Chalermchai Kositpipat

Chalermchai Kositpipat (thailändisch เฉลิมชัย โฆษิตพิพัฒน์; geboren am 15. Februar 1955 in Chiang Rai) ist ein thailändischer Maler und bildender Künstler. Internationale Bekanntheit erlangte er durch seine Verbindung traditioneller buddhistischer Bildwelten mit zeitgenössischen Stilmitteln sowie durch sein monumentales Architektur- und Kunstprojekt Wat Rong Khun („Weißer Tempel“) in Chiang Rai.

Herkunft und frühe Jahre

Chalermchai Kositpipat wurde in eine sino-lannathailändische Familie in Chiang Rai geboren. Sein Vater war ein aus der chinesischen Provinz Guangdong eingewanderter Chinese, seine Mutter thailändisch-chinesischer Herkunft.

Privates

Chalermchai Kositpipat ist seit dem 5. Dezember 1992 mit Kanokwan Kositpipat verheiratet. Das Paar hat einen Sohn, Tan (Napat) Kositpipat, der 2016 im Alter von 22 Jahren freiwillig seinen Militärdienst antrat. Tan besitzt einen Bachelorabschluss in Film von der Kingston University in Großbritannien. Die Familie ist eng mit den Arbeits- und Produktionsprozessen rund um Wat Rong Khun verbunden.[1]

Ausbildung und Karriere

Ausbildung

Früh zeigte sich sein Interesse an religiöser Symbolik und visueller Kunst. Er studierte an der Silpakorn-Universität in Bangkok, einer der wichtigsten Kunsthochschulen Thailands, und schloss 1977 mit einem Bachelor of Fine Arts ab.[2]

Karrierebeginn

Nach dem Studium begann er mit dem Malen großformatiger Kinoplakate. Kurz darauf entwickelte er einen eigenen Stil, der Elemente der traditionellen thailändischen Tempelmalerei mit modernen Bildmotiven kombinierte.[3]

Internationale Tätigkeit

1980 reiste Chalermchai erstmals ins Ausland und verbrachte sechs Monate in Sri Lanka, wo ihn insbesondere die weiß gehaltenen buddhistischen Tempel und Skulpturen beeinflussten. Dort stellte er auch erstmals international aus.

Zwischen 1988 und 1992 arbeitete er an Wandmalereien für den thailändischen Tempel Wat Buddhapadipa in London.[4] Die modern anmutenden Darstellungen lösten in Thailand zunächst heftige Kontroversen aus.[5]

Werke

Tempelmalerei und frühe Arbeiten

Die Einbeziehung zeitgenössischer Motive in traditionelle buddhistische Wandmalerei prägte Chalermchais frühe Arbeiten. Sein Ansatz galt in den 1980er Jahren als experimentell und polarisierend.

Wat Buddhapadipa (London)

Der Wandmalereizyklus im Wat Buddhapadipa gilt als eines der wichtigsten frühen Werke des Künstlers. Die teils unkonventionelle Gestaltung führte zu Debatten über die Grenzen traditioneller thailändischer religiöser Kunst.[6]

Sri Lanka – Einflussphase

Während seines Aufenthalts in Sri Lanka wurde Chalermchai von der Ästhetik weißer Tempel, Stupas und Skulpturen stark beeinflusst. Diese Elemente sollten später in Wat Rong Khun eine zentrale Rolle spielen.

Wat Rong Khun (Weißer Tempel)

1997 begann Chalermchai mit dem Bau des Wat Rong Khun, eines weiß gestalteten buddhistischen Tempels in der Provinz Chiang Rai. Er kaufte das Gelände eines verlassenen Tempels auf und schuf eine völlig neue Tempelanlage. Der Tempel ist als Gesamtkunstwerk angelegt und kombiniert Architektur, Skulptur und ornamentale Symbolik.[7]

Chalermchai äußerte wiederholt, dass allein der Tod ihn an der Vollendung seines Tempels hindern könne.[8]

Panoramabild Wat Rong Khun Hauptwerk des Künstlers

Themen und Stilmerkmale

Zu seinen zentralen Ausdrucksmitteln zählen:

  • weiße Tonalität und Spiegelornamente
  • Verschmelzung traditioneller buddhistischer Ikonografie mit moderner Bildsprache
  • dynamische Linienführung und ornamentale Verdichtung
  • symbolische Darstellungen des karmischen Weges

Wahrzeichen von Chiang Rai

Zu seinen weiteren Arbeiten zählt der Entwurf des goldfarbenen Uhrturms von Chiang Rai, der 2005 errichtet wurde und als städtisches Wahrzeichen gilt.[9]

Rezeption

Chalermchais Werke waren anfänglich heftig umstritten, werden inzwischen aber international anerkannt. Zu seinen Auftraggebern zählte unter anderem der thailändische König Bhumibol Adulyadej. Einzelne Arbeiten erzielten in internationalen Auktionen hohe Preise, etwa das Gemälde „Food Offering to Monks“, das 2018 für 59.375 US-Dollar verkauft wurde.

Position im zeitgenössischen Kunstbetrieb

Chalermchai wird heute als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Künstler Thailands angesehen. Besonders Wat Rong Khun entwickelte sich zu einem internationalen kulturellen Wahrzeichen und touristischen Anziehungspunkt.

Ausstellungen (Auswahl)

  • 1980: Einzelausstellung, Lionel Wendt Art Gallery, Colombo
  • 1988–1992: Wandmalereien im Wat Buddhapadipa, London

Auszeichnungen

  • Silpathorn Award, 2004
  • National Artist of Thailand, 2011[10]
  • 2016 erhielt Chalermchai den Ehrendoktor der BildendenKunst (Thai Painting) der Rajamangala University of Technology Rattanakosin.[11]

Literatur

  • Sandra Cate: Making Merit, Making Art: A Thai Temple in Wimbledon. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2002.
Commons: Chalermchai Kositpipat – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. อ.เฉลิมชัยส่งลูกชายเข้าค่ายทหารเกณฑ์. In: Thansettakij. 1. November 2016, archiviert vom Original am 1. November 2016; abgerufen am 15. November 2025 (thailändisch).
  2. Cate, Sandra: Making Merit, Making Art: A Thai Temple in Wimbledon. University of Hawaiʻi Press, Honolulu 2002, ISBN 0-8248-2357-5, S. 189 (englisch, Google Books [abgerufen am 15. November 2025]).
  3. Gearing, Julian: Painted into a Corner. In: AsiaWeek. 2. Oktober 1998, archiviert vom Original am 24. Mai 2001; abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  4. Mural Paintings. In: Wat Buddhapadipa. Archiviert vom Original am 29. September 2007; abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  5. Gearing, Julian: Painted into a Corner. In: AsiaWeek. 2. Oktober 1998, archiviert vom Original am 24. Mai 2001; abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  6. Gearing, Julian: Painted into a Corner. In: AsiaWeek. 2. Oktober 1998, archiviert vom Original am 24. Mai 2001; abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  7. Silberling, Amanda: Reimagining Abandoned Buddhist Temples as Unconventional Art Spaces. In: Hyperallergic. 24. April 2019, abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  8. Thaveephol, Nuttanee: Wat Rong Khun: A Labor of Love and Devotion. In: Chiang Mai Mail. 1. Februar 2003, archiviert vom Original am 15. Oktober 2007; abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  9. Chalermphrakiat Clock Tower. In: Tourism Authority of Thailand. Abgerufen am 15. November 2025 (englisch).
  10. ศิลปินแห่งชาติ นาย เฉลิมชัย โฆษิตพิพัฒน์. In: Department of Cultural Promotion, Ministry of Culture. Archiviert vom Original am 3. Februar 2018; abgerufen am 15. November 2025 (thailändisch).
  11. รายชื่อดุษฎีบัณฑิตกิตติมศักดิ์ ประจำปีการศึกษา 2559. (PDF) In: Rajamangala University of Technology Rattanakosin. 27. Oktober 2017, abgerufen am 15. November 2025 (thailändisch).