Carl Theodor Dörffel
Carl Theodor Dörffel (geb. 30. Dezember 1810 in Charlottenburg; gest. 17. April 1878 in Berlin) war ein deutscher Optiker und Feinmechaniker. Er nahm als einer der ersten Lichtbilder von Berlin auf. Dabei verwendete er eine von ihm selbst angefertigte Kamera.
Familie
Carl Theodor Dörffel wurde Ende Dezember 1810 in Charlottenburg als Sohn des Polizei-Sergeanten Christian Friedrich Dörffel und seiner Ehefrau Caroline Wilhelmine (geb. Kniesel) geboren.[1]
Der Hof-Optiker Paul Dörffel (1843–1897) war sein Sohn.
Wirken
Als einer der ersten nahm Carl Theodor Dörffel schon im Jahr 1839 Fotografien von Berlin auf. Dabei verwendete er eine von ihm selbst angefertigte Kamera.
Das von Louis Daguerre (1787–1851) entwickelte Daguerreotypie-Verfahren wurde der Öffentlichkeit am 19. August 1839 in Paris bekanntgemacht. Schon wenige Wochen später wurde die Daguerreotypie auch in Berlin praktiziert. Die Kamera, die Daguerre zur Aufnahme seiner Daguerreotypien benutzte, ließ er bei der Firma Giroux & Co. in Paris bauen. Der Berliner Lithograf, Verleger und Kunsthändler Louis Friedrich Sachse (1798–1877) traf mit Giroux & Co. schon im Juli 1839 eine Vereinbarung über die Einfuhr der ersten Daguerre'schen Kameras nach Deutschland. Er erhielt am 6. September 1839 aus Paris die ersten sechs Apparate geliefert.[2] Carl Theodor Dörffel verschaffte sich hingegen die zum Bau der Apparate erforderlichen Beschreibungen.[3] Während also Sachse als Erster von Daguerre autorisierte Originalkameras von Giroux & Co. aus Paris in Berlin einführte, gilt Dörffel als Konstrukteur der ersten im Deutschen Reich hergestellten Kamera.[4] Er stellte am 16. September 1839 eine Muster-Apparat in seinem Laden Unter den Linden 46 aus und nahm dort auch Bestellungen entgegen.[2]
Neben Dörffel baute seit 1839 in Berlin auch der aus der Schweiz stammende Optiker und Mechaniker Eduard Petitpierre (1789–1862) Kameras.[5]
Dörffel stellte Anfang September 1839 die ersten Daguerreotypien in Berlin her, die er in seinem Laden und in der Kunsthandlung von George Gropius (1802–1842) am 15. September 1839 zeigte, mit fünf Tagen Vorsprung vor Sachse.[3] Dörffels erste Aufnahmen bildeten das königliche Museum und das Zeughaus sowie „mehrere Statuen“ ab.[6] Sachse hatte „die den Linden zugelegene Seite der Jägerstraße, nebst einem der Gendarmenthürme“ als Motiv gewählt.[7] Von dem Optiker und Mechaniker Eduard Petitpierre wird berichtet, dass er noch 1839 seine ersten Aufnahmen vom Alten Museum, dem Zeughaus und dem Lustgarten anfertigte.[8]
Bei der Allgemeinen Gewerbeausstellung vom 15. August bis zum 24. Oktober 1844 im Zeughaus Unter den Linden wurden zum ersten Mal in Deutschland im Rahmen einer allgemeinen Ausstellung, also außerhalb der Schaukästen und Schaufenster von Daguerreotypisten, Daguerreotypien gezeigt. Unter den Ausstellern waren neben Theodor Dörffel, der – wie Philipp Graff – Daguerreotyp-Apparate präsentierte, auch Carl Gustav Oehme, Wilhelm Eduard Kannegießer und Richard Scholz, die Daguerreotypien zeigten.[9]
An der Adresse Unter den Linden 46 befanden sich ab 1844 Dörffels Geschäft, Fabrik und Werkstatt für „optische, mathematische und physikalische Instrumente“, ab 1850 auch in der Dorotheenstraße 18.[10] In Dörffels Werkstätten wurden zahlreiche Kameras hergestellt. Dörffel bemühte sich um die Verbesserung der Optik, vor allem der Linsen für das Kameraobjektiv.[3]
Carl Theodor Dörffel starb am 17. April 1878 im Alter von 67 Jahren.[11]
Nachfolge
Im Jahr 1876 übernahm Carl Theodor Dörffels Sohn, der Hof-Optiker Paul Dörffel (1843–1897), das Optikergeschäft.[10] Er gewann mit seinen Apparaten Medaillen auf Ausstellungen in Berlin 1883 und Chicago 1893; er selbst erhielt die Titel Kommerzienrat und Hoflieferant. 1878 gründete er zusammen mit Julius Faerber (1840–1917) die „Dörffel & Faerber Mechanische Werkstatt“, in der neben augenheilkundlichen Instrumenten auch andere ärztliche Apparate wie etwa Kehlkopfspiegel (Laryngoskope) hergestellt wurden.[10] Paul Dörffel stand von 1877 bis 1883 dem Fachverein Berliner Mechaniker und Optiker vor, der Vorgängerorganisation der 1881 gegründeten Deutschen Gesellschaft für Mechanik und Optik.[12]
Werke
- Beschreibung des Daguerréotyps nebst vollständiger Anweisung zum Daguerréotypieren und Anleitung zur Bereitung der hierzu erforderlichen Präparate. F. Reichardt, Berlin 1843, S. 38 (tib.eu).
Literatur
- Anna Ahrens: Der Pionier. Wie Louis Sachse in Berlin den Kunstmarkt erfand. Böhlau Verlag, Köln Weimar Wien, 2017, ISBN 978-3-412-50594-3.
- Björn Berghausen: Unternehmer mit Weitblick. Carl Theodor Dörffel entwickelte den ersten Berliner Fotoapparat und gründete ein Unternehmen, das mit optischen Geräten Erfolgsgeschichte schrieb. In: Berliner Wirtschaft Nr. 9, 2020, IHK Berlin, S. 45 (online).
- James E. Cornwall: Die Geschichte der Photographie in Berlin 1839 bis 1900. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins e. V., Nr. 1/1976, (online)
- Fritz Kempe, Kapitel: Daguerreotypie und Daguerreotypisten in Deutschland, S. 47, In: »In unnachahmlicher Treue«. Photographie im 19. Jahrhundert – ihre Geschichte in den deutschsprachigen Ländern. Museen der Stadt Köln. Eine Ausstellung der Josef-Haubrich-Kunsthalle Köln in Zusammenarbeit mit dem Foto-Historama Agfa-Gevaert Leverkusen vom 8. September bis 21. Oktober 1979.
- Ulrich Koch (Hrsg.): Berlin 1856–1896. Photographien von F. Albert Schwartz. Mit Bilderläuterungen von Hans-Werner Klünner und einer Einführung von Laurenz Demps. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1991, ISBN 3-87584-343-6, S. 5.
- Horst Mauter, Hela Zettler (Hrsg.): Berlin in frühen Photographien. Raritäten aus den Anfängen der Photographie. Argon, Berlin 1994, ISBN 3-87024-286-8.
- Wilhelm Dost (unter Mitarbeit von Erich Stenger): Die Daguerreotypie in Berlin 1839–1860, Bredow-Verlag, Berlin 1922, S. 62 (Digitalisat).
Einzelnachweise
- ↑ Taufregister der Luisenkirche Charlottenburg, Eintrag Nr. 14 vom 18. Januar 1811; eingesehen auf ancestry.de am 21. September 2025.
- ↑ a b James E. Cornwall, Die Geschichte der Photographie in Berlin 1839 bis 1900. In: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins e.V., Nr. 1/1976, (online)
- ↑ a b c Wilhelm Dost: Die Daguerreotypie in Berlin 1839–1860. Bredow, Berlin 1922, Theodor Dörffel, S. 62 (slub-dresden.de).
- ↑ James E. Cornwall: Die Geschichte der Photographie in Berlin 1839 bis 1900, in: Mitteilungen des Vereins für die Geschichte Berlins e. V., Nr. 1/1976 (online): „Während Sachse der erste war, der in Berlin die ersten Originalkameras aus Paris einführte, kann der Berliner Optiker Carl Theodor Dörffel (1810-1878) das Verdienst für sich in Anspruch nehmen, als erster deutsche Apparate gefertigt zu haben.“
- ↑ Horst Mauter, Hela Zettler, Märkisches Museum (Hrsg.): Berlin in frühen Photographien. Raritäten aus den Anfängen der Photographie. Argon, Berlin 1994, ISBN 3-87024-286-8, Ein Gewerbe entsteht – Der Höhepunkt der Daguerreotypie, S. 11.
- ↑ Anna Ahrens: Der Pionier. Wie Louis Sachse in Berlin den Kunstmarkt erfand. Böhlau, Köln Weimar Wien 2017, ISBN 978-3-412-50594-3, S. 233.
- ↑ Anna Ahrens: Der Pionier. Wie Louis Sachse in Berlin den Kunstmarkt erfand. Böhlau, Köln Weimar Wien 2017, ISBN 978-3-412-50594-3, S. 234.
- ↑ Ulrich Koch (Hrsg.): Berlin 1856–1896. Photographien von F. Albert Schwartz. Mit Bilderläuterungen von Hans-Werner Klünner und einer Einführung von Laurenz Demps. Nicolaische Verlagsbuchhandlung, Berlin 1991, ISBN 3-87584-343-6, S. 5.
- ↑ II. Optische Instrumente. c. Daguerreotype. In: 2.1. Berg- und Hütten-Produkte, grobe Metall-Arbeiten, Metall-Fabrikate und kurze Waaren, Instrumente, Uhren und Chronometer, Maschinen und Ackergeräthe, Gegenstände des Eisenbahn- und Schiffsbauwesens enthaltend. S. 422–423, (Digitalisat)
- ↑ a b c Björn Berghausen/BBWA: Unternehmer mit Weitblick. Carl Theodor Dörffel entwickelte den ersten Berliner Fotoapparat und gründete ein Unternehmen, das mit optischen Geräten Erfolgsgeschichte schrieb. In: Berliner Wirtschaft Nr. 9, 2020, IHK Berlin, S. 45 (online).
- ↑ Standesamt Berlin Iv a, Sterberegister-Eintrag Nr. 454/1878 vom 18. April 1878; eingesehen auf ancestry.de am 21. September 2025.
- ↑ Christie’s, Lot 6116404, „[EINSTEIN, Albert (1879-1955).] Albert Einstein’s telescope. Manufactured by the Paul Dörffel company, Berlin, late 19th century.“ (online).