Caspar René Hirschfeld

Caspar René Hirschfeld (* 21. Mai 1965 in Wernigerode[1]) ist ein deutscher Komponist und Violinist.

Leben und Wirken

Hirschfeld erhielt ab dem fünften Lebensjahr an der Musikschule Wernigerode seinen ersten Violinunterricht und später Klavierunterricht. Im Alter von 9 Jahren begann er zu komponieren. Im Alter von 16 Jahren begann er zunächst ein Violin-Studium an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar. In dieser Zeit sah Udo Zimmermann Partituren von Hirschfelds damaligen Kompositionen, riet ihm, Komposition zu studieren und bot ihm an, in Dresden bei ihm studieren zu können[2]. Hirschfeld wechselte daraufhin nach einam Jahr die Hochschule und studierte von 1982 bis 1987 an der Musikhochschule Dresden Komposition bei Udo Zimmermann und Wilfried Krätzschmar, Violine bei Christian Redder sowie Klavier und Dirigieren.[1] Anschließend war er bis 1989 Meisterschüler von Udo Zimmermann.[3] Weitere wichtige Mentoren waren Paul-Heinz Dittrich, Gret Palucca, der Tänzer Thomas Hartmann und der Maler Günter Firit.

Neben seinem Wirken als Komponist trat Hirschfeld in den 1990er Jahren als Tänzer und Performancekünstler[4] sowie als Pianist und Liedbegleiter in Erscheinung. Er konzertierte bis 2021 auch als Geiger, vornehmlich mit Barockmusik (u. a. im Albert/Hirschfeld Duo mit dem Gitarristen Sebastian Albert) und zeitgenössischer Musik.[5]

Hirschfeld war von 1987 bis 1991 Lehrbeauftragter an der Dresdner Musikhochschule und anschließend bis 1994 an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin.[1] Außerdem war er bei der ACMP Foundation in New York und in der Musikakademie Rheinsberg tätig.[4] Er ist Dozent der Komponistenklasse Sachsen-Anhalt und seit 2019 Leiter des Landesensemble Junge Musik Sachsen-Anhalt. Außerdem ist er Vorstandsmitglied des Musikbundes Sachsen-Anhalt.[1]

Hirschfelds kompositorisches Werk umfasst Musiktheater, Ballette, Sinfonik, Chormusik, Kammermusik, Solowerke und Lieder[3] sowie Tangos und Jazz-Zyklen. Seine Kompositionen wurden in zahlreichen Ländern Europas und weltweit gespielt,[3] unter anderem an der Semperoper, der Oper Leipzig, der Oper Bonn, im Konzerthaus Berlin, im Konzerthaus Dortmund, im DeSingel Antwerpen, im Musée d’art moderne de la Ville de Paris, im Athenäum Bukarest, am Rustaweli-Theater sowie bei den Salzburger Festspielen, beim Schleswig-Holstein Musik Festival, den Dresdner Musikfestspielen und den Dresdner Tagen der zeitgenössischen Musik.[4][5]

1991 wurde seine Kammeroper Bianca bei den Salzburger Festspielen uraufgeführt.[3] Im Jahr 2005 wurde sein Werk Wandlungen V – Doppelkonzert für Violine, Violoncello und Orchester im Dom zu Magdeburg zur Verleihung des Kaiser-Otto-Preises an Bundespräsident a. D. Richard von Weizsäcker uraufgeführt.[6]

2024 gastierte das New Chamber Ballet New York mit der Produktion PI nach Musik von Hirschfeld und visual arts von Korvin Reich im Kunstmuseum Magdeburg.[7]

Eine enge Zusammenarbeit verbindet Hirschfeld u. a. mit dem Pianisten Joshua Rupley und dem Zeichner und Lyriker Korvin Reich.[8] Rupley spielte 2025 u. a. die Uraufführung von Hirschfelds 3. Klavierkonzert nacht.wachen. Außerdem legte er für das Label TYXart eine CD-Einspielung von Hirschfelds monumentalem Klavierzyklus Musik für Piano solo vor, die von der Kritik hervorragend besprochen wurde. PianoNEWS schreibt: „Dieses bedeutende Werk zeitgenössischer Klaviermusik sollte zum pianistischen Standardrepertoire gehören“ (PianoNEWS 4/2025, Rezension von Robert Nemecek)[9]. Das US-amerikanische Fono-Magazin Fanfare nennt es „Music for the ages“[10] und „A piece you must hear if you are concerned whether classical music has a future“. (Fanfare Magazine print edition November/Dezember 2025).

Zunächst wurden Hirschfelds Werke teils beim Verlag Neue Musik Berlin, teils beim Friedrich Hofmeister Musikverlag Leipzig veröffentlicht. 2022 erhielt er einen Gereralvertrag vom Verlag Neue Musik Berlin. Seither erscheinen seine Werke ausschließlich dort.

Die Website des Verlag Neue Musik Berlin führt Hirschfeld als einen „...der interessantesten und vielseitigsten Komponisten seiner Generation. Dabei entzieht sich seine Musik gängigen Kategorien wie Avantgarde oder Tradition, gilt als gleichermaßen zeitgemäß wie transzendent, strukturell komplex und sinnlich fassbar.“[11]

Auszeichnungen

  • 1984: Carl-Maria-von-Weber-Preis der Stadt Dresden[4]
  • 1988/1989: Mendelssohn-Stipendium des Ministeriums für Kultur der DDR[3]
  • 2000: Göttinger Kompositionspreis für Gitarre[3]
  • 2015: Carl von Ossietzky Kompositionspreis[3]

Veröffentlichungen

  • 2016: Meine Geigenwunderwelt – eine moderne Geigenschule mit Zeichnungen von Korvin Reich, Heinrichshofens Verlag, ISMN 9790204428182; 2. Bd. 2020, ISMN 9790204428199
  • 2017: Bewegung als strukturelles Gestaltungsmittel in Musik und anderen Künsten, BoD, ISBN 978-3744854542
  • 2020: (Hrsg.) Fritz Schäfer: Die sieben Erwachungsglieder – eine Gipfelstrecke in der Lehre des Buddha, Beyerlein u. Steinschulte, ISBN 978-3-945224-09-0
  • 2022: Besinnt Euch!, ISBN 978-3-347-60233-5

Diskografie (Auswahl)

  • Lieder & Sonette, Grit Díaz de Arce u. a. (1998 kreuzberg records, kr 10 049)
  • solitudes, Solowerke, Andreas Göbel u. a. (2001 Col Legno WWE 1CD 20058, LC-Nr. 20258)
  • Wandlungen, Kammermusik für Klaviertrio u. a., Trio Triton u. a. (2003 Col Legno WWE 1CD 20058, LC-Nr. 20218)
  • PI - Klang der Unendlichkeit, Electronic (2024 kreuzberg records, kr 10186)
  • Music for Piano Solo, Joshua Rupley (2025 TYXart, TXA25197)

Literatur

  • Hirschfeld, Caspar René. In: Peter Hollfelder: Klaviermusik. Internationales chronologisches Lexikon. Geschichte. Komponisten. Werke. Supplement, Noetzel, Wilhelmshaven 2005, ISBN 3-7959-0855-8, S. 102.
  • Hirschfeld, Caspar René. In: Axel Schniederjürgen (Hrsg.): Kürschners Musiker-Handbuch. 5. Auflage, Saur Verlag, München 2006, ISBN 3-598-24212-3, S. 187.

Einzelnachweise

  1. a b c d Biografie Caspar René Hirschfeld. In: Musikkoffer Sachsen-Anhalt. Abgerufen am 15. April 2021.
  2. Saskia Zimmermann, Matthias Herrmann: Ich bin ein Theatermensch. Udo Zimmermann - Erinnerungen und Dokumente. Breitkopf & Härtel, Wiesbaden 2024, ISBN 978-3-7651-0513-5, S. 155/156.
  3. a b c d e f g MDR: MDR KLASSIK - Mikrokompositionen: René Hirschfeld. Abgerufen am 15. April 2021.
  4. a b c d Caspar René Hirschfeld. In: Verlag Neue Musik. Abgerufen am 15. April 2021.
  5. a b Caspar René Hirschfeld. In: Stretta music. Abgerufen am 15. April 2021.
  6. Landeshauptstadt Magdeburg: Festakt zum Stadtjubiläum Magdeburg 12hundert und. In: presse-service.de. 29. April 2005, abgerufen am 15. April 2021.
  7. Gesellschaftshaus Magdeburg: PI | BALLETT VON MIRO MAGLOIRE. In: Magdeboogie Events. Abgerufen am 12. November 2025.
  8. Korvin Reich Webseite
  9. Verlag Neue Musik - Musik für Piano solo NM3758. Archiviert vom Original am 18. Mai 2025; abgerufen am 12. November 2025.
  10. C. René Hirschfeld, Mark Gabrish Conlan: Fanfare Magazine. Abgerufen am 12. November 2025.
  11. Über Hirschfeld beim Verlag Neue Musik. Abgerufen am 7. November 2024.