Carl Wilhelm Ernst Putsche
Carl Wilhelm Ernst Putsche (* 1. Mai 1765 in Großkromsdorf; † 7. September 1834 in Wenigenjena) war ein deutscher Geistlicher, Pädagoge, Agrarwissenschaftler, Hochschullehrer, Schriftsteller und Publizist.
Leben
Herkunft und Ausbildung
Er kam 1765 als Sohn von Johann Ernst Putsche († 1784) in Großkromsdorf zur Welt – der kleine Ort wenige Kilometer nordöstlich von Weimar gehörte damals zum Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach.[1] Sein Vater war dort und später in Sulzbach als evangelischer Pfarrer tätig.[2] Nach seinem Schulabschluss am Gymnasium in Weimar immatrikulierte sich der Sohn 1783 für ein Studium der evangelischen Theologie an der Sächsischen Gesamtuniversität in Jena.
Putsche war verheiratet und hatte mehrere Kinder.[1]
Hauptberufliche Karriere
Seinen Einstieg ins Berufsleben fand er zunächst als Hauslehrer und arbeitete als solcher zunächst sechs Jahre lang in Bremen und anschließend beim Jenaer Medizinprofessor Justus Christian Loder. Im Jahr 1796 übertrug man Putsche die Pfarrstelle in Wenigenjena, die er bis zu seinem Tod 1834 innehaben sollte.[2][3] Er war später in Personalunion auch Adjunkt der Schulaufsicht und wurde 1829 zum Adjunkten der Jenaer Superintendentur ernannt.[4]
Naturwissenschaftliches Wirken
Sein Arbeitgeber Loder weckte Putsches Interesse an Naturwissenschaften, woraufhin er bald regelmäßig naturwissenschaftliche Vorträge besuchte und auch erste botanische Studien betrieb.[1] Während seiner beruflichen Tätigkeit in Wenigenjena veranlasste ihn die räumliche Nähe zu seiner Alma Mater, sich agrarwissenschaftlichen Forschungen und besonders der Baum- und Bienenzucht zuzuwenden.[1] Er war selbst landwirtschaftlich tätig[5][6] und unternahm zusammen mit dem Jenaer Professor für Naturgeschichte August Batsch häufig botanische Spaziergänge in der Umgebung von Closewitz.[1]
Im Jahr 1815 wurde Putsche seitens der philosophischen Fakultät[6] der Universität Jena die Ehrendoktorwürde[1] verliehen und nach einer Disputation 1817 erhielt er ferner das Recht, akademische Vorlesungen zu halten.[1][5] Hierbei fokussierte er sich auf Themen wie beispielsweise Landwirtschaft, Bienenzucht und ähnliches.[1] Er publizierte zahlreiche Fachartikel unter anderem im Allgemeinen Teutschen Garten-Magazin, im Erzgebirgischen Volksfreund sowie im Universal-Blatt für die gesammte Land- und Hauswirthschaft und gab gemeinsam mit Karl Christian Gottlob Sturm zwischen 1817 und 1821 fünf Jahrgangsbände der Zeitschrift Der Landwirth in seinem ganzen Wirkungskreise (Untertitel: Eine Zeitschrift für praktische Landwirthe, Kameralisten und Freunde des ländlichen Gewerbes) heraus. Nachdem Sturm nach Bonn gewechselt war, führte Putsche die Zeitschrift mit dem Zusatz „Neue Folge“ noch in sechs weiteren Bänden bis 1827 fort.[1] Anschließend zeichnete er bis 1831 – teilweise in Zusammenarbeit mit seinem Amtsbruder Johann Wilhelm Krause – für die Redaktion von 13 Bänden der Allgemeinen Encyklopädie der gesammten Land- und Hauswirthschaft der Deutschen verantwortlich. In seinen letzten Lebensjahren übersetzte er zudem mehrere agrarwissenschaftliche Schriften der französischen Autoren Anselme Payen, François Mustel und L. F. Dubief.[1]
Putsche war Mitglied des Landwirtschaftlichen Verein zu Jena, korrespondierendes Mitglied der Königlich preußischen Akademie gemeinnütziger Wissenschaften zu Erfurt[7] sowie Ehrenmitglied sowohl der Großherzoglich mineralogischen Gesellschaft zu Jena als auch der Königlich sächsischen ökonomischen Gesellschaft zu Leipzig.
Franzosenepisode
Nachhaltige – wenngleich zumeist unrühmliche – Bekanntheit erlangte er 1806 auch durch seine Rolle im Vorfeld der Schlacht bei Jena, in der Napoleons Franzosen während des vierten Koalitionskrieges Preußen und ein sächsisches Bündnis besiegten. Am Vorabend der Schlacht, dem 13. Oktober 1806, war ein französischer Heeresteil unter Marschall Jean Lannes in Wenigenjena einmarschiert, hatte dort ein Lager eingerichtet und einige Soldaten hatten Putsches Wohnhaus sowie die Schule geplündert und verwüstet.[5][3] Anschließend wurde der ortskundige Putsche unter Gewaltandrohung gezwungen, die Truppe durch die Nacht nach Closewitz zu führen. Der Weg führte von Wenigenjena nach Camsdorf, dann über die Camsdorfer Brücke, durch Jena und nach Norden aus dem Zwätzentor hinaus, vorbei am Jakobshospital, durch die Löbstedter Weinberge, vorbei am Wasserfall im Rautal und nach Rödigen. Dort erlebte Putsche erste kleinere Gefechte mit, ehe er schließlich zwischen Closewitz und Cospeda Zeuge des Schlachtbeginns wurde.[1]
Abgesehen von den Drohungen, behandelten die französischen Generäle Putsche anscheinend respektvoll. Sie dankten ihm bei seiner Entlassung explizit für seine Dienste, ließen einen Fourier seinen Namen notieren und sicherten ihm mehrfach die Erstattung der bei der Plünderung entstandenen Schäden zu. Im Rahmen des Erfurter Fürstenkongresses wurden ihm im Jahr 1808 tatsächlich 2000 Taler[1] beziehungsweise 8000 Franc[3] Entschädigung für die Plünderung und Verwüstung von Pfarrhaus und Schule zugesprochen. Insbesondere diese finanzielle Kompensation neideten ihm viele Zeitgenossen. Er sah sich wiederholt mit Kritik konfrontiert, unter anderem mit dem Vorwurf, ein Vaterlandsverräter zu sein. Als 1813 die Preußen Jena einnahmen, versuchten sie wiederholt, Putsche zu verhaften, ehe Generalleutnant Gebhard Leberecht von Blücher diese Bestrebungen unterband.[1]
Publikationen (Auswahl)
- Putsche: Oekonomisch-technologisches Handbuch oder land- und hauswirthschaftliches Orakel für Hausväter und Hausmütter zur vortheilhafteren Führung der Wirthschaft in der Stadt und auf dem Lande. Erste Abtheilung: Landwirthschaft. Verlag von Engelhard Schwickert, 1798, 344 Seiten (ohne namentliche Angabe des Autos; als Verfasser wird stattdessen ein „Landprediger im Saalgrunde“ genannt).
- Putsche: Oekonomisch-technologisches Handbuch oder land- und hauswirthschaftliches Orakel für Hausväter und Hausmütter zur vortheilhafteren Führung der Wirthschaft in der Stadt und auf dem Lande. Zweyte Abtheilung: Hauswirthschaft. Verlag von Engelhard Schwickert, 1800, 482 Seiten (ohne namentliche Angabe des Autos; als Verfasser wird stattdessen ein „Landprediger im Saalgrunde“ genannt).
- Putsche: Versuch einer Monographie der Kartoffeln oder ausführliche Beschreibung der Kartoffeln, nach ihrer Geschichte, Charakteristik, Cultur und Anwendung in Teutschland. Verlag des Groß-Herzoglich Sächsischen Privilegierten Landes-Industrie-Comptoirs, 1819, 158 Seiten.
- Putsche: Vollständige und deutliche Anweisung zum Hopfenbau. Verlag des Groß-Herzoglich Sächsischen Privilegierten Landes-Industrie-Comptoirs, 1824, 30 Seiten.
- Putsche: Neuester Katechismus der Bienenzucht, oder vollständiger auf vieljährige Erfahrung gegründeter Unterricht über die einzig sichere Methode, Bienen mit dem gedeihlichsten Erfolge zu warten, zu pflegen und zum höchsten Ertrage zu bringen. Ein Buch für alle Gegenden. Baumgärtners Buchhandlung, 1829, 122 Seiten.
- Putsche: Taubenkatechismus oder gründlicher und vollständiger Unterricht in der Taubenzucht. Baumgärtners Buchhandlung, 1830, 104 Seiten.
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i j k l m Conversations-Lexikon der Gegenwart. In vier Bänden. Vierten Bandes erste Abtheilung: P bis S. Verlag von F. A. Brockhaus, 1840, Seiten 428–431.
- ↑ a b Liste der Pfarrstellen und ihrer Besetzungen im Herzogtum Sachsen-Weimar-Eisenach. Abgerufen auf ahnen-forscher.com am 3. Oktober 2025.
- ↑ a b c Informationen zur Schillerkirche in Wenigenjena. Abgerufen auf kirchbauverein-jena.de (Website des Jenaer Kirchbauverein e. V.) am 3. Oktober 2025.
- ↑ „Bekanntmachungen“. In: Großherzoglich Sächsisch-Weimar-Eisenach’sches Regierungsblatt. № 15, 30. Juni 1829, Seite 94.
- ↑ a b c Theophil Gerber: Persönlichkeiten aus Land- und Forstwirtschaft, Gartenbau und Veterinärmedizin. Band 2: M–Z. NoRa-Verlag, 2004, ISBN 3-936735-67-0, Seite 581.
- ↑ a b Wolfgang Böhm: Biographisches Handbuch zur Geschichte des Pflanzenbaus. De Gruyter, 2014, ISBN 978-3-110-96710-4, Seite 247.
- ↑ Biographische Informationen zu Putsche. Abgerufen auf klossmuseum.hier-im-netz.de (Thüringer Kloßmuseum) am 3. Oktober 2025.