Casa Rotalinti

Die Casa Rotalinti ist ein Einfamilienhaus in der Schweizer Stadt Bellinzona, das bis 1961 nach einem Entwurf von Aurelio Galfetti errichtet wurde. Das Wohngebäude im Stil des Brutalismus ist in das Inventar der Kulturgüter von regionaler Bedeutung (B-Objekt, KGS-Nr. 11919) eingetragen.

Geschichte

Galfetti studierte bis 1960 Architektur an der ETH Zürich, wo ihn Paul Waltenspühl für die Entwürfe von Le Corbusier begeisterte. Im selben Jahr eröffnete er ein eigenes Büro in Lugano.[1] Noch vor Abschluss des Studiums begann Galfetti mit dem Entwurf seines Erstlingswerk. Der mit ihm befreundete Auftraggeber hatte sich einen Bungalow mit Satteldach gewünscht.[2] Der von 1960 bis 1961 errichtete Sichtbetonbau wurde auch als «Paukenschlag für eine neue Tessiner Architektur» bezeichnet,[3] der sich als «Pionierwerk» «vom Bauwirtschaftsfunktionalismus der Spätmoderne ebenso wie von Tessiner Heimattümelei» absetzte.[2]

Beschreibung

Das Gebäude steht in Hanglage oberhalb der Stadt Bellinzona und unterhalb der Höhenburg Castello di Sasso Corbaro.[4] Es ist nach Südwesten orientiert und fügt sich harmonisch in die Umgebung ein.

Der viergeschossige Betonkubus ruht auf Pfählen, deren tragende Konstruktion offen sichtbar ist. Unterhalb des Hauses besteht ein Zugang zum Waldboden. Die grossen Fensterfronten liegen an der Südwest- und Nordostseite und lassen viel Tageslicht herein. Die beiden anderen Betonwände sind von Le Corbusiers «modernistischen Prinzipien inspiriert» und mittels Durchbrüchen zur Aussenwelt «bewusst gegliedert».[5] Der Eingang in das Obergeschoss erfolgt vom Parkplatz aus über eine Brücke. Eine Wendeltreppe führt von der verglasten «Tageszone» in den tieferen Bereich der «Nachtzone», wo die Aussenwelt näher an das Gebäude herantritt. Das oberste Geschoss ist als Dachterrasse ausgeführt, die teilweise von einem Flachdach überdeckt ist. Der «24-Stunden-Rhythmus des Wohnens» wird durch die fliessenden Verbindungen zwischen Innen- und Aussenbereich sowie eine sich im Tagesablauf wandelnde Beziehung zur Landschaft bestimmt. Die Gestaltung des Hauses verstärkt das Spiel von Licht und Schatten in den Räumen.[5][6]

Die «harte Architektursprache» Galfettis steht im Gegensatz zu den umliegenden eklektizistischen Landhäusern. Die Casa Rotalinti gilt bis in die Gegenwart als ein Beispiel «für die radikale Interpretation der Moderne im Tessiner Kontext».[3] Gal­fetti gilt zuletzt als ein Haupt­ver­tre­ter der Tes­si­ner Ar­chi­tek­tur des 20. Jahr­hun­derts, die er mit Ar­chi­tek­ten wie Botta Snozzi und Vacchini prägte. Sein Kön­nen zeigte sich im Entwurf der Casa Ro­tal­inti, sei­ner ers­ten wichtigen Ar­beit, die den «Be­ginn der neue­ren ra­di­ka­len Tes­si­ner Ar­chi­tek­tur mar­kiert».[7]

Literatur

  • Sabine Schneider, Frank Werner: Neue Tessiner Architektur. Perspektiven einer Utopie. DVA, Stuttgart 1991. S. 68.
  • Aurelio Galfetti Arquitecte. In: Quaderns d’arquitectura i urbanisme. Nr. 155 (1982). S. 13–15.

Siehe auch

Commons: Casa Rotalinti – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Belege

  1. Aurelio Galfetti. Bei: deu.archinform.net, abgerufen am 1. Januar 2025.
  2. a b Hubertus Adam: Im Territorium Tessin. Zum Tod von Aurelio Galfetti. In: baunetz.de vom 14. Dezember 2021; abgerufen am 1. Januar 2025.
  3. a b Aurelio Galfetti denkt auch an die Raumplanung. In: nzz.ch vom 4. September 2011; abgerufen am 1. Januar 2025.
  4. Haus Rotalinti – Casa Rotalinti. Abgerufen am 1. Januar 2025.
  5. a b Wanru Zhao: Case Study – Casa Rotalinti – 1959. In: kaijima.arch.ethz.ch, abgerufen am 1. Januar 2025.
  6. Aurelio Galfetti – Casa Rotalinti – Bellinzona, Switzerland – 1959–61. Abgerufen am 1. Januar 2025.
  7. Casa Rotalinti. In: archINFORM; abgerufen am 1. Januar 2025.

Koordinaten: 46° 11′ 10,6″ N, 9° 1′ 38,9″ O; CH1903: 722665 / 116220