Carl von Hardenberg
Gottlob Albrecht Carl von Hardenberg, modernisiert Karl von Hardenberg, (* 13. März 1776 in Oberwiederstedt; † 28. Mai 1813 in Weißenfels) war ein kursächsischer Soldat, großherzoglich würzburgischer Kammerherr und Gutsbesitzer, Amtshauptmann im Thüringer Kreis und Dichter (Pseudonym: Rostorf).
Leben
Carl stammte aus der Adelsfamilie von Hardenberg und ist der jüngere Bruder des Dichters Novalis und ältere Bruder des Landrats Anton von Hardenberg. Sein Vater, der als kursächsischer Salinendirektor in Dürrenberg, Artern und Kösen tätige Heinrich Ulrich Erasmus von Hardenberg (1738–1814), war ein streng pietistischer Mensch. In zweiter Ehe war er verheiratet mit Auguste Bernhardine von Hardenberg, geborene von Bölzig (1749–1818), die elf Kinder zur Welt brachte.
Carl von Hardenberg schlug zunächst eine militärische Laufbahn ein und war seit 1790 in kursächsischen Kriegsdiensten. 1793 wurde er Leutnant in einem Karabinierregiment, war überwiegend in Lützen stationiert und nahm 1793/96 am Feldzug gegen das revolutionäre Frankreich, im Sommer 1793 an der Belagerung von Mainz[1] und 1798/99 am Zweiten Koalitionskrieg teil. 1801 nahm er seinen Abschied, heiratete 1802 Karoline von Uttenhoven (1782–1811) aus Meiningen, mit der er zwei Söhne und zwei Töchter hatte. Mit seinem Schwiegervater Carl von Uttenhoven erwarb er 1806 das Klostergut Unterzell bei Würzburg, nahm hier seinen Wohnsitz, wurde Gutsbesitzer und zugleich großherzoglich würzburgischer Kammerherr. 1807 trat er mit seiner Frau zum römisch-katholischen Glauben über. Nach dem Tod seiner ersten Frau ehelichte er 1812 Henriette Louise Gräfin zu Stolberg-Stolberg (1788–1868), eine Tochter von Friedrich Leopold zu Stolberg-Stolberg, der damit Hardenbergs Schwiegervater war. Im Jahre 1812 wurde er Amtshauptmann im Thüringer Kreis des Königreichs Sachsen.
Carl von Hardenberg hat vermutlich in den 1790er Jahren erste dichterische Versuche unternommen. Unterstützt, beraten und ermuntert wurde er dabei von seinem älteren Bruder Friedrich (Novalis), der an Ludwig Tieck am 5. April 1800 über Carl schreibt: „Mein Bruder ist recht fleißig und es rührt sich in ihm unser gemeinschaftliches Band, die Poesie. Er dichtet und schreibt, und wie mich dünkt, nicht ohne Hoffnungen. Er hat in kurzer Zeit viele Schwierigkeiten der ersten Versuche überwunden und seine Versification bildet sich immer mehr. Ich habe ihn gebeten nur ämsig fortzufahren und sich von den Fehlern der ersten Versuche nicht abschrecken zu lassen. Er muß sich nachgerade von dem Einfluß seiner Lieblingsmuster los machen lernen.“[2] Carl von Hardenbergs veröffentlichtes Werk ist schmal geblieben. Ganz in den Bahnen des älteren Bruders wandelnd veröffentlichte er unter dem Pseudonym Rostorf (das Pseudonym hatte er noch vom Bruder Friedrich bekommen[3]) Die Pilgrimmschaft nach Eleusis, ein Buch, das wesentlich vom 1802 veröffentlichten Romanfragment Heinrich von Ofterdingen des Bruders angeregt wurde. Auch in seiner Lyrik ließ sich Carl von Hardenberg stark von seinem Bruder Friedrich beeinflussen. Unter seinem Pseudonym Rostorf gar er noch 1807 den Dichter-Garten heraus (es erschien nur dieser Band) mit eigenen Gedichten sowie mit Beiträgen von Sophie Bernhardi, Friedrich Schlegel und seinem Bruder Anton von Hardenberg (Pseudonym: Sylvester).
Nach dem Tod von Novalis verwaltete Carl dessen handschriftlichen Nachlass und schrieb 1802 eine erste knappe Biographie des Bruders. Für die erste Ausgabe von Novalis Schriften (Berlin 1802) stellte er den Herausgebern Ludwig Tieck und Friedrich Schlegel seine biographischen Aufzeichnungen und Manuskripte des Bruders zur Verfügung.
Eine nachhaltige Wirkung haben Persönlichkeit und Werk Carl von Hardenbergs im Laufe des 19. Jahrhunderts nicht entfaltet. Eine Reminiszenz findet sich bei Ludwig Tieck, der ihn in seine Novelle Eine Sommerreise (1834) einführt: „Am andern Morgen – wen traf ich? Unsern theuern Carl von Hardenberg, den jüngern Bruder unsers vielgeliebten nur kürzlich und leider für die ganze Welt zu früh gestorbenen Novalis. Er ist mit seiner jungen, angenehmen Frau hier, um die Bäder zu gebrauchen. Er sieht wohl aus und ist stärker geworden. An männlicher Schönheit ist er mit Novalis nicht zu vergleichen. Der schwärmende Ferdinand hat sogleich sein ganzes Herz erobert und mich, den ältern Freund, in den Hintergrund gestellt. Aber sehr begreiflich, weil sie sich in Stimmung und Ansicht begegnen. Carl Hardenberg hat uns seine Schrift: ‚Die Pilgerschaft nach Eleusis,‘ vorgelesen, die mein Freund sehr billigte, wenn er gleich nicht Alles loben mochte.“[4]
Werke
Unter dem Pseudonym Rostorf:
- Die Pilgrimmschaft nach Eleusis. J. F. Unger, Berlin 1804
- (Hrsg.) Dichter-Garten. Erster Gang. Violen. Stahel, Würzburg 1807
Literatur
- I[sidor] O[rientalis, d. i. Otto von Loeben]: Einige Worte zum Andenken an Novalis Bruder, Karl von Hardenberg. In: Die Harfe. Hrsg. von Friedrich Kind. 3. Bändchen. Göschen, Leipzig 1816, S. 351–362.
- Karl Goedeke: Grundrisz zur Geschichte der deutschen Dichtung. Zweite ganz neu bearb. Aufl. Nach dem Tode des Verfassers in Verbindung mit Fachgelehrten fortgeführt von Edmund Goetze. Bd. 6, Ehlermann, Leipzig, Dresden, Berlin 1898, S. 52.
Briefe
- (Sieben Briefe Carl von Hardenbergs an Ludwig Tieck aus den Jahren 1801/02, in:) Briefe an Ludwig Tieck. Ausgewählt u. hrsg. von Karl von Holtei. Erster Band. Trewendt, Breslau 1864. S. 312–323.
- (Zwei Briefe von August Wilhelm Schlegel an Carl von Hardenberg aus dem Jahr 1807, in:) Hoffmann von Fallersleben: Findlinge. Zur Geschichte deutscher Sprache und Dichtung. Erster Band. Engelmann, Leipzig 1860. S. 184–186.
Einzelnachweise
- ↑ „Karl ist [...] jezt als froher Sieger in Maynz“, schreibt Novalis Anfang August 1793 an seinen Bruder Erasmus. In: Novalis. Bd. 1. Das dichterische Werk, Tagebücher und Briefe. Hrsg. von Richard Samuel. Hanser, München, Wien 1978. S. 539.
- ↑ Novalis. Bd. 1. Das dichterische Werk, Tagebücher und Briefe. Hrsg. von Richard Samuel. Hanser, München, Wien 1978. S. 739.
- ↑ „Meine wenigen Gedichte sind ganz zu Ihrer Disposition lieber Tiek, nur bitte ich den Namen Rostorf nicht zu vergessen; der Name wäre mir gleichgültig, aber mein guter Friz hat mir selbigen noch gegeben“. Carl von Hardenberg an Tieck, 18. Januar 1801. In: Briefe an Ludwig Tieck. Ausgewählt u. hrsg. von Karl von Holtei. Erster Band. Trewendt, Breslau 1864. S. 319.
- ↑ Ludwig Tieck: Gesammelte Novellen. Bd. 7. Reimer, Berlin 1852, S. 39.