Charles de Lasteyrie
Charles Ferdinand de Lasteyrie du Saillant, Comte de Lasteyrie (* 27. August 1877 im 6. Arrondissement („Arrondissement du Luxembourg“), Paris; † 28. Juni 1936 im 8. Arrondissement („Arrondissement de l’Élysée“), Paris) war ein französischer Politiker, Bankier, Historiker, der unter anderem zwischen 1922 und 1924 Finanzminister war.
Leben
Charles Ferdinand de Lasteyrie du Saillant war der Sohn von Robert de Lasteyrie (1849–1921),[1] der von 1893 bis 1898 ebenfalls Mitglied der Abgeordnetenkammer war, und Antoinette Desforges-Boucher, und absolvierte ein Studium an der École nationale des chartes, der nationalen Hochschule für Urkundenforschung, das er 1899 mit einem Diplom in Archivwissenschaften und Paläographie mit einer Arbeit mit dem Titel „L’abbaye Saint-Martial de Limoges“ beendete, in der sich mit der Abtei Saint-Martial von Limoges befasste. Er absolvierte zudem ein Studium der Rechtswissenschaften an der Sorbonne, der Universität von Paris, und bestand 1902 die Aufnahmeprüfung für die Generalinspektion der Finanzen (Inspection générale des finances). Er trat 1909 in den Bankensektor ein und diente während des Ersten Weltkriegs als Verbindungsoffizier im Stab der Nordregion und wurde anschließend Stabschef von Denys Cochin,[2] der von 1915 bis 1916 Staatsminister sowie zwischen 1916 und 1917 im Außenministerium Unterstaatssekretär für Blockade war. Danach wirkte er als Finanzdelegierter der französischen Regierung in der Waffenstillstandskommission und später als Generalsekretär der Reparationskommission an der Ausarbeitung des Friedensvertrages von Versailles mit. Darüber hinaus lehrte er als Dozent an der École libre des sciences politiques (Sciences Po), wo er einen Kurs über „im Ausland durchgeführte Steuerreformen“ hielt.
De Lasteyrie wurde am 16. November 1919 für das Département Corrèze erstmals zum Mitglied der Abgeordnetenkammer (Chambre des députés) gewählt und gehörte dieser zwischen dem 18. Dezember 1919 und dem 31. Mai 1924 an, wobei er sich der Fraktion der Republikanischen und demokratischen Übereinkunft ERD (Entente républicaine et démocratique) anschloss. Im Kabinett Poincaré II fungierte er vom 15. Januar 1922 bis zum 29. März 1924 als Finanzminister und behielt dieses bis zum 12. September 1917.[3][4] Am 29. April 1928 wurde er im neu geschaffenen zweiten Wahlkreis des 16. Pariser Arrondissement wieder zum Mitglied der Abgeordnetenkammer gewählt, der er nunmehr nach seinen Wiederwahlen am 1. Mai 1932 sowie am 26. April 1936 in der 14., 15. und 16. Legislaturperiode vom 1. Juni 1928 bis zu seinem Tode am 28. Juni 1936 angehörte, woraufhin Jean Chiappe[5] neuer Abgeordneter wurde. Er war zunächst Mitglied der Fraktion der Republikanischen und demokratischen Union URD (Union républicaine et démocratique) und dann ab 1932 der Fraktion des Republikanischen Bundes FR (Fédération républicaine). Aus seiner Ehe mit Marie-Marguerite Poiret gingen fünf Kinder hervor. Nach seinem Tode wurde er auf dem Cimetière du Montparnasse beigesetzt.
Weblinks
- Charles de Lasteyrie du Saillant. Nationalversammlung (Frankreich), abgerufen am 22. Dezember 2025 (französisch).
- Lasteyrie (du Saillant), Charles de. rulers.org, abgerufen am 22. Dezember 2025 (englisch).
Einzelnachweise
- ↑ Robert, Charles de Lasteyrie du Saillant. Nationalversammlung (Frankreich), abgerufen am 22. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ Denys, Pierre, Augustin, Marie Cochin. Nationalversammlung (Frankreich), abgerufen am 22. Dezember 2025 (französisch).
- ↑ France: Ministries, political parties, etc. from 1870. rulers.org, abgerufen am 21. Dezember 2025 (englisch).
- ↑ Ministère Poincaré 2 ( vom 4. Dezember 2022 im Internet Archive)
- ↑ Jean Chiappe. Nationalversammlung (Frankreich), abgerufen am 22. Dezember 2025 (französisch).