Chai (Lied)
| Chai | |
|---|---|
| Ofra Haza | |
| Veröffentlichung | 1983 |
| Länge | 3:13 |
| Genre(s) | Pop |
| Text | Ehud Manor |
| Musik | Avi Toledano |
| Produktion | Avi Toledano, Bezalel Aloni |
| Album | Chai |
Chai, auch Hi (hebräisch חי ‚Lebendig‘) ist ein hebräischsprachiges Lied mit Musik von Avi Toledano und Text von Ehud Manor. Der Titel wurde von Ofra Haza gesungen und war der israelische Beitrag zum Eurovision Song Contest 1983 in München. Haza nahm den Titel nicht nur auf Deutsch auf, sondern auch auf Englisch und Französisch.
Hintergrund
Mit dem Titel nahm Haza an der israelischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest, Kdam Eurovision 1983, teil, die am 5. März 1983 in Jerusalem stattfand. Mit 73 Punkten wurde sie von den Jurys zur Siegerin erklärt, knapp vor Jardena Arasi mit 72 Punkten.[1]
Chai wurde von Avi Toledano komponiert, der im Jahr zuvor selbst für Israel antrat. Der Text stammt von Ehud Manor, der bis zu diesem Zeitpunkt vier israelische Beiträge beim Wettbewerb schrieb.
Inhaltliches
Der Titel ist eine Up-Tempo-Nummer mit hebräischem Text. Das titelgebende Chai wird besonders im Refrain gesungen, in dem die Interpretin davon spricht, dass sie und die israelische Nation frei seien. Die Zeilen in der zweiten Hälfte des Refrains lassen sich als „Dies ist das Lied, das gestern mein Großvater meinem Vater vorgesungen hat. Und heute singe ich es.“ (hebräisch זה השיר שסבא שר אתמול לאבא והיום אני) übersetzen.
In den Strophen betont die Sängerin, dass sie noch lebendig und viele Jahre vor sich habe (hebräisch ולפניי שנים רבות מספור), sowie davon, dass sie für immer singen und die Hände zu ihren Freunden auf der anderen Seite des Meeres ausstrecken werde. Sie spricht davon, dass die Hoffnung noch nicht verloren sein (hebräisch טוב שלא אבדה עוד התקווה).
Beim Eurovision Song Contest
Ofra Haza nahm am 28. Eurovision Song Contest am 23. April 1983 in München teil. Israel trat mit Startnummer 16 nach dem Beitrag von Dänemark und vor dem Beitrag von Portugal an. Dirigent war Nancy Brandes, für den es die zweite Teilnahme am Wettbewerb war. Haza wurde auf der Bühne von fünf Sängern begleitet. Schließlich landete Israel auf dem zweiten Platz mit 136 Punkten direkt hinter dem Sieger Luxemburg mit 142 Punkten. Von den Niederlanden und Österreich erhielt das Land jeweils die Höchstpunktzahl. Für Israel, das bereits zweimal den Wettbewerb gewann, blieb der Beitrag der Beste bis zum dritten Sieg 1998. Lediglich 1991 erreichte Israel einen dritten Platz.
Rezeption
Einordnung
Nach Brockman (2023) war München als Austragungsort des Eurovision Song Contest für Israel von besonderer Bedeutung. Chai sei sowohl als Antwort auf die Schoah, als auch auf das Münchner Olympia-Attentat 1972 zu verstehen, wobei elf israelische Sportler ermordet wurden. Der Titel sei kein „Lied von Verbitterung und Wut“, sondern eine Zelebrierung, dass das „Volk Israel lebendig“ sei. Haza, die als jemenitische Jüdin keinen direkten Bezug zum Holocaust hatte, habe fest an die Idee „Alle Juden sind füreinander verantwortlich“ (hebräisch כל ישראל ערבים זה בזה, Vierte Ordnung der Mischna) geglaubt.[2]
Haza erklärte nach der Veranstaltung, dass es sie sehr bewegt habe, Chai in Deutschland gesungen zu haben. Kurz vor dem Wettbewerb besuchte sie die KZ-Gedenkstätte Dachau, wo sie ein älteres Ehepaar getroffen habe: „Sie sagten mir: Wenn Sie auf dieser Bühne stehen, denken Sie an uns, die Dachau überstanden haben.“[3]
Laut der Walla standen Haza und ihre Begleitsänger – sechs an der Zahl – sinnbildlich für sechs Millionen im Holocaust ermordete Juden. Die von Dorin Frankfurt entworfenen gelben Kleider repräsentierten das gelbe Abzeichen – den Judenstern – der von jüdischen Insassen getragen werden musste.[4]
Adaptionen
Ofra Haza nahm Chai in drei weiteren Sprachen auf: die englische (High) und die französische Version (Vas, vas, vas...) textete Manor selbst.[5][6] Die deutsche Version Frei schrieb Bernd Meinunger. Sie erschien unter Ralph Siegels Label Jupiter Records.[7]
Einzelnachweise
- ↑ Israel: Kdam Eurovision 1983. Abgerufen am 26. November 2025 (britisches Englisch).
- ↑ William Alexander Brockman: And the Jordan Will Flow as a River of Peace Over Us All: The Music of Ofra Haza in Cabaret. University of Toronto, Toronto 2023, S. 18.
- ↑ The Jerusalem Post: Israel's top 10 Eurovision songs. 22. April 2023, abgerufen am 27. November 2025 (englisch).
- ↑ על אדמת גרמניה, עם לבוש שמרמז לטלאי הצהוב: כשעפרה חזה שרה באירוויזיון "עם ישראל חי" - וואלה תרבות. 8. April 2021, abgerufen am 27. November 2025 (hebräisch).
- ↑ Ofra Haza - Vas, Vas, Vas... 1983, abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ Ofra Haza - Hi. 1983, abgerufen am 27. November 2025.
- ↑ Ofra Haza - Frei (Deutsche Originalaufnahme). 1983, abgerufen am 27. November 2025.
| Vorgänger | Beitrag | Nachfolger |
|---|---|---|
| Hora (Avi Toledano) | Israel beim Eurovision Song Contest 1973 | Olé olé (Yizhar Cohen) |