Chami (Mauretanien)
| Chami شامي | ||
|---|---|---|
| Das Zentrum von Chami, von der Hauptstraße aus gesehen | ||
| Staat: | Mauretanien | |
| Region: | Dakhlet Nouadhibou | |
| Departement: | Chami | |
| Koordinaten: | 20° 10′ N, 15° 59′ W | |
| Höhe: | 34 Meter ü.d.M. | |
| Fläche: | 5.127 km² | |
| Einwohner: | 4.214 (2023) | |
| Bevölkerungsdichte: | 1 Einwohner je km² | |
| Zeitzone: | GMT (UTC±0) | |
Chami (arabisch شامي, DMG Šāmī) ist eine Gemeinde in der Verwaltungsregion Dakhlet Nouadhibou von Mauretanien und Hauptstadt des Départements Chami. Der Hauptort wurde als Planstadt gegründet und wird aufgrund des Goldabbaus in der Region als „Goldhauptstadt“ Mauretaniens bezeichnet.[1]
Geographie
Der Hauptort der Gemeinde Chami liegt 231 Kilometer nördlich von Nouakchott auf etwa 34 m Meereshöhe im nördlichen Westteil des Landes und entstand als Planstadt im Hinterland der Atlantikküste, in einem von Sanddünen und Steinwüste geprägten Teil der Sahara, in der klimatisch ariden westmauretanischen Tieflandwüste. Der Nordteil des Nationalpark Banc d’Arguin nimmt den Westen des Gemeindegebietes ein und hält die bewohnten Orte auf gut 20 Kilometer Abstand von der Küste, der seichten Meeresbucht Golfe d’Arguin. Das Gemeindegebiet hat eine Fläche von 5127 km².[2][3]
Geschichte
Chami wurde im Jahr 2012 in einer vorher nahezu unbewohnten Gegend gegründet, um dem Problem der „anarchischen Sesshaftwerdung“ – damit ist die Neubildung von Dörfern durch Sesshaftwerden von Nomaden ohne Kontrolle des Staates gemeint – etwas entgegenzusetzen. Der Ort wurde wegen der Lage an der Fernstraße N2 ausgewählt, die an Bedeutung stark zunahm, nachdem sie asphaltiert worden war. Durch die Präsenz des Staates und die Gründung einer Siedlung sollte das Wüstengebiet besser kontrolliert werden können und die oft in weit verstreuten Kleinstdörfern wohnende Bevölkerung an Stellen konzentriert werden, wo die staatliche Daseinsvorsorge (Wasserversorgung, Stromversorgung, Kommunikation, Gesundheit, Bildung, Transport) einfacher gewährleistet werden kann.[4]
Die Errichtung von Chami als kommunale Körperschaft erfolgte per Dekret am 3. August 2013.[5] Noch bevor es zur Ansiedlung kam, wurde eine Siedlungsinfrastruktur aufgebaut. Auf 600 Hektar Fläche wurden 5680 Grundstücke zu Wohnzwecken, 805 gewerbliche Einheiten sowie Gemeinschafts- und Verwaltungsgebäude geplant. Gegen den allgegenwärtigen Wind wurde um die Ortschaft ein Grüngürtel mit knapp 50.000 Pflanzen (hauptsächlich Prosopis juliflora) gepflanzt.[4] Nachdem mehrere öffentliche Gebäude im Jahr 2013 fertiggestellt worden waren, wurde 2015 auch eine Moschee eingeweiht. Außerdem gibt es Solarstraßenlaternen, Stromversorgung und ein Wasserversorgungsnetz.
Die Bevölkerung von Chami wuchs schnell an, nachdem Präsident Mohamed Ould Abdel Aziz 2016 den Goldrausch bestätigte und sagte, dass jeder Mauretanier dort sein Glück versuchen könne.[4] Es gab zusätzlich auch Zuzug von Migranten aus Mali, dem Sudan und anderen Ländern.[1]
Bevölkerung
Die Bevölkerungszahl der Gemeinde hat nach der Gründung 2012 in den Jahren 2013 bis 2023 von 51 auf 4214 Einwohner zugenommen.[2] Der Hauptort selbst hat 3753 Einwohner (2023). Daneben gibt es noch einen anderen bewohnten Ort, Viraj Taziazett.[6]
Verkehr
Chami liegt an der Nationalstraße N2, die von Nouakchott im Süden nach Norden zur Hafenstadt Nouadhibou und zur Grenze von Westsahara führt.
Wirtschaft
Chami ist ein Vorzeigeprojekt für Modernisierungs-, Stadtentwicklungs- und Bevölkerungskontrollpolitik des mauretanischen Staates. Neben dem Aufbau des Ortes wurden auch einige Wirtschaftsbetriebe angesiedelt.[4] Die Stadt besitzt eine Versorgungsfunktion für die Goldabbaugebiete im Umland und für die Reisenden auf der Fernstraße.
Da sich innerhalb von Chami Erzverarbeitungsgewerbe ansiedelte und es dadurch zu Lärmbelästigung und Verschmutzung (u. a. mit Quecksilber) kam, wurde südlich außerhalb des Ortes ein Gebiet ausgewiesen, in das diese Aktivitäten ausgelagert wurden.
Kritik
Etwa zehn Kilometer südlich von Chami gibt es eine Tankstelle an einem Ort, an dem die Wasserversorgung einfacher gewesen wäre, da durch Bohrungen ein Grundwasserleiter erreicht werden kann. Der Eigentümer der Tankstelle galt als Rivale des damaligen Präsidenten Abdel Aziz, weshalb davon ausgegangen wurde, dass dieser die Stadt an einer anderen Stelle gründen ließ.[4]
Entgegen den staatlichen Zielen siedelten sich kaum Nomaden aus der Umgebung in Chami an, da deren Einkommen nicht ausreichte, um sich Grundstücke in Chami zu kaufen.[4]
Die Nachhaltigkeit der Stadtgründung ist fraglich. Nachdem 2018 in der Region Tiris Zemmour Goldfunde gemacht worden waren, zogen mehrere Tausend Bewohner dorthin weiter, was zeigt, dass die Bevölkerungszahl von Chami unter Umständen auch schnell wieder sinken könnte.[4]
Die Bergbauaktivität führt zu einer starken Umweltbelastung, vor allem durch den ungeregelten Einsatz von Quecksilber. Es ist davon auszugehen, dass der vorherrschende Nordostwind Harmattan Quecksilberdämpfe in den Nationalpark Banc d’Arguin, ein UNESCO-Weltnaturerbe, einträgt.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b Mauritania: Strengthening Local Labour Migration Management in Chami, with a Focus on Access to Health Resources and Protection Services, abgerufen am 29. November 2023
- ↑ a b Citypopulation: Mauretanien: Gemeindegliederung
- ↑ Chami bei Geonames
- ↑ a b c d e f g h Laurent Gagnol, Géraud Magrin und Raphaëlle Chevrillon-Guibert, in: L’Espace Politique (38 | 2019-2), 28. Februar 2020: Chami, ville nouvelle et ville de l’or. Une trajectoire urbaine insolite en Mauritanie. Chami, new town and city of gold. An unusual urban trajectory in Mauritania, abgerufen am 29. November 2023
- ↑ Décret n° 2013/157 portant création et dénomination de la Commune de Chami et fixant ses limites territoriales
- ↑ ANSADE: Localités habitées en Mauritanie (RGPH 2023) - Viraj Taziazett bei Geonames