Carlos von Gagern
Carlos von Gagern (* 12. Dezember 1826 in Rehdorf (Neumark); † 19. Dezember 1885 in Madrid) war ein Schriftsteller und Offizier in republikanisch-mexikanischen Diensten.
Leben
Carlos von Gagern war ein Sohn von Gustav von Gagern (1785–1834), Major, Gutsherr in Rehdorf[1] und Ritterschaftsrat der Neumark[2] und dessen Ehefrau Ida von Brauchitsch (1796–1871). Seine Schwester Helene von Gagern (1820–1877) war seit 1845 mit dem Mediziner und Naturforscher Philipp Franz von Siebold verheiratet.
Nachdem er von drei Gymnasien wegen undisziplinierten Verhaltens verwiesen worden war (Werder´sches in Berlin, Schulpforta und Zeitz) legte er in Stargart in Pommern das Abitur ab und studierte ab 1845 Jura an der Friedrich-Wilhelms-Universität zu Berlin. Er wurde Mitglied eines „Bundes radikaler Demokraten“, des 1844 gegründeten „Rütli“, und nahm rege an deren Treffen und Veranstaltungen teil. Gleichzeitig absolvierte er sein Freiwilligenjahr und wurde Unteroffizier in der Preußischen Armee. Er schloss sein Studium später an der Universität Leyden mit einer in holländischer Sprache geschriebenen Dissertation ab. 1849 trat er auf Wunsch seiner Mutter wieder in die Preußische Armee ein und diente in Breslau, Naumburg und Zeitz.
Er wurde Mitglied der Bewegung Gustav Adolf Wislicenus und „Sprecher“ einer Freien Gemeinde im sächsischen Zeitz und gründete für die vorwiegend aus Arbeitern und Handwerkern bestehende Gemeinde einen Konsum- und Rohstoffverein.
Nach zwei Prozessen entschloss er sich mit Frau und seiner damals einjährigen Tochter 1852 zur Auswanderung in die Neue Welt, übersiedelte von dort im Sommer 1853 in die mexikanische Hauptstadt und wurde als Hauptmann Lehrer für Ingenieurswesen am Colegio Militär. Er wurde 1860 von Benito Juárez zum Oberst ernannt, nahm später mit der mexikanischen Ostarmee an der Verteidigung Pueblas im Frühjahr 1863 teil, geriet dabei mit dem Fall der Stadt in französische Gefangenschaft und wurde mit über fünfhundert mexikanischen Offizieren nach Frankreich interniert.
Carlos von Gagern wirkte später in der Zeit um 1876 als Schriftsteller und mexikanischer Oberst a. D. in Wien, wohnte Wien IX in der Peregringasse 4 und war 1876 Sekretär und 1877 Ausschussrath des im April 1876 in Wien gegründeten und unter der Präsidentschaft von Anton Ritter von Schmerling stehenden Wissenschaftlichen Club.[3]
Er bekannte sich offen zum Darwinismus und beteiligte sich am Ehrengeschenk der deutschen Anhänger zu Darwins Geburtstag im Februar 1877, einem vom Rechnungsrat und Naturforscher Emil Rade (1832–1931) initiierten, von Ernst Haeckel geförderten und im Wesentlichen von Arthur Fitger mit insgesamt 21 Blättern gestalteten mit Silber-(und Gold-)beschlägen reich verzierten 50 cm hohen und 43 cm breiten Album (Darwin-Album von 1877),[4] in dem ab Blatt 3 zahlreiche Fotografien seiner Anhänger in je ein bis zehn passepartoutartig geschnittenen Feldern eingefügt sind. Als Carlos Baron Gagern wurde er auf Blatt 7 (Wien II) in diesem Album, das Darwin im Februar 1877 überreicht wurde, aufgenommen.[5]
Er war als Freimaurer aktiv, wurde 1857 Mitglied der amerikanischen Loge Schiller in Brooklyn, war in Mexiko Mitglied der Loge Paz y Concordia und wurde in Deutschland Mitglied der Loge Schiller.
Er war seit 1850 in Zeitz mit Elvira Schneider, einer Tochter des Augenarztes und württembergischen Leibmedikus Josef Schneider, verheiratet.
Schriften
- Apelacion de los mexicanos a la Europa bien informada de la Europa mal informada. Por el ciudadano Carlos de Gagern, Mexico, Impr. de I. Cumplido, 1862. (hathitrust.org)
- Todte und Lebende. Erinnerungen von Carlos von Gagern. Meminisse juvat. Erste Reihe, Abenheim`sche Verlagsbuchhandlung (G. Joel), Berlin 1884. (MDZ)
- Todte und Lebende. Erinnerungen von Carlos von Gagern. Meminisse juvat. Zweite Reihe, Abenheim`sche Verlagsbuchhandlung (G. Joel), Berlin 1884. (MDZ)
- Carlos von Gagern, Schwert und Kelle. Aus dem Nachlass des Verfassers, Hrsg. M. G. Conrad, Verlag Wilhelm Friedrich, Leipzig 1888. (MDZ)
Literatur
- Ute Jütten: Carlos de Gagern, ein preussischer Emigrant in Mexiko, 1853–1870. Jahrbuch für Geschichte Lateinamerikas, 8, 1971, S. 275–283 (PDF)
- Ludwig Kunwald: Trauerrede gehalten in der von der Loge "Schiller" im Or. Preßburg am 5. Januar 1886, zum Andenken an den in den ew. O. eingegangenen Br. Carlos Freiherr v. Gagern abgehaltenen Trauerarbeit. In: Die Bauhütte. Zeitung für Freimaurer. Organ des Lessingbundes Deutscher Freimaurer, Hrsg. Br. J. G. Findel, Neunundzwanzigster Jahrgang, Selbstverlag, Leipzig 1886, S. 59 ff. (Digitalisat)
- Ludwig Kunwald: Ein Held der Feder und des Schwerts. In: Die Gesellschaft. Münchener Halbmonatschrift für Litteratur und Kunst, Jahrgang 1887, Erstes Semester, Hrsg. A. G. Conrad, Verlag Wilhelm Friedrich, Leipzig 1887, S. 628.
Weblinks
- Kalliope-Verbund: Gagern, Carlos von (1842–1903)
Anmerkungen
- ↑ Neuer Nekrolog der Deutschen, Zwölfter Jahrgang 1834, Erster Theil, B. Fried. Voigt, Weimar 1836, S. XXVIII. u. S. 125.
- ↑ Handbuch über den Königlich Preußischen Hof und Staat für das Jahr 1832, Deckersche Geheime Ober-Hof-Buchdruckerei (R. L. Decker), Berlin 1832, S. 103.
- ↑ Jahresbericht des Wissenschaftlichen Club 1876/77, Selbstverlag, Wien 1877 (MDZ)
- ↑ Das Album enthält insgesamt 165 Porträts und befindet sich heute noch in der Darwin Collection im Down House, London, Luxted Road, Downe, Orpington, BR6 7JT
- ↑ Brunhild Gries: Emil Rade (1832–1931), sein Anteil an der naturkundlichen Erforschung Westfalens und das Darwin-Album von 1877. Abhandlungen aus dem Westfälischen Museum für Naturkunde, 68, 2, Münster 2006 (PDF)