Castello della Rotta

Das Castello della Rotta (zum Teil auch als Castello de La Rotta, früher als Grancia Rupta bezeichnet) ist ein mittelalterliches Gebäude, das sich im gleichnamigen Ortsteil der Gemeinde Moncalieri in der Nähe Turins befindet. Es stammt aus dem 12. Jahrhundert und wird als eines der am meisten heimgesuchten Anwesen Italiens bezeichnet.

Namensherkunft

Der Ursprung des Namenteils Rotta ist ungewiss. So könnte er von rupta stammen, was eine schwere militärische Niederlage bezeichnet, oder von rotha, einem alten Begriff für einen Bewässerungsgraben. Eine weitere Möglichkeit wäre rotta, was einen Dammbruch des nahen gelegenen Flusses Banna bedeuten könnte aber auch ein Synonym für Sumpfgebiet oder Ort einer wichtigen Straße sein könnte. Aus Dokumenten aus dem 13. Jahrhundert geht hervor, dass das Gebäude zu jener Zeit Grancia Rupta genannt wurde, wobei Grancia eine Art befestigter Bauernhof bezeichnet.[1]

Geschichte

Die Geschichte dieses Anwesens verliert sich im Laufe der Jahrhunderte. Als es erbaut wurde, war es eine bescheidene Festung an einem strategisch günstigen Punkt, um die nahe gelegene Brücke über den Fluss Banna zu verteidigen. Über diese Brücke führte die römische Straße von Pollentia. Die Existenz dieser Straße lässt auf einen spätrömischen Ursprung des Gebäudes schließen, möglicherweise als Statio, ein römischer Beobachtungs- und Kontrollpunkt, doch es gibt keine konkreten Beweise für diese Hypothese.[2]

Im Jahr 1196 übertrug der Bischof von Turin, Arduino di Valperga, das Land und das Gebäude den Tempelrittern. Diese waren bereits in den Gebieten Testona, Villastellone, Pancalieri und in verschiedenen Gebieten des heutigen Piemont stark vertreten. Das Gebäude wurde Sitz eines kleinen Klosters und einer Garnison zum Schutz der Brücke über den Banna, von der heute noch Überreste zu sehen sind. Nach der Auflösung des Ordens erwarb der Johanniterorden das Gebäude und erhielt das Recht, eine Brückenmaut zu erheben.

Das Gebäude, das bereits als Grancia Rupta bekannt war, wurde im 15. Jahrhundert umgebaut und befestigt, um sich vor Räubern zu schützen. Zu dieser Zeit stand das Gebiet jedoch aufgrund von Konflikten zwischen Gemeinden und Feudalherren unter der Gerichtsbarkeit des Herzogtums Savoyen.[3]

Ab 1452 war das Anwesen zweifellos im Besitz des Grafen und Großpriors der Johanniter, Giorgio Valperga di Masino, wie eine von ihm angebrachte Gedenktafel belegt. Bis zum späten 16. Jahrhundert war das Gebäude der Adelssitz der Familie der Grafen Valperga di Masino. Eine zweite Gedenktafel am Eingangsportal der Festung belegt dies und zeigt das Adelswappen. Im 17. Jahrhundert ging das Schloss in den Besitz des Hauses Savoyen über und wurde Schauplatz dramatischer Ereignisse sowie zweier verheerender Schlachten, die als ruptæ bezeichnet werden. In der ersten Schlacht im November 1639 erlitt Fürst Thomas Franz von Savoyen, auch Fürst von Carignano genannt, eine Niederlage gegen die französische Armee unter der Führung des Marquis D’Harcourt. Dieser befreite Turin von den fürstlichen Truppen und ermöglichte die Rückkehr der Regentin Christina von Frankreich. In der zweiten Schlacht im Jahr 1706 unterlag die französische Armee während der historischen Belagerung von Turin. Zu dieser Zeit nutzten die savoyischen Truppen das Gebäude als Pulverlager.[4]

In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts beherbergte das Gebäude für kurze Zeit den ehemaligen König Viktor Amadeus II., der aus dem nahegelegenen Castello di Moncalieri dorthin verlegt worden war. Dort wurde er auf Befehl seines Sohnes Karl Emanuel III. verhaftet, nachdem Viktor Amadeus II. seine Abdankungsurkunde für nichtig erklärt hatte. Später wurde Viktor Amadeus II. erneut verlegt, diesmal ins Castello di Rivoli, und dann wieder ins Castello della Rotta, wo er am 31. Oktober 1732 dem Wahnsinn verfiel und starb. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts endete die Geschichte des Bauwerks als Festung.[5]

Nach etwa einem Jahrhundert der Vernachlässigung wurde das Gebäude von Privatpersonen gekauft und in den 1980er Jahren restauriert. Dabei kamen Details der Struktur aus dem 15. Jahrhundert wieder zum Vorschein. Während der ersten Bauphase wurden bei Ausgrabungen für den Anschluss an die Wasserleitungen die Überreste einer Grabstätte entdeckt. Unter den Überresten des Skeletts eines Mannes fand man ein auffälliges Metallkreuz, Spuren einer Rüstung sowie die Knochen eines großen Tieres – vermutlich seines Pferdes. Offensichtlich gehörte die Grabstätte einem Tempelritter.[2]

Beschreibung

Das Castello della Rotta liegt südlich der Gemeinde Moncalieri in der Nähe der italienischen Metropolitanstadt Turin in der Region Piemont. Die Burg befindet sich zwischen der Strada statale 393 di Villastellone und der Autostrada A6 in einer von drei Wasserläufen – dem Po, dem Stellone und dem Banna – begrenzten Ebene.[6] Es ist über eine Nebenstraße zu erreichen, die von der SP-393 in Richtung Villastellone abzweigt und zur alten Templerbrücke über den Fluss Banna führt. Von der Brücke sind heute nur noch Ruinen übrig.

Es zeichnet sich durch Ziegelfassaden aus und weist noch heute Spuren eines alten Grabens auf, der ursprünglich das gesamte Gebäude umgab. Das gesamte Gebäude hat einen quadratischen Grundriss. Was dieses Gebäude von einem gewöhnlichen Landhaus unterscheidet, sind einige architektonische Details aus dem 15. Jahrhundert: die beiden erhaltenen von insgesamt drei Spitzbogenfenstern und die Spuren einer Zinnenkrone auf der linken Seite des Herrenhauses.

Die typische Hauptfassade des mittelalterlichen Gebäudes ist asymmetrisch und wird von einem viereckigen Turm mit vergitterten Fenstern dominiert. Dieser wird wiederum von einem kleinen Glockenturm überragt. Die drei gut sichtbaren Ziegelscharten verraten die ehemalige Existenz einer Zugbrücke, die zum Eingangsportal führte. Darüber befindet sich eine weiße Marmortafel mit dem Wappen der Grafen Valperga di Masino. Auf einem Steinpfosten ist ein Malteserkreuz eingraviert – ein eindeutiges Symbol, das die Vergangenheit des Gebäudes mit dem Johanniterorden verbindet.

Insgesamt befindet sich das Gebäude in einem recht guten Zustand, wenn auch mit deutlichen Spuren der im Laufe der Zeit vorgenommenen Umbauten, wie die Dutzende unregelmäßig angeordneter rechteckiger Fenster zeigen. Es umfasst mehrere Räume, die vermutlich als Wohnräume dienten und sich im Hauptteil neben dem Turm befinden. Auch die drei unterschiedlich hohen Gebäude, die sich um den viereckigen Innenhof mit einer zentralen Zisterne gruppieren, beherbergen verschiedene Räume. Die Seitenflügel umfassten ursprünglich den alten Klosterbereich mit Keller, Empfangssaal und einer Kapelle mit Spitzbogengewölbe. Der niedrigere Baukörper auf der rechten Seite beherbergte die alten Ställe und einige Lagerräume, von denen einige verfallen sind.[7]

Angebliche paranormale Phänomene

In den letzten Jahrzehnten des 20. Jahrhunderts befand sich das Gebäude in einem verfallenen Zustand. Seine isolierte Lage und seine Verbindung zu den Tempelrittern begünstigten das Aufkommen von Spekulationen über angebliche übernatürliche Phänomene. Es gibt Aussagen, nach denen sich dort zyklisch sowohl innerhalb als auch außerhalb der Burg zahlreiche und mutmaßliche Erscheinungen manifestieren sollen. Der Fund der Überreste einer Grabstätte scheint der Hinweis zu sein, der am ehesten mit dem angeblichen Geist des Tempelritters in Verbindung gebracht werden könnte. Dieser wurde im Laufe der Jahre angeblich von einigen Zeugen gesichtet, darunter auch von einem der früheren Besitzer. Er soll auf seinem Pferd erscheinen, komplett mit Rüstung und Schwert, und am Eingangstor stehen bleiben. Zudem wurden weitere angebliche Erscheinungen gesichtet.[8]

Das CICAP, das Italienische Komitee zur Überprüfung von Behauptungen aus dem Bereich der Pseudowissenschaften, untersuchte den unheimlichen Ruf des Schlosses mit all seinen hypothetischen paranormalen Erscheinungen. CICAP ist eine gemeinnützige Organisation, die wissenschaftliche Untersuchungen zu Pseudowissenschaften, Paranormalem, Mysterien und Ungewöhnlichem fördert, um diese zu widerlegen. Ein Bericht aus den frühen 2000er Jahren kam zu dem Schluss, dass sich die Legenden über die angeblichen Geister, die das Gebäude heimsuchen sollen, erst seit den 1980er Jahren – nach dem letzten Eigentümerwechsel – verbreitet haben. Zuvor gab es keine besonderen Hinweise darauf.[1]

Commons: Castello della Rotta – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Mattia Mondo: The Castello della Rotta: the most "haunted" place in the province of Turin. In: torinofan.it. 3. Mai 2019, abgerufen am 1. Dezember 2025 (englisch).
  2. a b Gabriele Farina: Il Castello della Rotta di Moncalieri: storie e misteri del maniero più infestato d’Italia. In: quotidianopiemontese.it. 30. Mai 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025 (italienisch).
  3. Castello della Rotta a Moncalieri: il Castello più Infestato d’Italia. In: 3pietre.it. 4. April 2019, abgerufen am 1. Dezember 2025 (italienisch).
  4. Moncalieri (castello della Rotta) - Mondi Medievali. In: mondimedievali.it. 7. Mai 2025, abgerufen am 1. Dezember 2025 (italienisch).
  5. Paolo Giovetti: L´italia dell´insolito e del mistero. 100 itinerari “diversi”. Edizioni Mediterranee, Rom 2005, ISBN 978-88-272-1382-7, S. 20–21.
  6. Bianca Capone, Loredana Imperio, Enzo Valentini: Guida all'Italia dei Templari: gli insediamenti templari in Italia. Edizioni mediterranee, 1997, ISBN 978-88-272-1201-1, S. 43–45.
  7. Elena Bellomo: Fortified settlements of the Order of Malta in local illustrated registers: The Case of the Priory of Lombardy (XVII–XVIII Centuries). In: Fortified Heritage. Management and Sustainable Development, Pamplona 2015, S. 425–444, (Online), (PDF).
  8. Castello Della Rotta - The Little House of Horrors. In: thelittlehouseofhorrors.com. 19. April 2021, abgerufen am 29. November 2025 (englisch).

Koordinaten: 44° 56′ 46″ N, 7° 42′ 58″ O