Charles Michael Eger
Charles Michael Eger (* 7. Dezember 1843 als Carl Michael Eger in Christiania, Norwegen; † 16. Mai 1916 in Brooklyn, New York City) war ein US-amerikanischer Architekt und Unternehmer.
Leben
Eger, Sohn des norwegischen Finanzbeamten Lorentz Eger und dessen Ehefrau Caroline Ovidia Bergh (1814–1891), besuchte nach Schulen in Norwegen und Deutschland in den Jahren 1860/1861 die Kunstakademie Düsseldorf. Dort ging er in die Elementarklasse von Andreas Müller und Ludwig Heitland sowie in die Bauklasse von Rudolf Wiegmann.[1] Erste Berufserfahrungen sammelte er in Norwegen unter dem dänischstämmigen Architekten Jacob Wilhelm Nordan (1824–1892).[2] 1869 emigrierte er mit einem Stipendium in die Vereinigten Staaten. Als Zeichner fand er nach einigen Gelegenheitsjobs eine Anstellung bei dem Bauunternehmen Architectural Iron Works von Daniel D. Badger (1806–1884) in New York City, das für die Herstellung gusseiserner Fassaden bekannt war. Als diese Firma 1876 ihren Betrieb aufgab, machte sich Eger mit seinem Vorgesetzten, dem Dänen Niels Poulson (eigentlich Niels Poulsen, 1843–1911),[3] unter dem Namen Poulson & Eger’s Architectural Iron Works selbständig.
Unter dem Namen Hecla Architectural Iron Works erbauten sie 1879 eine Fabrik für Bauteile der damals aufstrebenden Gusseisen-Architektur. Der Firmenname bezog sich auf den 1878 zuletzt ausgebrochenen isländischen Vulkan Hekla. Über mehrere Baublöcke ausgedehnte Fabrikanlagen, darunter eigene Gießereien, ließen Poulson und Eger im nördlichen Brooklyner Stadtteil Williamsburg errichten. Einen Showroom mit Office eröffneten sie an der West 23rd Street in Manhattan. Außerdem betrieben sie eine Abendschule, um Fachleute für Metallarbeiten heranzubilden. Brände in den Jahren 1889 und 1891 bereiteten ihrem Unternehmen einen Verlust von fast einer halben Million US-Dollar.[4] Ab 1896 wurde in Williamsburg als Hauptgebäude und Vorzeigeprojekt das viergeschossige Hecla Irons Work Building errichtet, das heute von der Landmarks Preservation Commission als historisch bedeutend eingestuft ist. Es repräsentiert den Übergang von der Lochfassade zur Vorhangfassade.[5]
1897 wurde die Firma Poulson & Eger zur Hecla Iron Works inkorporiert.[6][7] Poulsen war deren Präsident, Eger als Vizepräsident Leiter der Architektur- und Entwurfsabteilungen des Unternehmens, das in seiner Blütezeit rund 1000 Mitarbeiter beschäftigte,[8] auch bis zu 30 Bildhauer, darunter Carl Rohl Smith.[9] Als Poulson 1911 starb, wurde Eger Präsident. Nachdem er seine Firma 1913 mit der einer Konkurrentin aus Chicago unter dem Namen Hecla-Winslow verschmolzen hatte, zog er sich als Aufsichtsratsvorsitzender aus dem Geschäftsbetrieb zurück und übergab Francis Demilt Jackson (1858–1941) die Unternehmensführung.
Das Unternehmen bewarb „Hecla Bronze and Iron Works“, es entwickelte und produzierte alle Arten von kunstgewerblich ornamentierten Bronze- und Eisenkonstruktionen, Einzelanfertigungen für metallene Bauplastiken und Dekors sowie eine Vielzahl von Beschlägen und Gebrauchsgegenständen, insbesondere Ziergitter, Säulen, Pilaster, Geländer und Gestelle, Fensterrahmen, Türen und Tore, Leuchten und Kandelaber, feuersichere Treppen, Aufzugkabinen, Kaminsimse, Kaminschirme und Bücherregale, etwa auch 133 „Kioske“ als Eingänge zur U-Bahn der Interborough Rapid Transit Company. Es lieferte Bauplastiken und Bauteile für das American Surety Building, das New York Life Insurance Company Building, den B. Altman & Co. Department Store, die Macombs Dam Bridge, den 155th Street Viaduct und den Grand Central Terminal.[10][11][12] Auch die doppelläufige Wendeltreppe im Innern der Freiheitsstatue wurde von Hecla hergestellt. 1898 wurde die Firma zu den führenden Herstellern von „ornamental iron“ in New York City gezählt.[13] Auf der World’s Columbian Exposition wurde die von Poulson & Eger entwickelte „Hecla Fireproof Construction“, eine patentierte, den Brandschutz verbessernde und rationelle Bautechnik, die traditionelle Bauweisen mit Balken und Mauerwerksbögen durch ein triangulares Tragwerksystem aus Portlandzement-Bögen auf Stahlsäulen ersetzte,[14] mit einer Medaille und einem Diplom gewürdigt.[15]
Am 19. Mai 1871 heiratete Eger in Manhattan Matilda Andersen. Die Ehe blieb kinderlos. Er starb im Alter von 72 Jahren. Bestattet wurde er auf der Green-Wood Cemetery.[16] Er hinterließ ein stattliches Vermögen von 1 Million US-Dollar, wovon 60.000 für die Altenpflege von Norwegian Americans („Norwegian Lutheran Home for the Aged“) gestiftet wurden.[17]
Literatur
- Eger, Charles Michael. In: The National Cyclopaedia of American Biography. James T. White & Co., New York, Supplement I, Band 14 (1910), S. 300 (Digitalisat).
Weblinks
- Hecla Iron Works, 940 Madison Ave, New York, Biografie
- Hecla Iron Works from 1876 to 1908, Suchergebnis im Portal digitalcollections.nypl.org (New York Public Library)
Einzelnachweise
- ↑ „Eger / Michael / BR 0004 Nr. 1560 / 176V / 1860 / 2. Klasse Bauschule / Wiegmann“. In: Landesarchiv Nordrhein-Westfalen: Findbuch 212 01 04: Schülerlisten der Kunstakademie Düssedorf. (PDF)
- ↑ Kenneth O. Bjork: Saga in Steel and Concrete. Norwegian Engeneers in America. Norwegian-American Historical Association, Northfield/Minnesota 1947, S. 403 (Digitalisat)
- ↑ Niels Poulsen (1843–1911), Eintrag im Portal horsensleksikon.dk, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Suzanne Spellen: The Hecla Iron Works Factory Rose From the Ashes in Williamsburg. brownstoner.com, 6. August 2018, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Landmarks Preservation Commission: Hecla Iron Works Building. 8. Juni 2004 (PDF)
- ↑ The Iron Trade Review and Industrial World. Ausgabe vom 6. Juli 1899, S. 17 (Google Books)
- ↑ The Iron Age. Band 87 (1911), S. 1138.
- ↑ Richard L. Dutton: Brooklyn. The Brooklyn Daily Eagle Postcards 1905–1907. Arcadia, Portmouth/New Hamshire 2004, ISBN 0-7385-3531-1, S. 36 (Google Books)
- ↑ Niels Poulsen, Eintrag im Portal biografiskleksikon.lex.dk, abgerufen am 20. Dezember 2025.
- ↑ Hecla Architectural Iron Works. In: Francis Morrone: An Architectural Guidebook to Brooklyn. Gibbs Smith, Layton/Utah 2001, ISBN 1-58685-047-4, S. 230–232 (Google Books)
- ↑ Hecla Iron Works Building. In: Barbaralee Diamonstein-Spielvogel: The Landmarks of New York. An Illustrated Record of the City’s Historic Buildings. State University of New York Press, Albany/New York 2011, ISBN 978-1-4384-3769-9, S. 367 (Google Books)
- ↑ Architectural and Ornamental Bronze and Iron Work. Anzeige in: The Architectural Review. Bates & Guild Company, Boston, Band 1 (1899), S. vii (Google Books)
- ↑ The Hecla Iron Works. In: A History of Real Estate, Building, and Architecture in New York City During the Last Quarter of the Century. Record and Guide, The Real Estate Record Association, New York 1898, S. 505 (Google Books)
- ↑ Fireproof Laboratory Construction. In: The Journal of the Society of Chemical Industry. Band 16, Nr. 2, 27. Februar 1897, S. 126 f. (Google Books)
- ↑ Scientific American. Architects and Builders Edition. Band 17, Nr. 2, Februar 1894, S. 32 (Google Books)
- ↑ Charles Michael Eger, genealogisches Datenblatt im Portal ancestors.familysearch.org
- ↑ Margaret Lundrigan Ferrer: Images of America: Richmond Town and Lighthouse Hill. Arcadia Publishing, Portsmouth/New Hampshire 1996, ISBN 0-7385-5797-8, S. 117 (Google Books)