Carl v. Ossietzky
| Film | |
| Titel | Carl v. Ossietzky |
|---|---|
| Produktionsland | DDR |
| Originalsprache | Deutsch |
| Erscheinungsjahr | 1963 |
| Länge | 100 Minuten |
| Altersfreigabe |
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| Stab | |
| Regie | Richard Groschopp |
| Drehbuch | Lothar Creutz, Carl Andrießen |
| Musik | Karl-Ernst Sasse |
| Kamera | Günter Eisinger |
| Schnitt | Hildegard Conrad |
| Besetzung | |
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Carl v. Ossietzky (auch Carl von Ossietzky) ist ein von der DEFA produzierter biografischer Fernsehfilm über den Journalisten, Pazifisten und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky.
Handlung
Der Film beginnt mit der Urnenbeisetzung Ossietzkys, um danach ins Jahr 1927 zu springen: Ossietzky bekommt von Kurt Tucholsky und Edith Jacobsohn, der Witwe des Weltbühne-Gründers Siegfried Jacobsohn, die Chefredaktion der Zeitschrift übertragen. Durch seine radikalpazifistische Haltung und die Enthüllungen seiner Redakteure, auch zu Machenschaften des Militärs, gerät er immer wieder in juristische Schwierigkeiten. Diese gipfeln im vielbeachteten Weltbühne-Prozess von 1931, bei dem Ossietzky und Walter Kreiser wegen Landesverrats zu Gefängnisstrafen verurteilt werden, weil Kreiser über geheime und illegale Vorbereitungen zum Aufbau einer deutschen Luftwaffe berichtete.
1932 wird Ossietzky amnestiert, doch die politische Lage wird immer instabiler und für ihn immer gefährlicher. Trotzdem zögert er, gegen den Rat seiner Freude und Mitarbeiter, den Gang ins Exil heraus. Am Morgen nach der Nacht des Reichstagsbrands wird er festgenommen und im KZ Esterwegen in sogenannter Schutzhaft interniert. Seine noch minderjährige Tochter Rosalinde wird nach England ins Exil geschickt.
Wegen Ossietzkys Bekanntheit erregt seine Haft internationales Aufsehen. Während seine Freunde und Anhänger ihn für den Friedensnobelpreis vorschlagen, greift die Lagerhaft seine Gesundheit stark an. Ohne sein Wissen wird er durch eine Injektion mit Tuberkulose infiziert. Seine Mitgefangenen unterstützen ihn und versuchen ihm schwere Arbeit abzunehmen.
Der US-amerikanische Journalist Hubert Knickerbocker setzt sich dafür ein, dass Journalisten das Lager besuchen und sich von Ossietzkys Zustand überzeugen können. Ossietzky wird den Journalisten vorgeführt, kann jedoch nicht offen über die Haftbedingungen sprechen.
Der Fall Ossietzky beschäftigt jetzt höchste Kreise: Joseph Goebbels und Hermann Göring befürchten, dass ein Tod Ossietzkys sich negativ auf das Ansehen Deutschlands auswirken könnte, zumal das Regime sich im Jahr der Olympischen Spiele in Berlin als human präsentieren möchte. Also bietet Göring Ossietzky die Freilassung an, sofern dieser auf den Nobelpreis verzichtet. Ossietzky lehnt das Angebot ab. Er wird aus dem KZ entlassen und in ein Berliner Krankenhaus gebracht, wo er, in Gesellschaft seiner Frau Maud und bewacht von der Gestapo, seine letzten Lebensjahre verbringt. Dort erfährt er, dass ihm tatsächlich der Friedensnobelpreis zuerkannt wurde, den er jedoch nicht mehr entgegennehmen kann. Er stirbt im Mai 1938.
Am Ende kehrt der Film zu Ossietzkys Beisetzung zurück, und es wird das ihm gewidmete Gedicht Auf den Tod eines Kämpfers für den Frieden von Bertolt Brecht rezitiert.
Charakterisierung und historische Einordnung
Ossietzky wird durch seine Handlungs- und Redeweise als intelligent, bescheiden und prinzipientreu charakterisiert.
Entsprechend der in der DDR propagierten Geschichtsauffassung wird das Nicht-Zustandekommen einer Einheitsfront in der Spätphase der Weimarer Republik ausschließlich den Sozialdemokraten angelastet, während Ossietzky als mit den Kommunisten sympathisierend dargestellt wird.
Produktion
Beide Drehbuchautoren waren Mitarbeiter der Weltbühne unter der Herausgeberschaft von Ossietzkys Witwe Maud von Ossietzky. Stellenweise wurden Zitate aus Originaltexten von Ossietzky verwendet.
Der Film wurde am 1. September 1963 im Deutschen Fernsehfunk erstausgestrahlt. 2017 erschien er bei Studio Hamburg Enterprises auf DVD.