Charles Léonard Lafontaine

Charles Léonard Lafontaine (* 27. März 1803 in Vendôme; † 13. August 1892 in Genf) war ein französisch-schweizerischer Magnetiseur, der über tierischen Magnetismus und die „Magnétothérapie“ gearbeitet hat.[1][2]

Leben und Werk

Er war ein Enkel des französischen Schriftstellers Jean de La Fontaine; seine frühen Berufsjahre hat er als Schauspieler verbracht. 1831 wurde er in Brüssel durch den belgischen Lithografen, Erfinder und Gelehrten Jean Baptiste Ambroise Marcelin Jobard in den Mesmerismus eingeführt. Anschließend studierte er die Werke des Marquis de Puységur und des Joseph Philippe François Deleuze. Nachdem er seine Schauspielkarriere aufgegeben hatte, begann er, Teile Europas als „reisender Magnetiseur“ zu bereisen. In England gab er öffentliche Vorführungen von Magnetismus und Somnambulismus. Er erklärte, dass sogenannte magnetische Phänomene mit Willenskraft, ohne Willenskraft und gegen Willenskraft hervorgerufen werden könnten. Obwohl er bisweilen Einzelpersonen „behandelte“, war er hauptsächlich ein „magnetischer Demonstrant“ und kein ein professioneller Therapeut.

Der schottische Arzt James Braid besuchte am 13. November 1841 eine Demonstration Lafontaines in Manchester mit der Absicht, die Täuschungen aufzudecken.[3] Nach einigen Vorführungen des Magnetiseurs, bei denen Braid auf der Bühne den körperlichen Zustand von Lafontaines magnetisierten Probanden (insbesondere ihre Augen und Augenlider) untersuchen konnte, war Braid überzeugt, dass es sich um ein wissenschaftlich ergründbares Phänomen handele; aber anders als von den Magnetiseuren propagiert, glaubte Braid nicht an eine Verwandtschaft zum physikalischen Magnetismus, sondern erklärte die Vorgänge als Ergebnis einer Hypnose. Am 10. April 1842 predigte der Liverpooler Geistliche Hugh M‘Neile vor einer ausverkauften Gemeinde gegen den Mesmerismus. Dabei argumentierte er gegen Lafontaine und Braid, die er unter anderem als Nekromanten bezeichnete und den Schluss zog, dass alle mesmerischen Phänomene auf „satanische Macht“ zurückzuführen seien. Aufgrund der öffentlichen Wirkung von M‘Neiles Predigt wurde Lafontaines anschließende Vortragsreise durch den Norden Englands ein völliger finanzieller Misserfolg und er musste das Land verlassen.

Ende 1842 kehrte er nach Frankreich zurück und bereiste anschließend Europa und den Mittelmeerraum. 1849 hielt er sich in Neapel auf und nach seinen Angaben wurden einigen der von ihm behandelten Personen das Augenlicht und das Gehör wiedergegeben. Darauf wurde er beschuldigt, die Wunder Christi blasphemisch nachzuahmen. Dies brachte ihn in eine schwierige Lage, er hatte aber das Glück, dass der französische Konsul beim Ministerrat des Königs für ihn intervenierte. Laut Lafontaine erließ König Ferdinand II. ein Dekret, nachdem er damit einverstanden sei, dass Herr Lafontaine in Neapel bleibt. Nach einer Vorführung bei Papst Pius IX. kommt es am 28. Juli 1847durch die Heilige Kongregation des Heiligen Offiziums zu der Feststellung, „nachdem alle Missverständnisse, Zukunftsvorhersagen und expliziten oder impliziten Anrufungen des Teufels ausgeräumt sind, ist die Anwendung des tierischen Magnetismus tatsächlich lediglich ein Akt der Nutzung physikalischer Medien, die ansonsten erlaubt sind, und daher nicht moralisch verboten, sofern sie nicht einem unerlaubten Zweck oder etwas Verwerflichem dient.“

Im Jänner 1850 kehrte er nach Frankreich zurück, übersiedelte dann aber bald nach Genf in der Schweiz, wo er bis zu seinem Tode blieb. In Genf gab er zwischen 1859 und 1872 die Zeitschrift „Le Magnétiseur: Journal du Magnétisme Animal“ heraus. In seinen Memoiren beschreibt er sehr detailliert seine Erfahrungen, die er mit Menschen gemacht hat; seine Erfolgsquote (vollständige Heilungen und/oder Verbesserungen bei z. B. Taubheit und Stummheit, Blindheit, Lähmung, Gliedmaßenkontrakturen, krampfartigen Bewegungen oder rheumatische Schmerzen) gibt er bei über 80 % an.

Am 27. Oktober 1868 reichte der Arzt Auguste Ladé eine Verleumdungsklage gegen Lafontaine ein, weil dieser in seiner Zeitschrift einen Artikel mit dem Titel „Ein medizinischer Skandal“ veröffentlicht hatte, in dem dargestellt wird, dass Dr. Ladé in den plötzlichen Tod von Miss Patonier verwickelt war. Sie starb an einer tödlichen Überdosis Morphium, die Louis Ladé, ein ausgebildeter Apotheker und Vater des Arztes Auguste Ladé, zubereitet hatte. Der Vater des Mädchens, Jean-Pierre Patonier, veröffentlichte daraufhin eine Broschüre, in der er die dem Gerichtsmediziner vorgelegten Beweise detailliert darlegte und das Versagen des Justizsystems anprangerte, da Ladé für sein Versagen nie zur Rechenschaft gezogen worden war. Lafontaine druckte den Text von Patoniers Broschüre mit einigen zustimmenden redaktionellen Kommentaren in der Septemberausgabe 1868 von „Le Magnétiseur“ unter dem Titel „Un Scandale medical“ ab, deswegen wurden gegen Lafontaine Klage wegen Verleumdung vorgebracht. Mit dem Zivilurteil vom 9. April 1869 wurde die Klage von Dr. Ladé aber abgewiesen.[4]

Lafontaine starb am 13. August 1892 als vergleichsweise wohlhabender Mann im schweizerischen Genf.

Publikationen (Auswahl)

Monografien
  • L'art de magnétiser, ou Le magnétisme animal considéré sous le point de vue théorique, pratique et thérapeutique (2e édition considérablement augmentee). G. Baillière, Paris 1852 (Nachdruck Hachette Livre BNF 2013, ISBN 978-2012803275).
  • L'Art de magnétiser, ou le Magnétisme vital considéré sous le point de vue théorique, pratique et thérapeutique (5e édition). F. Alcan, Paris 1905.
  • Mémoires d'un magnétiseur, suivis de l'examen phrénologique de l'auteur par le Dr Castle. Germer-Baillière, Paris 1866.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge
  • Les possédées de Morzine. In: Revue spiritualiste, 1864, VII, S.|129–137.
  • Le Magnétiseur. In: Journal du magnétisme animal, 1859, Nr. 11; 1872, Nr. 12.
Commons: Charles Lafontaine – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Lafontaine, Charles Léonard auf Imago Mundi, Institut für Grenzgebiete der Wissenschaft – Paranormologie, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  2. Charles Lafontaine (1803-1888), abgerufen am 1. Oktober 2025.
  3. Charles Lafontaine auf PSY-SARTHE - Cabinet de Psychothérapies, abgerufen am 1. Oktober 2025.
  4. 5. Jugement civil du 9 avril 1869 (du procès en diffamation intenté par le docteur Ladé contre Charles Lafontaine), abgerufen am 2. Oktober 2025.