Charles Peale Polk

Charles Peale Polk (* 17. März 1767 in Annapolis, Maryland; † 6. Mai 1822 in Richmond County, Virginia) war ein US-amerikanischer Porträtmaler aus der Künstlerfamilie Peale. Er war der Neffe des bedeutenden Malers Charles Willson Peale und wuchs nach dem frühen Tod seiner Eltern bei diesem auf. In Philadelphia erhielt er eine künstlerische Ausbildung. Die Familie Peale zählte zu den einflussreichsten Künstlerdynastien der Vereinigten Staaten und prägte mit zahlreichen Porträts von George Washington insbesondere das Bild des ersten Präsidenten der Vereinigten Staaten in der amerikanischen Kunstgeschichte.[1]

Leben

Charles Peale Polk wurde in Maryland geboren. In Philadelphia erhielt er eine künstlerische Ausbildung. Er war der Neffe des bekannten Malers Charles Willson Peale und wurde nach dem frühen Tod seiner Eltern im Alter von zehn Jahren von diesem aufgenommen. Charles Willson Peale förderte Charles Peale Polk früh und ließ ihn durch das Kopieren bestehender Werke lernen. Eines der frühesten bekannten Gemälde Polks, ein Brustbild George Washingtons aus dem Jahr 1783, entstand, als Polk sechzehn Jahre alt war. Es basierte auf einem Werk seines Onkels. Das Porträt wurde bald populär und führte zu zahlreichen Aufträgen für Repliken. Bei der Darstellung Washingtons orientierte sich Polk am berühmten „Battle of Princeton“-Porträt seines Onkels, schuf jedoch eine eigene Interpretation: Während Peale Washington als aktiven Feldherrn zeigte, stellte Polk ihn in einer ruhigen, aufrechten Haltung in Dreiviertelansicht dar. Polks Version betonte Monumentalität und Gelassenheit, ersetzte militärische Dynamik durch symbolische Stabilität und gab der Landschaft eine größere Bedeutung.[1]

Obwohl viele seiner frühen Werke auf Vorbilder seines Onkels zurückgehen, entwickelte Polk einen eigenständigen Stil. Seine Malweise zeichnete sich durch eine klare Linienführung, dekorative Oberflächen und breite, deckende Farbflächen aus. Damit unterschied er sich von der stärker modellierten und illusionistischen Technik seines Onkels. Diese formale Strenge verlieh seinen Porträts eine charakteristische grafische Qualität. Mit zunehmender Erfahrung löste sich Polk stilistisch weiter von der Peale-Schule. Er arbeitete vor allem in Baltimore und später in Washington, D.C., wo er seine Karriere als Porträtmaler fortsetzte. Im Jahr 1790 schrieb er George Washington an und bat ihn, ein Porträt von ihm anfertigen zu dürfen. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass ein solches Treffen zustande kam.[1][2]

Neben seiner künstlerischen Arbeit engagierte sich Charles Peale Polk auch politisch. So war er im Jahr 1800 Sekretär des republikanischen Bürgerkomitees von Frederick County in Maryland. Über seine politischen Kontakte suchte er die Unterstützung von James Madison, dem er 1801 und 1802 Porträts seiner Eltern widmete. Ab 1806 arbeitete er als Rechnungsprüfer im Finanzministerium und von 1818 bis zu seinem Tod im Jahr 1822 als Regierungsbeamter in Washington, D.C.[1]

Werk

Der Schwerpunkt von Charles Peale Polks künstlerischer Tätigkeit lag auf Porträts von Protagonisten der Amerikanischen Revolution, darunter George Washington, General Lafayette[3] und Benjamin Franklin. In seinem Schaffen kopierte er vorwiegend bedeutende Originale. So fertigte er über fünfzig Kopien eines Washington-Porträts nach einer Vorlage seines Onkels Charles Willson Peale an. Polk galt als routinierter Porträtmaler der aufstrebenden amerikanischen Gesellschaft. Sein bekanntestes eigenständiges Werk ist das Porträt von Thomas Jefferson aus dem Jahr 1799. In späteren Jahren wechselte Polk teilweise von der Ölmalerei zur Glasmalerei („Verre églomisé“).

Werke (Auswahl)

Literatur

  • Lillian B. Miller (Hrsg.): The Peale Family: Creation of a Legacy 1770–1870, Abbeville Press, New York, 1996.
  • The Papers of George Washington, Presidential Series, Bd. 6, University Press of Virginia, Charlottesville, 1987.
  • Charles Coleman Sellers: Portraits and Miniatures by Charles Willson Peale, American Philosophical Society, Philadelphia, 1952.
  • Linda Crocker Simmons, Charles Peale Polk (1776–1822): A Limner and his Likenesses, Corcoran Gallery of Art, Washington, D.C., 1981.
  • Andrew J. Cosentino, Henry H. Glassie: The Capital Image: Painters in Washington, 1800–1915. Smithsonian Institution Press, Washington, D.C., 1983.
  • Emmanuel Bénézit: Dictionary of artists. Band 10: Müller – Pinchetti. Paris, 2006.
Commons: Charles Peale Polk – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d Linda Crocker Simmons: Charles Peale Polk (1776–1822): A Limner and his Likenesses. Hrsg.: Corcoran Gallery of Art. Washington, D.C. 1981.
  2. The Papers of George Washington, Presidential Series. Band 6. University Press of Virginia, Charlottesville 1987.
  3. Marquis de Lafayette | George Washington's Mount Vernon. Abgerufen am 20. Oktober 2025 (englisch).