Charles B. Blankart
Charles Beat Blankart (* 20. Mai 1942 in Luzern; † 29. Oktober 2023 in Berlin[1]) war ein Schweizer Volkswirtschafter. Seine Forschungsgebiete waren insbesondere Finanzwissenschaft, Neue Politische Ökonomie und Föderalismus.
Leben
Charles Beat Blankart, Sohn von Gabrielle Blankart, geborener Zelger, und des Chemikers André Blankart, studierte von 1962 bis 1969 an der Universität Basel (mit Abschluss als Lic. rer. pol.), wurde 1969 in Basel zum Dr. rer. pol. promoviert und habilitierte sich 1976 an der Universität Konstanz. Er war Mitglied der Studentenverbindung Zofingia. Von 1976 bis 1978 übte er seine erste Lehrtätigkeit als Privatdozent an der Universität Konstanz aus. 1978 folgte er einem Ruf als Professor an die Freie Universität Berlin. Im selben Jahr wurde er Professor an der Hochschule der Bundeswehr München. Er wohnte daraufhin in Neubiberg.[2] 1985 wechselte er an die Technische Universität Berlin, von 1992 bis 2010 war er als Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin tätig.
Blankart hatte darüber hinaus Gastprofessuren am Center for Study of Public Choice VPI in Blacksburg, Virginia (1973/74), am Wissenschaftszentrum Berlin (1981), am Center for Study of Public Choice der George Mason University in Fairfax, Virginia sowie 1985 und 1998 an der Universität Rom (La Sapienza). Darüber hinaus war er Hayek-Gastprofessor an der Wirtschaftsuniversität Wien. Ab 2011 war er Senior-Professor an der Humboldt-Universität zu Berlin und Ständiger Gastprofessor an der Universität Luzern.
Blankart war Mitglied des Wissenschaftlichen Beirats beim deutschen Bundesministerium für Wirtschaft, Mitglied der Mont Pèlerin Society, der Friedrich A. von Hayek-Gesellschaft und des Schweizerischen Zofingervereins. Zudem gehörte er dem Vorstand des European Center for Public Choice und des Instituts für Unternehmerische Freiheit an. Er war 1971 Gründungsmitglied der European Public Choice Society und übernahm als Präsident deren Vorsitz 1984/1985. Er saß im Beirat des Liberalen Instituts in Zürich. Bis 2011 war als Mitglied des Wissenschaftlichen Arbeitskreises für Regulierungsfragen bei der deutschen Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post tätig.
Charles B. Blankart war katholisch, ab 1977 mit Catherine Blankart, geborener Zahn, verheiratet und hatte zwei Söhne (Ludwig und Rudolf). Er war der Bruder des Schweizer Diplomaten Franz Blankart.[3] Von 2010 bis 2019 war er Verwaltungsratsmitglied der familieneigenen Blankart & Cie Aktiengesellschaft.[4]
Sonstiges
Im September 2013, kurz vor der Bundestagswahl 2013, forderten einige Politiker von der SPD und den Grünen Wirtschaftsminister Philipp Rösler auf, Massnahmen gegen zwei Mitglieder des wissenschaftlichen Beirats beim Bundeswirtschaftsministerium zu ergreifen, namentlich gegen Blankart und Roland Vaubel, da diese auch im Wissenschaftlichen Beirat der AfD tätig waren.
Die stellvertretende Vorsitzende der Grünen-Fraktion Kerstin Andreae sagte, die Unabhängigkeit des Beirats sei gefährdet, wenn die beiden Professoren für die AfD im Wahlkampf aufträten. Der europapolitische Sprecher der SPD, Michael Roth, liess sich mit den Worten zitieren: „Über Neubesetzungen im BMWi-Beirat wird bald eine sozialdemokratisch geführte Bundesregierung entscheiden. Dass Herr Vaubel diesem Gremium dann noch angehört, können wir schon jetzt ausschließen.“[5]
Der Vorsitzende des Beirats, der Kölner Ökonomieprofessor Achim Wambach, wies diese Forderung zurück; er sagte: „Die Aufforderung an ein Mitglied, wegen seiner politischen Tätigkeit auszutreten oder das Amt ruhen zu lassen, würde den Verdacht nahelegen, dass der Beirat gerade nicht unabhängig von der Regierung sei“. Für ihn stehe ausser Frage, dass der Beirat „nicht Stellung im Bundestagswahlkampf“ beziehe. Die nächsten Gutachten würden erst nach der Wahl erscheinen.[6]
Nach dem politischen Richtungswechsel der AfD trat Blankart am 7. Juli 2015 aus dem Wissenschaftlichen Beirat der AfD aus. Blankart war nie Mitglied der AfD.
Auszeichnungen
- 2013: Röpke-Preis für Zivilgesellschaft des Liberalen Instituts
Publikationen (Auswahl)
- Ökonomie der öffentlichen Unternehmen. (Lehrbuch) 1980.
- als Hrsg. mit Monika Faber: Regulierung öffentlicher Unternehmen. 1982.
- Öffentliche Finanzen in der Demokratie. München, 1991.
Literatur
- Blankart, Charles Beat. In: Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 105.
Weblinks
- Charles B. Blankart im Katalog der ZBW – Leibniz-Informationszentrum Wirtschaft (ZBW)
- Literatur von und über Charles B. Blankart im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Charles Beat Blankart. Kurzbiografie an der Humboldt-Universität zu Berlin (Archiv)
Einzelnachweise
- ↑ Christoph Schaltegger: Ein Ökonom, der sich um die Politik kümmerte – Nachruf auf Charles Beat Blankart. In: Neue Zürcher Zeitung, 31. Oktober 2023.
- ↑ Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 105.
- ↑ Marc Kowalsky: Machtnetz von Rudolf Matter: Der Konvergenz-Mann. In: Bilanz 13/2010, 2. Juli 2010, abgerufen am 13. Februar 2012.
- ↑ Verwaltungsrat und Geschäftsleitung. ( vom 13. November 2012 im Internet Archive) Blankart & Cie, abgerufen am 31. Dezember 2011.
- ↑ SPD will Wissenschaftler entfernen
- ↑ Rückendeckung für Röslers AfD-Ökonomen, Handelsblatt, 13. September 2013 (Archiv).