Castello del Parco
| Castello del Parco | ||
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Der normannische Turm des Castello del Parco | ||
| Staat | Italien | |
| Ort | Nocera Inferiore | |
| Entstehungszeit | 10. Jahrhundert | |
| Burgentyp | Höhenburg | |
| Erhaltungszustand | Ruine | |
| Bauweise | Bruchstein | |
| Geographische Lage | 40° 45′ N, 14° 39′ O | |
| Höhenlage | 165 m s.l.m. | |
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Das Castello del Parco ist eine Burgruine aus dem 10. Jahrhundert in Nocera Inferiore in der italienischen Region Kampanien. Sie liegt auf dem Collina del Parco, auch Collina di Sant’Andrea genannt.
Das Gelände gelangte im 19. Jahrhundert in private Hände. Dort wurde der heutige Palazzo Fienga errichtet. Heute gehört das Gelände wieder der öffentlichen Hand und ist ein Teil der Liegenschaften der Gemeinde.
Geschichte
Ursprünge
Das ursprüngliche Gebäude ist seit 984 aus einem Dokument des Codex diplomaticus Cavensis bekannt; es wird als firmitate noba nocerina de ipso Monticellum bezeichnet, aber das Herrenhaus stammt vermutlich aus noch älterer Zeit. Die Ruinen der Burg bestehen aus einem trapezförmigen Gebäude, dem eine Seite fehlt und das um einen großen Innenhof herum errichtet ist, der „Sala della Cavallerizza“ genannt wird.
Sehr eindrucksvoll ist ein Gebäudeteil namens „Voilière“ westlich der Burg, in dem noch drei gotische Bögen stehen. Auch kann man noch die großen Zisternen und Teile von zwei der drei ursprünglichen Mauerringe sehen.
Neben dem Donjon gibt es eine kleine Apsis, die zu den Kirchen Santa Maria alla Torre und San Martino gehört, die den Quellen nach zusammen errichtet wurden. Später wurde die Festungskirche dem Heiligen Leo geweiht.
Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou
Die Burgruine steht auf dem Collina del Parco, der die Einwohner von Nocera beherbergte, die im Hochmittelalter Nuceria verlassen hatten, um eine neue Stadt in einer geschützteren Umgebung zu errichten.
Als Grundstein des Verteidigungssystems der Langobarden von Salerno gegenüber den Byzantinern von Neapel, war die Siedlung, die sie gründen sollten, durch einen dreifachen Mauerring geschützt: Der erste umschloss die Burg, der zweite lang verlief in der Mitte des Hügels und der dritte die Siedlung zu seinen Füßen.
In ihrer ersten Lebensphase bestand die Burg aus einer sehr einfachen Konstruktion: Einem Turm und einer kleinen Einfriedung. 1138 wurde sie von den Truppen Rogers II. zusammen mit der Siedlung zerstört.
In der Zeit Friedrichs II. gehörte die Anlage der Familie Filangieri. In dieser Zeit wurde ein Bogen mit einem fünfeckigen Turm, umgeben von einer quadratischen Einfriedung, errichtet. An den Seiten dieser Einfriedung gab es weitere vier Türme, von denen heute nur noch die Fundamente eines Turms erhalten sind.
In diesen Jahren dienten die Räume der Burg auch als Gefängnis: Dort saß bis zu ihrem Tode Helena Angelina Dukaina, die Witwe von König Manfred von Sizlien, ein.
In die Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou fiel auch die erste große Erweiterung der Burg. Karl I. von Neapel, der seine Zeit häufig in Nocera verbrachte, beauftragte die Erweiterungsarbeiten an der alten Burg und ließ einige Räume residenziellen Charakters hinzufügen, was dem Gebäude die Form eines echten Palastes verlieh.
1303 wurde auch für die Neuordnung des Verteidigungssystems gesorgt, das durch einen dreifachen Mauerring gekennzeichnet war, der vom Gipfel des Hügels bis zu seinem Fuß verlief und die befestigte Siedlung bis zum Saltera-Bach umschloss.
In diesen Jahren wuchs dort Karl Martell, ein Freund Dante Alighieris, auf und besaß die Burg später auch; vermutlich wurde dort auch Ludwig von Toulouse geboren und wuchs mit Sicherheit dort auf.
Im 14. Jahrhundert gab Johanna I. von Neapel Burg und Stadt an Niccolò Acciaiuoli aus Florenz ab, der dort 1362 Giovanni Boccaccio zu Gast hatte (wie er selbst in der Epistola II sagt).
Im Dezember 1381 wurde Königin Johanna I. von Neapel hierher als Gefangene gebracht und blieb hier bis zum 28. März 1382.[1] Boccaccio glaubte irrtümlich, dass die Königin hier starb.[2] Tatsächlich wurde sie aber in die Burg von Muro Lucano verbracht, wo sie am 12. Mai desselben Jahres ihr Leben verlor.
1385 wurde Papst Urban VI. während des Krieges um die Nachfolge von Johanna I. einige Monate lang von den Truppen Karls III. belagert. Von der Burg aus musste der Papst eine Verschwörung unterdrücken, die von einigen Kardinälen gegen ihn angezettelt worden war.
Der Niedergang
Mit dem Übergang zur Herrschaft des Hauses Aragón verlor Nocera die Bedeutung, die sie unter der Herrschaft des Hauses Anjou erlangt hatte. Das Castello del Parco wurde nach und nach aufgegeben und nicht mehr für eine Verteidigung gegen Feuerwaffen umgebaut.
1521 kaufte es zusammen mit der Stadt Tiberio Carafa, der 1. Herzog von Nocera, und nutzte es als herzogliche Residenz bis zum Bau des verschwenderischen Palazzo Ducale auf Fuß des Hügels, wo sich heute die ehemalige Caserma Tofano befindet, durch Ferdinand I. Carafa. Der Herzog von Nocera ließ Teile des Hügels in einen großen Park für die Jagd nach Hirschen umgestalten. Dort erholte es sich vor allen Dingen im Sommer, wo er „die zarte Morgendämmerung und, dass dort Winde wehen, wenn der Rest des Landes wegen der übermäßigen Sommerhitze brennt“.[3] Seine Erben sind in den großen herzoglichen Palast am Fuße des kleinen Berges umgezogen.
Die nach und nach aufgegebene Burg verfiel, bis sie im 19. Jahrhundert von den Baronen De Guidobaldi erworben wurde, die einen Teil davon dem Erdboden gleichmachten und darauf das Landhaus errichten ließen, das heute noch existiert. Dann fiel das Anwesen an die Fiengas, die die gesamte Südseite abreißen ließen, um ihren eigenen Palast errichten zu lassen, den man heute noch dort sehen kann.
Heute gehört das Anwesen der Kommune, die einen Teil davon der Provinz geliehen hat.[4][5]
Seit 2014 kümmert sich die Gesellschaft Ente del terzo settore „Ridiamo Vita al Castello“ um das Monitoring des Anwesens der Burg und des Hügels und um die Organisation kultureller Veranstaltungen der Stadt in den Räumlichkeiten des Palastes. Die Organisation führt auch einige kollektive Wartungsarbeiten durch, wie das clean walking auf dem Hügel, ebenso wie kulturelle Veranstaltungen in Zusammenarbeit mit anderen Organisationen der Gegend. 2023 hat die Organisation die Vereinbarung für die Verwaltung der Burg unterschrieben und sorgt das ganze Jahr über für die reguläre und außerordentliche Öffnung der zugänglichen Bereiche.
Beschreibung
Die Ruinen der Burg stammen größtenteils aus der Zeit der Herrschaft des Hauses Anjou. Heute noch sichtbar ist die Sala dei Giganti, ein riesiger Saal aus Kalkstein, der ursprünglich mit einem Satteldach verschlossen gewesen sein muss (wie die noch erhaltenen Pfeiler zeigen).
Entlang der Westwand des Saales gibt es noch ein Doppelfenster (dem die Mittelsäule fehlt) und drei große Fenster (davon eines dreiflüglig, bestehend aus einem Doppelfenster und einem Einzelfenster darüber, vollständig aus Tuffstein und erstaunlicherweise erhalten, da es im 17. Jahrhundert zugemauert wurde) an der Ostwand. Von zwei weiteren Fenstern sind nur die äußeren Rahmen aus Tuffstein erhalten.
Anschließend an diesen Saal verzweigen sich weitere Räumlichkeiten bis hin zum alten Eingangsportal, gefolgt von einem vierseitigen Atrium.
Ebenfalls der Periode des Hauses Anjou zuzuordnen ist die Cavallerizza Reale, die auf einer tiefer gelegenen Ebene liegt und aus einem großen Raum, in Joche unterteilt und gedeckt durch ein weites Tonnengewölbe, besteht.
Die Kirchen
Aus den Quellen geht die Existenz von Kirchengebäuden in der Burg hervor. Es handelt sich dabei um die Kirchen Santa Maria alla Torre und San Martino „in unum constructe“ (dt.: zusammengebaut)[6] und die später errichtete Kirche San Leone (dokumentiert am dem 13. Jahrhundert).
Das erstgenannte Gebäude ist auf die ersten Phasen der Existenz der Burg zu datieren. Es wurde in einer Apsis anschließend an den normannischen Turm identifiziert. Dort findet man mindestens zwei aufeinander folgende Phasen von Fresken (was vermutlich die Vereinigung beider Gebäude bestätigt). Die besser zu erkennende Phase kann mit den Fresken der Abtei Sant’Angelo in Formis verglichen werden[7] und werden auf die Zeit des Papstes Viktor III. datiert.[8]
Nach einer ersten Erkundung Anfang der 2000er-Jahre wurden die Fresken 2021 restauriert.[9]
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San Pietro
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Sant’Andrea
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San Giovanni
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Die Fresken nach der Restaurierung
Der normannische Turm
Den Bergfried mit fünfeckigem Grundriss (vermutlich aus dem 13. Jahrhundert) ließ die Familie Filangieri ungefähr zwischen 1230 und 1250 errichten.
Er liegt am Gipfel des Hügels. Von seiner Spitze aus, die ungefähr auf 150 Meter ü.N.N. liegt, kann man rundum die gesamte Ebene der Gegend um Nocera, bis zum Meer und den größeren Inseln des kampanischen Archipels überblicken.
Der Turm wurde in den moderneren Palazzo Fienga integriert.
Die Umfassungsmauer
Man kann noch die Reste des Wehrgangs zwischen dem ersten und dem zweiten Mauerring sehen.
Entlang des Hügelkamms befindet sich eine große, runde Zisterne, geschützt durch einen angeschrägten Turm mit dreieckigem Grundriss und zwei offene Türme, die die mittlere Kurtine unterbrechen, die Teil des Trinkwasserverteidigungssystems war und insbesondere im Falle einer Belagerung wertvoll war.
Darüber hinaus kann man noch einige Reste sehen, aber der Mauerring am Fuß des Hügels ist vollständig verschwunden.
Legenden
Wie jedes respektable Herrenhaus hat auch die Burg von Nocera, die aus Ruinen und Geschichte besteht, die Bevölkerung der Stadt zur Schaffung von Legenden angeregt.
- Lokale Gerüchte berichten von einer Reihe von Tunneln unter der Burg, die diese auch mit weit von der Stadt entfernten Punkten (wie den Ortsteil Materdomini der Gemeinde Nocera Superiore) verbanden. Dass die Burg Tunnel gehabt hat, die als unterirdische Fluchtwege dienten, ist plausibel, aber es ist unwahrscheinlich, dass diese viele Kilometer lang gewesen sein sollen. Darüber hinaus sind angebliche Tunnel häufig nur Wasserleitungen.
- Die Burg soll zwei Geister beherbergen, von denen man die Namen und ihre Geschichten weiß. Der älteste Geist soll Cencia di Trastevere sein, eine Gefängnisinsassin eindeutig altrömischen Ursprungs, die sich in Francesco Prignano (Neffe von Papst Urban VI.), Herzog von Capua und Herr von Nocera, verliebt hatte. Nachts kann man ihre Schreie aus der Burgruine hören.
- Der andere Geist scheint Basilio di Levante zu sein, von dem man sagt, er sei 1406 im Castello del Parco verstorben, wo sich auch sein Grab befindet. Er manifestiert sich durch plötzliches Absenken der Temperatur, durch Windböen und plötzliche Geräusche.
Veranstaltungen
Jazz in Parco
Bis in die ersten 2010er-Jahre hat die Noceracconta-Gesellschaft dort und in den Räumen des Palazzo Fienga ein Festival nur für Jazz durchgeführt. Die künstlerische Leitung hatte die Jazzsängerin Ondina Sannino inne. Die Veranstaltung wurde später in die Stadt verlegt, wo sie auf Plätzen und in Lokalen stattfindet.
Fantasmi al Castello
Seit 2015 organisiert die Gesellschaft Ridiamo Vita Al Castello eine Reihe Besuchsspektakel in den Burgruinen und im Palazzo Fienga. Die enthaltene Geschichte und die enthaltenen Legenden zu machen, war der Inhalt.[10]
Einzelnachweise und Bemerkungen
- ↑ Chronicum Siculum. S. 45.
- ↑ Giovanni Boccaccio: De mulieribus claris, CVI. DE IOHANNA, IERUSALEM ET SYCILIE REGINA.
- ↑ Mons. Lunadoro: Copia d’una lettara scritta dal molto illus. e rever.mo mons. Lunadoro vescovo di Nocera de’ Pagani intorno all’origine di detta città, e suo vescovado, al signor Alcibiade Lucarini, Napoli 1610. Nocera Inferiore 1985.
- ↑ Nocera Inferiore. Ripartono le visite gratuite al Castello del Parco Fienga. In: Occhio di Salerno – Eventi e Cultura. Archiviert vom am 24. Januar 2019; abgerufen am 19. September 2025 (italienisch).
- ↑ Giuseppe Ferrara: Ridiamo vita al Castello del Parco Fienga: parte la raccolta fondi dei voluntari. In: LaRedazione.eu. Archiviert vom am 31. Juli 2021; abgerufen am 19. September 2025 (italienisch).
- ↑ Wie man in einem Dokument des Codice Diplomatico Cavese lesen kann.
- ↑ R. Fiorillo: Nota sui resti della più antica chiesa del castello: analisi della struttura e degli affreschi superstiti in Corolla, Fiorillo (Herausgeber): Nocera. Il castello dello Scisma d’Occidente. Evoluzione storica, architettonica e ambientale. Florenz 2010. S. 61–64.
- ↑ Desiderio war Abt von Montecassino. Er ließ die Fresken der Abtei Sant’Angelo in Formis von Capua ausführen. Es ist möglich, dass dieselben Meister auch in Nocera gearbeitet haben, da zu dieser Zeit die Stadt Giordano Drengot, Herzog von Capua, gehörte.
- ↑ Nocera, il 24 settembre termineranno i lavori di recupero dell’affresco dei tre santi. RTA Live, 15. September 2021, abgerufen am 23. September 2025 (italienisch).
- ↑ Nocera Inferiore, arriva la terza edizione die „Fantasmi al Castello“. In: Risorgimento Nocerino. 7. Juli 2018, archiviert vom am 24. Januar 2019; abgerufen am 23. September 2025 (italienisch).
Quellen
- A. Corolla, R. Fiorillo (Herausgeber): Nocera. Il castello dello Scisma d’Occidente. Evoluzione storica, architettonica e ambientale. Florenz 2010.
- F. Cordella: A guardia del territorio: castelli e opere fortificate della Valle del Sarno. Neapel 1998.
- Gennaro Orlando: Storia di Nocera de’ Pagani. 3 Bände. Neapel 1884–1887.