Staatstheater Karlsruhe.

Werk

Theaterproduktionen

Ihre künstlerischen Ausdrucksformen im Theaterbezug entwickelte Charlie Casanova ab 2018, beginnend mit der Mitwirkung an Stückentwicklungsprozessen am Berliner Ensemble (Wheeler, Inszenierung Oliver Reese) und der Schaubühne (Amphitryon, Inszenierung Herbert Fritsch). Bei letzterer Arbeit dokumentierte sie erstmalig den gesamten Entstehungsprozess mit der Videokamera und fertigte das Programmheft-Leporello an. Seit 2019 wirkte Casanova mehrfach an Produktionen von Herbert Fritsch mit, unter anderem in den Bereichen Schauspiel, Musik, Bühnenmalerei, Dokumentarfilm und Programmheftgestaltung.

2020 spielte Casanova in der Produktion HERBERT am Schauspielhaus Bochum von Herbert Grönemeyer und Herbert Fritsch mit, die pandemiebedingt nicht uraufgeführt wurde.[3] 2022 spielte sie in Fritschs Inszenierung von Die Jagdgesellschaft am Deutschen Schauspielhaus Hamburg und fertigte zusätzlich Vorlagen für Bühnenmalereien, das gezeichnete Programmheft und Videodokumentationen an. Im gleichen Jahr fertigte sie für die Spielzeiteröffnung 22/23 an der Hamburgischen Staatsoper Malvorlagen in Öltechnik für Fritschs Carmen an. Während der Proben zu der Neuinszenierung von Der Fliegende Holländer an der Komischen Oper Berlin entstand ein lebensgroßes Ölgemälde der Titelfigur, das als Requisit genutzt wurde, sowie Programmheftzeichnungen, Probentrailer[4] und filmische Dokumentation.

2024 spielte sie am Staatstheater Stuttgart in der Uraufführung von Das Portal von Nis-Momme Stockmann mit, wo sie erstmalig am Klavier die Live-Musik des Abends gestaltete sowie drei Rollen mit 25 Kostümwechseln übernahm.[5] Im Anschluss spielte sie am Theater Chemnitz in Katharina Kummers Inszenierung Bilder deiner großen Liebe und übernahm zudem die Bühnen- und Kostümgestaltung.

2025 wirkte Casanova am Badischen Staatstheater Karlsruhe in der Inszenierung Woyzeck mit, wo sie für Komposition, Klaviermusik und Aufnahme verantwortlich war. Im April 2025 spielte sie in der Uraufführung von Herbert Fritschs Inszenierung Rauflust am Theater Freiburg mit, ebenfalls am Klavier, und fertigte zusätzlich filmische Dokumentationen und Programmillustrationen an.

Illustration und Grafik

Casanovas erste künstlerische Veröffentlichung entstand 2017 und umfasste Illustration, Grafik und Layout für Sebastian Krämers Album Vergnügte Elegien.[6] 2020 folgte das nächste Album des Chansonniers, Liebeslieder an Deine Tante, für das sie ebenfalls gestalterisch tätig war[7].

2021 gestaltete sie ein illustriertes Plakat im Rahmen der Soli-Aktion des Berliner Ensembles.[8] Im selben Jahr nahm sie an einem zweiwöchigen Intensivprojekt des Unternehmens share teil, bei dem 100 Leinwände live bemalt wurden.[9]

2022 entwickelte sie im Rahmen der Ruhrfestspiele das Projekt Festspieltagebuch.[10]

2024 arbeitete sie mit dem Arcis Saxophon Quartett zusammen und illustrierte Bühnenhintergründe während der Konzerte live. Im gleichen Jahr gestaltete sie eine Presswand für die erste Verleihung der Polyton Pop Musik Awards im Format 2 × 8 m und entwickelte Graffiti-Kunstwerke für eine Veranstaltung des Streamingdienstes Twitch.

In der Ausgabe Nr. 19 der Wochenzeitung Die Zeit (Sektion „Kultursommer“) erschien ein ganzseitiger Artikel über Casanova; für die weiteren Beiträge der Sektion fertigte sie ebenfalls Illustrationen an.

Film und Fotografie

Casanova ist auch als Fotografin aktiv und veröffentlichte Arbeiten in Fachzeitschriften, Magazinen, Online-Publikationen sowie auf Theaterwebsites. Dazu zählen unter anderem das Cover des Magazins Das Opernglas sowie Fotografien in Theater heute und Theater der Zeit.

Darüber hinaus produziert sie Videotrailer für Theaterproduktionen und Schauspieler:innen.

Ab 2023 veröffentlichte Casanova die experimentelle Mikrofilmserie Soliloquy auf Instagram, bestehend aus 222 Clips, welche innerhalb eines Jahres erschienen.

Ausstellungen

2021 zeigte Casanova erstmals Theaterzeichnungen in der Berliner Theaterbuchhandlung Einar & Bert.

Im November 2024 präsentierte sie ihre Soloausstellung The Stranger Staring Back im Rahmen des Rotlicht Festivals für analoge Fotografie in Wien.[11]

Im November 2025 folgte die Soloschau Remains of a Broken Spirit, kuratiert von Michael Biedowicz, in der Galerie Kronenboden in Berlin.

Auszeichnungen und Stipendien

2022: Coverstory im Theatermagazin Die Deutsche Bühne (Oktober-Ausgabe)

2024: Residenz-Stipendium der Zumikon Stiftung, einmonatiger Aufenthalt in Nürnberg (August)

2024: Aufnahme in das SWR Talentnetzwerk[12] (Oktober 2024 bis Dezember 2025)

2025: Ganzseitiger Artikel über Casanova in der Wochenzeitung Die Zeit, Ausgabe Nr. 19, Sektion „Kultursommer“[13]

2026: Sechsseitiges Kunstinsert und Interview im Theatermagazin Theater der Zeit, Januarausgabe

2025: Stipendium der Akademie der Künste (Berlin), Sektion Darstellende Kunst, Dreimonatsförderung in der Saison 25/26[14]

Einzelnachweise

  1. Die Deutsche Bühne: Charlies Welt. In: Die Deutsche Bühne. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  2. Zeichnungen halten das Gefühl besser fest. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  3. Sven Westernströer: Schauspielhaus Bochum begräbt den Herbert-Grönemeyer-Abend. 16. März 2023, abgerufen am 4. Januar 2026.
  4. Komische Oper Berlin: Der fliegende Holländer | Probeneinblick | Komische Oper Berlin. 11. November 2022, abgerufen am 4. Januar 2026.
  5. Verena Großkreutz: Das Portal – Schauspiel Stuttgart – Herbert Fritsch mit einer Uraufführung von Nis-Momme Stockmann. 20. Januar 2024, abgerufen am 4. Januar 2026 (deutsch).
  6. Vergnügte Elegien – Sebastian Krämer. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  7. Liebeslieder an deine Tante – Sebastian Krämer. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  8. Lena Simonis: Warten auf den Live Scream: berührende Soli-Plakate vom BE. 27. April 2021, abgerufen am 4. Januar 2026 (deutsch).
  9. share: share - Das Goldene Haus / Interviews mit Eyecandy und Charlie Casanova. 19. Oktober 2021, abgerufen am 4. Januar 2026.
  10. Festspieltagebuch. Abgerufen am 4. Januar 2026.
  11. The Stranger Staring Back. In: Rotlicht Festival. Abgerufen am 4. Januar 2026 (amerikanisches Englisch).
  12. SWR Talentnetzwerk fördert junge Kreative für Social Media. 5. August 2025, abgerufen am 4. Januar 2026.
  13. Peter Kümmel: Charlie Casanova: Im Ideengewimmel. In: Die Zeit. 7. Mai 2025, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 4. Januar 2026]).
  14. Berlin-Stipendium. Abgerufen am 4. Januar 2026.