Cassequel
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Die Cassequel war ein Frachtschiff, das 1901 als deutsche Numantia in Dienst gestellt und 1916 von Portugal beschlagnahmt wurde. Dort fuhr es erst als Pangim, ab 1926 als Cassequel. 1942 wurde es von U 108 versenkt – eines der elf versenkten Schiffe des neutralen Landes.
Geschichte
Auf Basis des Frachtdampfers Nassovia entwickelte die britische Werft William Gray & Company aus West-Hartlepool eine vergrößerte Version, von der sie fünf Schwesterschiffe baute. Unter der Baunummer 633 erfolgte die Kiellegung des Schiffes für die Hamburg-Amerikanische Packetfahrt-Actien-Gesellschaft (Hapag), das am 22. Februar 1901 vom Stapel lief und den Namen Numantia erhielt.[1][2][3][4][5]
Nachdem die Werft das Schiff am 11. April 1901 an die Hapag abgeliefert hatte, setzte die Reederei den Frachter zunächst im Dienst nach Nord- und Südamerika ein. Nach der ersten Fahrt im Dezember 1913 wechselte das Einsatzgebiet des Frachters zwischen Hamburg und dem Persischen Golf. Zu Beginn des Ersten Weltkrieges im August 1914 befand sich das Schiff im westlichen Indischen Ozean. Da die Numantia nicht nach Deutschland zurückkehren konnte, lief sie den einzigen neutralen Hafen in der Region und ließ sich in Mormugao – dem Hafen der portugiesischen Kolonie Goa an der indischen Westküste – am 7. August 1914 internieren.[2]
Dort waren schließlich fünf deutsche und ein österreichischer Frachter versammelt. Neben der Numantia hatten noch die Lichtenfels (1903, 5735 BRT) und Marienfels (1901, 5683 BRT) der DDG Hansa, die Brisbane (1911, 5668 BRT) der Deutsch-Australischen Dampfschiffs-Gesellschaft sowie die Kommodore (1904, 6064 BRT) der DOAL den neutralen Hafen aufgesucht. Dazu kam noch der Frachter Vorwaerts (1906, 5990 BRT) des Österreichischen Lloyd.[6] Ende Februar 1916 entschied sich die portugiesische Regierung, die deutschen Schiffe zu beschlagnahmen. Darauf erfolgte die deutsche Kriegserklärung an Portugal am 9. März 1916. Die beschlagnahmten Schiffe wurden der neugegründeten staatlichen Reederei Transportes Marítimos do Estado zugewiesen. Die Numantia erhielt den Namen Pangim nach dem portugiesischen Namen von Goas Hauptstadt Panaji, wurde nach Europa überführt und zur Unterstützung der Kriegsanstrengungen der Entente auf dem Nordatlantik eingesetzt.
Mit Auflösung der Transportes Marítimos do Estado im Jahr 1925 ging das Schiff wieder in private Hände zurück: Zunächst erwarb D. Barbosa aus Lissabon den Dampfer, verkaufte ihn jedoch 1926 an die erst 1922 gegründete Reederei Companhia Colonial de Navegação, die den Personen- und Frachttransport zwischen dem portugiesischen Mutterland und Kolonien in Afrika betrieb. Diese gab dem Schiff den Namen Cassequel – heute ein Stadtviertel der Gemeinde Maianga in Angola. Die Reederei setzte das Schiff auf der Route zwischen Lissabon und den portugiesischen Kolonien in Afrika entlang der Westküste bis Angola ein. Im August 1933 wurde die Cassequel während einer Fahrt zwischen Angola und São Tomé durch einen an Bord ausgebrochenen Brand schwer beschädigt.[7][8]
Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurde eine große Landesflagge und der Name des Schiffes an die Bordwände der Cassequel gemalt, um sie als Schiff des neutralen Landes kenntlich zu machen. Im Dezember 1941 war das Schiff mit 57 Passagieren und Mannschaftsmitgliedern auf dem Weg von Lissabon nach São Tomé, Luanda und Lobito in Angola. Am 13. Dezember befand sich die Cassequel etwa 250 Meilen südwestlich von Cabo de São Vicente, als sie vom deutschen U-Boot U 108 angegriffen wurde. Nach dem Torpedotreffer am Heck konnten sich alle Passagiere und Besatzungsmitglieder in den Rettungsbooten in Sicherheit bringen. Erst dann feuerte das U-Boot den zweiten Torpedo ab, der die Cassequel mittschiffs traf. Das dort gelagerte Benzin explodierte, das Schiff zerbrach in zwei Teile und sank schnell. Innerhalb von sechs Tagen konnten alle 57 Überlebenden gerettet werden.[9][10]
Technische Daten
Der Dampfer war 121,31 Meter lang, 15,85 Meter breit und hatte einen Tiefgang von 7,84 Metern. Dabei war er mit 4385 BRT bzw. 2804 NRT vermessen und hatte eine Tragfähigkeit von 7100 Tonnen. Als Antrieb diente eine Dreizylinder-Dreifach-Expansionsmaschine von Central Marine Engineering Works mit 1800 PSi, die auf eine Schraube wirkte. Damit erreichte der Dampfer eine Geschwindigkeit von 10,0 Knoten. Die Besatzung bestand aus 40 Mann.[1][2][3][4][5]
Siehe auch
Literatur
- Roger Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships. Naval Institute Press, Annapolis/Maryland 1999, ISBN 1-55750-959-X.
- Arnold Kludas: Geschichte der Hapag-Schiffe. Band 2: 1901–1914. Hauschild, Bremen 2008, ISBN 978-3-89757-397-0.
- Reinhart Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1888–1918. Selbstverlag, Cuxhaven 1981, DNB 890889570.
- Ricardo Daniel Carvalho da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“. CITCEM – Centro de Investigação Transdisciplinar «Cultura, Espaço e Memória» -Fundação para a Ciência e Tecnologia/Faculdade de Letras da Universidade do Porto, Universität Porto, o. J. Online-Version (PDF).
Weblinks
- Lloyd's Register. Steamers & Motorships 1941–1942, abgerufen am 22. September 2025
- Numantia bei teesbuiltships.co.uk, abgerufen am 22. September 2025
- Portugiesische Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg angegriffen oder versenkt wurden bei naviosavista.blogspot.com (portugiesisch), abgerufen am 22. September 2025
Einzelnachweise
- ↑ a b Schmelzkopf: Die deutsche Handelsschiffahrt 1888–1918, S. 407
- ↑ a b c Kludas: Geschichte der Hapag-Schiffe. Band 2: 1901–1914, S. 14
- ↑ a b Numantia bei teesbuiltships.co.uk
- ↑ a b Lloyd's Register: Steamers & Motorships 1941–1942
- ↑ a b Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships, S. 348
- ↑ German Steamers in Portuguese ports
- ↑ Portugiesische Schiffe, die im Zweiten Weltkrieg angegriffen oder versenkt wurden bei naviosavista.blogspot.com
- ↑ Cassequel bei alernavios.blogspot.com
- ↑ Jordan: The World's Merchant Fleets 1939. The Particulars and Wartime Fates of 6.000 Ships, S. 569
- ↑ da Silva: Navios Portugueses afundados durante a II Guerra Mundial. As perdas de um „Neutral“, S. 8f.