Catherine Osler
Catherine Courtauld Osler, geborene Taylor (* 26. Februar 1854 in Bridgwater, Somerset; † 16. Dezember 1924 in Edgbaston, Birmingham, West Midlands) war eine englisch-britische Sozialreformerin und Frauenrechtlerin.[1]
Leben
Osler war das älteste von vier Kindern von William Taylor (1826–1903), einem Kaufmann, und seiner Frau Caroline Watson, geborene Shute (1821–1898). Die Taylors waren Unitarier und Teil eines Netzwerks von Familien, die industriellen Wohlstand mit radikaler Politik verbanden. Schon früh kam Osler daher in Kontakt mit progressivem Gedankengut und im Salon des Aubrey House mit dem Pen and Pencil Club ihres Onkels und seiner Frau Clementia Taylor mit Reformern ihrer Zeit, wie John Stuart Mill, John Bright oder Henry Fawcett. Auch Feministinnen wie Barbara Leigh Smith Bodichon, Lydia Becker, Elizabeth Blackwell und Elizabeth Malleson besuchten Aubrey House.[1]
Während ihrer Jugendzeit zog Oslers Familie von Bridgwater nach Birmingham, wo ihre Eltern 1868 Gründungsmitglieder der Birmingham Women’s Suffrage Society (BWSS) waren. Osler war eine der ersten Unterstützerinnen der BWSS, wurde 1871 deren Schatzmeisterin und 1903 Präsidentin.[2]
Sie heiratete Alfred Osler, der das Familienunternehmen F & C Osler in Birmingham leitete, eine Firma, die für die Gestaltung und Herstellung von Kristallstücken wie Kronleuchtern bekannt war. Alfred Osler war Mitglied der Liberal Party. 1888 fand in Birmingham die Konferenz der Women’s Liberal Federation (WLF) statt, und Osler wurde gebeten, den Vorsitz zu übernehmen.[3] Vier Jahre später traf sich die Women’s Emancipation Union (WEU), eine WLF-Abspaltung, in Birmingham, und Osler wurde eingeladen, eine Sitzung zu leiten, bei der sie ihren Wunsch äußerte, Frauen in die Kommunalpolitik einzubinden.[4]
Osler lehnte die Aktionen der militanten Suffragetten ab und schrieb kritische Briefe über die Vorgehensweise der Women’s Social and Political Union (WSPU). Dennoch missbilligte sie die Behandlung der WSPU-Aktivistinnen im Gefängnis.[3] 1909 trat sie als Präsidentin der Frauenorganisation der Liberal Party zurück, da sie die Politik der liberalen Regierung zur Zwangsernährung von Suffragetten ablehnte.[2]
1910 veröffentlichte sie einen Essay unter dem Titel Why Women Need the Vote und 1911 A Book of the Home, eine Studie über das Familienleben. In beiden Publikationen betonte sie, dass die insgesamt niedrigere Säuglingssterblichkeit bei berufstätigen Müttern im Vergleich zu nicht berufstätigen nicht darauf zurückzuführen sei, dass Arbeit außerhalb des Hauses für Mütter unbedingt gut sei, sondern vielmehr darauf, dass ihr Einkommen dazu beitrage, den Lebensstandard der Familie zu erhöhen.[1]
1911 trat Osler dem Exekutivkomitee der National Union of Women’s Suffrage Societies (NUWSS) bei und unterstützte 1912 deren Wahlkampffonds, der darauf abzielte, Kandidaten der Labour Party zu fördern. Während des Ersten Weltkriegs gehörte Osler zu denen, die ihre Lobbyarbeit für das Frauenwahlrecht nicht zugunsten von Kriegsanstrengungen zurückstellten. Nach der Erreichung des (zumindest teilweisen) Wahlrecht 1918, trat sie 1920 als Präsidentin der in Birmingham Society for Equal Citizenship umbenannten BWSS zurück. 1919 erhielt Osler von der Universität Birmingham den Mastertitel für ihre Verdienste um die gesellschaftliche Stellung ihres Geschlechts.[1]
Osler starb 1924 in Edgbaston. Ein Porträt von ihr, gemalt vom lokalen Künstler Edward Harper, wurde in Auftrag gegeben und befindet sich heute in einer örtlichen Galerie.[1] Oslers Name und ihr Bild befinden sich auf dem Sockel der Millicent-Fawcett-Statue auf dem Parliament Square in London.
Veröffentlichungen
- Why Women Need the Vote, 1910
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e Elizabeth Crawford: Osler [née Taylor], Catherine Courtauld (1854–1924). In: H. C. G. Matthew und Brian Harrison (Hrsg.): Oxford Dictionary of National Biography. Oxford 3. Oktober 2013, doi:10.1093/ref:odnb/101357.
- ↑ a b Catherine Osler. Great British, archiviert vom am 12. April 2019; abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ a b John Simkin: Catherine Osler. In: Women’s Suffrage. Spartacus Educational, Dezember 2022, abgerufen am 19. Dezember 2025.
- ↑ Elizabeth Crawford: Suffrage Stories: „From Frederick Street to Winson Green“: The Birmingham Women's Suffrage Campaign. In: Woman and her Sphere. Privater Blog, 22. März 2013, abgerufen am 19. Dezember 2025.