Ceslaw Bojarski

Ceslaw (Czesław) Bojarski (* 15. Oktober 1912 in Łańcut, Österreich-Ungarn; † 2. Mai 2003, Saint-Sauveur, Département Isère)[1] war ein französisch-polnischer Geldfälscher. Er wurde in den 1960er Jahren für seine mit hoher Genauigkeit gefälschten 100-Franc-Banknoten berühmt.

Bojarski fälschte aus finanzieller Not heraus Banknoten. Die gefälschten Geldscheine ließen sich nur schwer von den Originalen unterscheiden. Sämtliche Arbeitsschritte zur Herstellung führte er allein in einem Kellerversteck in seiner Villa aus. Es dauerte 13 Jahre, bis er durch einen Zufall gefasst werden konnte. Die Verfolger nannten ihn anerkennend „Leonardo da Vinci der Geldfälscher“.

Leben und Wirken

Bojarski wurde am 15. Oktober 1912 in Łańcut im bis zum Ende des Ersten Weltkriegs zu Österreich-Ungarn gehörigen Teil Polens geboren.[1] Er studierte an der Politechnika Gdanska in Danzig. Als Offizier der polnischen Armee geriet er während des Zweiten Weltkrieges in ungarische Gefangenschaft. Es gelang ihm allerdings nach Frankreich zu fliehen. Auch nach dem Zweiten Weltkrieg blieb er in Frankreich, wo er sich im Département Cantal im Zentralmassiv niederließ. Dort lernte er seine Ehefrau Suzanne kennen.[2]

Bojarski versuchte sich in verschiedenen Erfindungen, unter anderem einem elektrischen Rasierapparat. Der finanzielle Erfolg blieb jedoch aus. Eine Anstellung als Ingenieur in Frankreich erhielt er nicht, wozu vermutlich die Sprachbarriere beitrug.[3]

Ende der 1940er Jahre begann er Banknoten zu fälschen; die ersten davon brachte er Ende 1949 (nach anderen Angaben Ende 1950)[4] in Umlauf.[3] Zunächst stellte er 1000-Franc-Scheine (des damals gültigen „alten“ französischen Franc) der seit 1945 in Umlauf befindlichen Serie „Minerva und Herkules“ her. Ab 1958 (nach anderen Angaben 1953)[4] stieg er um auf 5000-Franc-Scheine der Serie „Erde und Meer“.[2]

Mit den Erlösen aus der Geldfälschung konnte er in Montgeron im heutigen Département Essonne im Großraum Paris ein Eigenheim für seine Familie bauen. In einem verborgenen Kellerlabor in seinem Haus führte er die Geldfälscherei weiter und stellte nach der Währungsreform auf den „neuen“ Franc Scheine des Typs „Bonaparte“ im Nennwert von 100 Francs her.[2] Von der Papierherstellung bis zum Druck übernahm er jeden Produktionsschritt selbst. Die gefälschten Banknoten brachte er äußerst vorsichtig in Umlauf. So bezahlte er niemals mit mehr als einer gefälschten Banknote und stets an wechselnden Orten. Dies machte es seinem Verfolger, dem Hauptkommissar Émile Benhamou (spezialisiert auf Geldfälscher) schwer. Benhamou ging von einer siebenköpfigen Geldfälscherbande aus. Nach der Ergreifung Bojarskis bezeichnete Benhamou ihn als Genie. Wegen der Präzision der Fälschungen bekam Bojarski vom Time Magazine den Titel „Leonardo da Vinci der Geldfälscher“ verliehen.[3]

Mehrere Jahre lang bereiste Bojarski ganz Frankreich in Nachtzügen, um sein Falschgeld in Umlauf zu bringen. Dabei ging er mit äußerster Vorsicht vor. Er tätigte kleine Einkäufe, etwa Schreibstifte oder Blumen, und erzielte seinen Erlös über das Wechselgeld.[2] Nie verwendete er mehr als einen einzigen falschen Schein zum Bezahlen.[4]

Bereits im Januar 1951 war die Banque de France, die französische Zentralbank, auf Bojarskis kaum vom Original unterscheidbare 1000-Franc-Scheine aufmerksam geworden. Als 1958 die ersten 5000-Franc-Fälschungen und Anfang der 1960er Jahre die falschen „Bonapartes“ identifiziert wurden, ermöglichten Ähnlichkeiten in den Details, die eine Unterscheidung von echten Scheinen ermöglichten, es den Ermittlern, sie ein und derselben Quelle zuzuschreiben, die jedoch zunächst weiterhin unentdeckt blieb.[5]

Zu Bojarskis Identifizierung und Ergreifung führte schließlich, dass er einem Bekannten Falschgeld zur weiteren Verbreitung verkaufte und damit eine weitere Person in seine Aktivität einweihte. Bojarskis Komplize handelte deutlich unvorsichtiger und wurde mit seinem Schwager festgenommen, nachdem die beiden versucht hatten, in einem Postamt im 17. Pariser Stadtbezirk französische Staatsanleihen (Bons du trésor) mit größeren Mengen von Bojarskis gefälschten Banknoten zu erwerben.[2][5]

Die beiden Komplizen führten die Ermittler zu Bojarski und dessen Haus. Dort wurde er am 17. Januar 1964 von Benhamou verhaftet. Bei der Durchsuchung seines Hauses fand die Polizei zunächst nur Staatsanleihen,[5] nach anderen Angaben auch kleine Mengen Falschgeld.[2] Erst durch die Ungeschicklichkeit eines Beamten wurden die Polizisten schließlich auf die verborgene Falltür zu Bojarskis Kellerlabor aufmerksam.[5][2]

Bojarski wurde zu einer Haftstrafe von 20 Jahren verurteilt und im Pariser Gefängnis La Santé inhaftiert. Seine beiden Komplizen kamen straffrei davon. Nach 13 Jahren wurde Bojarski wegen guter Führung vorzeitig entlassen. Mit seiner Frau bezog er eine bescheidene Wohnung in Évry-Courcouronnes. Während das Ehepaar 1978 im Urlaub im Zentralmassiv weilte, musste die Feuerwehr wegen eines Wasserlecks in die Wohnung eindringen. Dabei stießen die Feuerwehrleute in einem Versteck hinter der Küche auf zehn Goldbarren und 797 Louis d’or. Bojarski wurde deshalb 1980 erneut vor Gericht gestellt, und sein Vermögen wurde per Gerichtsurteil eingezogen.[2]

Bojarski, der zuletzt an der Alzheimer-Krankheit litt,[2] starb am 2. Mai 2003 in Saint-Sauveur im Département Isère.[1]

Literatur

  • Dominique Raymond Poirier: Bojarski: King of the Banknote Counterfeiters. 2000

Film

Die Filmkomödie Blüten, Gauner und die Nacht von Nizza von 1966 (französischer Titel: Le jardinier d’Argenteuil, „Der Gärtner von Argenteuil“) von 1966 mit Jean Gabin, Lilo Pulver und Curd Jürgens ist von Bojarskis Geschichte inspiriert, übernimmt jedoch außer seinen Fähigkeiten als Geldfälscher keine Elemente von Bojarskis Biographie. Eine stärker an der tatsächlichen Geschichte der Person orientierte Darstellung liefert der 2026 erschienene Film L’Affaire Bojarski von Jean-Paul Salomé mit Reda Kateb in der Rolle Bojarskis.[6][7]

Einzelnachweise

  1. a b c Eintrag zu Ceslaw Bojarski in Fichier des personnes décédées (französisch).
  2. a b c d e f g h i Coline Bonvalot: Essonne : l’incroyable histoire du faux-monnayeur Czeslaw Bojarski bientôt adaptée au cinéma. In: actu.fr. 7. Dezember 2025, abgerufen am 18. Januar 2026 (französisch).
  3. a b c France: The Leonardo of Forgers. In: Time. 3. Juni 1966 (englisch, time.com [abgerufen am 18. Januar 2026]).
  4. a b c Johanna Lutteroth: Legendärer Betrüger - Franc-reich! In: spiegel.de. 25. Mai 2012, abgerufen am 18. Januar 2026.
  5. a b c d Michel Braudeau: Le très discret M. Bojarski. In: lemonde.fr. 11. Juli 2005, abgerufen am 18. Januar 2026 (französisch).
  6. L’Affaire Bojarski est-il un bon film ? In: allocine.fr. 16. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026 (französisch).
  7. Matteu Maestracci: "L'Affaire Bojarski", incroyable histoire vraie et excellent divertissement grand public. In: franceinfo.fr. 17. Januar 2026, abgerufen am 17. Januar 2026 (französisch).