Cavaione GR
| GR ist das Kürzel für den Kanton Graubünden in der Schweiz. Es wird verwendet, um Verwechslungen mit anderen Einträgen des Namens Cavaione zu vermeiden. |
| Cavaione | ||
|---|---|---|
| Staat: | Schweiz | |
| Kanton: | Graubünden (GR) | |
| Region: | Bernina | |
| Politische Gemeinde: | Brusio | |
| Postleitzahl: | 7748 | |
| Koordinaten: | 806587 / 125503 | |
| Höhe: | 1310 m ü. M. | |
| Karte | ||
Cavaione, bis 1997 Cavajone, ist eine Streusiedlung in der politischen Gemeinde Brusio im italienischsprachigen Teil des Kantons Graubünden in der Schweiz. Cavaione liegt auf 1200 bis 1500 m ü. M. am steilen Abhang links des Bachs Sajento.
Der Ort wurde 1233 als Cavalono urkundlich erwähnt. 1873 lebten 14 staatenlose Familien mit 103 Einwohnern in Cavaione, 1950 waren es noch 65. Als Veltliner Maiensässkomplex war Cavaione im Mittelalter Besitz der Madonna-Kapelle von Tirano im Bann von Tirano. Im frühen 16. Jahrhundert wurde die Grenzziehung zugunsten von Brusio verändert. Bis ins 17./18. Jahrhundert blieb Cavaione Sommersiedlung. Die 1777 erbaute Kapelle S. Croce gehörte bis ins 19. Jahrhundert zur Pfarrei Tirano, danach zu Brusio. Nachdem das Veltlin im Jahre 1797 von Graubünden abgetrennt worden war, blieb der Grenzverlauf bis 1815 in Cavaione und im Val dal Saent erneut unklar. Damals verkaufte die Madonna-Kapelle ihre Güter in Cavaione an Veltliner Familien, die das bis 1874 ohne staatliche Zugehörigkeit bleibende und somit auch steuerfreie Cavaione zu ihrem Wohn- oder Sommersitz machten. Bis 1874 besass die traditionelle Schmugglerbasis Cavaione, mit Ausnahme eines Flurwächters und (Vieh-)Pfänders, keine dörfliche Organisation.[1]
Definitiv schweizerisches Staatsgebiet wurde Cavaione erst durch die Übereinkunft zwischen Italien und der Schweiz vom 27. August 1863, genehmigt durch die Bundesversammlung am 5. Dezember 1864 und in Kraft getreten am 18. Juni 1865.[2] Dabei war noch ein Irrtum unterlaufen, der durch einen weiteren, am 31. Dezember 1873 abgeschlossenen Vertrag berichtigt wurde.[3][4] Neben den Grenzregelungen zur Dappentalfrage und zum Verenahof handelt es sich dabei um die einzige grössere Modifikation des schweizerischen Staatsgebiets seit 1815. 1875 erhielten die Einwohner in Cavaione das Bürgerrecht von Brusio und wurden damit Schweizer Bürger.[5] Diese Einbürgerung verursachte Kosten von 43'500 Franken, inklusive 19'000 Franken für die Einrichtung einer Schule. Mit Beschluss der Bundesversammlung leistete der Bund einen Beitrag von 17'900 Franken. Der Bundesrat hatte in seiner Botschaft die soziale Situation von Cavaione wie folgt dargestellt: «Die ganze Bevölkerung beschäftigt sich ausschließlich mit Landwirthschaft, ist aber allen Berichten zufolge arm und überhaupt in hohem Grade verwahrlost.»[6]
1968 wurde die Strasse nach Cavaione erneuert. 1997 wurde die Stiftung pro Cavaione gegründet.[1] 1875 lebten noch über 100 Menschen ganzjährig in Cavaione.[7] 2025 standen die meisten Häuser einen Grossteil des Jahres leer. Nur noch acht Personen wohnten dauerhaft im Dorf. 1971 musste die Dorfschule geschlossen werden.[4] Die Stiftung Cavaione will das kulturelle Erbe des Dorfs und seiner Landschaft erhalten. Diese ist geprägt durch eine Terrassenlandschaft mit 16 Kilometer Trockenmauern in extrem steilem Gelände.[7]
Cavaione ist mit einem PubliCar mit dem öffentlichen Verkehr erreichbar.
Literatur
Adolf Collenberg: Cavajone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht.
Einzelnachweise
- ↑ a b Adolf Collenberg: Cavajone. In: Historisches Lexikon der Schweiz.
Diese Abschnitte basieren weitgehend auf dem Eintrag im Historischen Lexikon der Schweiz (HLS), der gemäss den Nutzungshinweisen des HLS unter der Lizenz Creative Commons – Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 International (CC BY-SA 4.0) steht. - ↑ Übereinkunft zwischen der Schweiz und Italien betreffend Festlegung der Grenze zwischen dem Kanton Graubünden und dem Veltlin. Staatsverträge Band I (Band 11 der Gesamtsammlung). In: Bereinigte Sammlung der Bundesgesetze und Verordnungen 1848–1947. Bundesarchiv, S. 74–80, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ Übereinkunft betreffend die Berichtigung von Paragraph 4 über die Mautsteinsetzung an der italienisch-schwezerischen Grenze zwischen Brusio und Tirano vom 27. August 1863. Staatsverträge Band I (Band 11 der Gesamtsammlung). In: Bereinigte Sammlung der Bundesgesetze und Verordnungen 1848–1947. S. 83–86, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ a b Riccardo Tognina: Cavaione, das vergessene Dorf. In: Bündner Jahrbuch: Zeitschrift für Kunst, Kultur und Geschichte Graubündens. Nr. 5, 1963, S. 116–119, doi:10.5169/seals-972321.
- ↑ Keystone-sda: Letzte Masseneinbürgerung fand vor 150 Jahren in Cavaione statt. In: SWI swissinfo.ch. 12. Juli 2025, abgerufen am 15. Juli 2025.
- ↑ Botschaft des Bundesrathes an die hohe Bundesversammlung, betreffend die Einbürgerung der Einwohner von Cavajone, Kantons Graubünden. (PDF) In: Bundesblatt. Bundeskanzlei, 29. Dezember 1873, abgerufen am 13. Juli 2025.
- ↑ a b Cavaione GR: Wie ein Schweizer Bergdorf fast staatenlos blieb. In: srf.ch. 12. Juli 2025, abgerufen am 12. Juli 2025.