Carolyn Cohen

Carolyn Cohen (* 18. Juni 1929; † 20. Dezember 2017)[1] war eine US-amerikanische Biologin und Biophysikerin. Sie war Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

Leben

Carolyn Cohen wurde als Tochter von Anna und Philip Cohen geboren.[2] Nach dem Tod ihres Vaters im Jahr 1939 war es sein Anwalt Samuel Sumner Goldberg, dass er sich ihrer annahm und ihre Neugier förderte.[2] Sie besuchte die Joan of Arc Junior High School und anschließend die Hunter College High School in New York City.[3] Nachdem sie von der McGill University und dem Barnard College abgelehnt worden war, drängte Cohens Französischlehrer sie, sich am Bryn Mawr College zu bewerben, wo sie mit einem Vollstipendium aufgenommen wurde.[3] Im Sommer 1949 nahm Cohen eine Stelle in der Küche des Marine Biological Laboratory in Woods Hole (Massachusetts) an.[4] Dort lernte sie Shinya Inoué kennen, arbeitete für Otto Schmitt und besuchte eine Vorlesung von Dorothy Wrinch, die sie später als Anregung für ihr berufliches Interesse an Proteinstrukturen bezeichnete.[4] Cohen schloss 1950 ihr Studium der Biologie und Physik am Bryn Mawr College mit summa cum laude ab.[5] Anschließend wechselte sie an das Massachusetts Institute of Technology, um bei Richard S. Bear zu promovieren. Dort beschäftigte sie sich mit der Struktur von Kollagen und anderen spiralförmig strukturierten Proteinen und schloss ihr Studium 1954 ab.[4]

Während ihrer Zeit am MIT lernte Cohen die damalige Gastforscherin Jean Hanson kennen, die sich mit der Struktur von Muskelfasern befasste. Nach ihrem Abschluss nahm Cohen eine Stelle als Postdoktorandin in Hansons Labor am King’s College London an, wo sie sich mit der Röntgenkristallographie-Struktur von Aktinfilamenten beschäftigte.[4] Nach neun Monaten kehrte Cohen ans MIT zurück und arbeitete zunächst in Bears Labor, dann mit Andrew Szent-Györgyi an der Struktur von Faserproteinen. Sie schrieb sich an der medizinischen Fakultät der Boston University ein, brach das Studium jedoch nach weniger als einem Monat ab und kehrte zur Vollzeitforschung am MIT zurück.[4] 1957 begann sie eine langjährige Zusammenarbeit mit Donald Caspar, in deren Rahmen sie die Struktur von Tropomyosin untersuchte.[4]

Werk

1958 gründete Cohen ihr eigenes Labor, das sie gemeinsam mit Caspar an der Children's Cancer Research Foundation (heute Dana–Farber Cancer Institute) leitete.[4] Dort beschäftigte sie sich vor allem mit der Struktur von Myosin. Zusammen mit der Postdoktorandin Susan Lowey entwickelte Cohen ein Modell für die Myosin-Struktur mit einem Alpha-Helix-Kern, der von globulären Massen umgeben ist. Bei der Untersuchung des Fangmuskels von Weichtieren wiesen Cohen und Kenneth Holmes (damals Postdoktorand bei Caspar) das Vorhandensein von alpha-helikalen Coiled-Coil-Filamenten nach, was sie 1963 veröffentlichten.[4] Einige Jahre später, im Jahr 1967, bestätigten Lowey und Henry S. Slater die vorhergesagten globulären Köpfe mittels Elektronenmikroskopie.[4] Von 1969 bis 1972 veröffentlichten Cohen und Caspar eine Reihe von Arbeiten, in denen sie die Struktur von Tropomyosin beschrieben – die erste Proteinstruktur, die mittels Elektronenmikroskopie bestimmt wurde.[4]

1972 verlegten Cohen, Caspar und Lowe – zusammen als „Structural Biology Laboratory“ bekannt – ihr Labor und wurden damit die erste Forschungsgruppe am Rosenstiel Basic Medical Sciences Research Center der Brandeis University.[4] Tatsächlich war Cohen die erste Frau mit einer Festanstellung im Fachbereich Biologie an der Brandeis University. 2012 trat Cohen in den Ruhestand.

Auszeichnungen

  • 2008: Gründungsmitglied der Massachusetts Academy of Sciences[5]

Im September 1997 nahm sie am 3. Alpbacher Workshop zu Faserproteinen in Tirol teil und wurde hier für ihre Arbeit ausgezeichnet.[5]

Zu Ehren ihrer Arbeit im Bereich der Proteinstrukturen wurde der Biophysical Society Innovation Award im Jahr 2022 in Carolyn Cohen Award for Biophysical Innovation umbenannt. Seitdem wird er jedes Jahr auf der BPS-Jahrestagung im Februar verliehen.[6]

Einzelnachweise

  1. Carolyn Cohen – Member Directory. In: National Academy of Sciences. Abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  2. a b Carolyn Cohen Obituary (2018) - Wellesley, MA. In: Boston Globe. 7. Januar 2018, abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  3. a b Carolyn Cohen: Mrs. Professor. In: The Journal of Biological Chemistry. Band 286, Nr. 37, 16. September 2011, ISSN 1083-351X, S. 31929–31931, doi:10.1074/jbc.X111.287250, PMID 21799004, PMC 3173190 (freier Volltext) – (nih.gov [abgerufen am 11. Dezember 2025]).
  4. a b c d e f g h i j k Carolyn Cohen: Seeing and Knowing in Structural Biology. In: Journal of Biological Chemistry. Band 282, Nr. 45, November 2007, S. 32529–32538, doi:10.1074/jbc.X700001200 (elsevier.com [abgerufen am 11. Dezember 2025]).
  5. a b c d e f Carolyn Cohen – Faculty Guide. In: Brandeis University. Archiviert vom Original am 28. Juni 2013; abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).
  6. BPS Innovation Award Renamed in Honor of Carolyn Cohen. In: BPS Bulletin. Mai 2021, abgerufen am 11. Dezember 2025 (amerikanisches Englisch).