Carl Meyer (Architekt, 1871)
Carl Meyer (* 7. April 1871 in Hildesheim; † 29. Dezember 1954 ebenda) war ein deutscher Architekt und Baubeamter. Er war ein Verfechter der norddeutschen Heimatschutzarchitektur. Mehrere seiner öffentlichen Bauten stehen heute unter Denkmalschutz.
Leben
Carl Meyer entstammte einer bekannten Hildesheimer Kaufmannsfamilie (Meyer-Auswahl). Von 1890 bis 1895 studierte er Architektur an den Technischen Hochschulen München und Charlottenburg, vor allem bei Carl Schäfer, Johann Eduard Jacobsthal und Otto Schmalz.[1]
Vom 12. September 1903 bis Ende Juni 1907 war er als Bauinspektor in der Bauverwaltung der Freien und Hansestadt Lübeck unter Johannes Baltzer tätig. Baltzer überließ ihm die Planung etlicher öffentlicher Gebäude.[2]
Zum 1. Juli 1907 wechselte Meyer als Magistratsbaurat in den Dienst der Stadt Kiel, wo er bis zum Ruhestand blieb. Mit dem Bau der Doppel-Mittelschule am Brook in Gaarden schuf er 1908/09 eine „bemerkenswerte architektonische und städtebauliche Lösung für die Einrichtung einer Mittelschule im Arbeiterstadtteil Gaarden in landschaftlich bevorzugter Lage“.[3] Der Komplex wurde im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigt und vereinfacht wieder aufgebaut.
Im Herbst 1908 gründete Meyer mit Paul von Hedemann-Heespen, Ludwig Ahlmann und anderen den Schleswig-Holsteinischen Landesverein für Heimatschutz.[4] Meyer wurde der erste Schriftführer des Vereins, der sich für einen regionalen Baustil im Sinne der Heimatschutzarchitektur einsetzte. Er leitete auch die Bauberatungsstelle des Vereins. 1909 veröffentlichte er im Auftrag des Vereins einen reich bebilderten Baukatechismus für ländliche Bauten, der bis 1915 drei Auflagen erlebte. Das Buch gab bis ins Detail Anregungen unter der Devise: Bauherren und Baumeister in Schleswig-Holstein haltet fest an der alten Bauweise. 1914 gab er dazu noch 100 Musterentwürfe verschiedener Architekten heraus.
In den 1920er Jahren unterrichtete Meyer als Oberbaurat Grafik an der Städtischen Handwerker- und Kunstgewerbeschule, der heutigen Muthesius Kunsthochschule in Kiel.[5]
Im Ruhestand kehrte er in seine Heimatstadt Hildesheim zurück. Hier entstand eine Reihe von Aquarellen, mit denen er eindrucksvoll die Kriegszerstörungen der Stadt dokumentierte. Diese Trümmerbilder wurden erst 1995 veröffentlicht.
Werke
Bauten
- Johanneum zu Lübeck und Hauptfeuerwache (Lübeck) (Mitarbeit, 1906)
- Offizierskasino (Lübeck) (1906)
- Iltisschule in Kiel-Gaarden (1908), im Zweiten Weltkrieg teilzerstört
- Offizierswohnhaus Hansastraße 103, Kiel (1926)
Schriften
- Johanneum zu Lübeck. Beschreibung der Schulgebäude. In: Schulprogramm des Johanneums 1907, S. 3–25
- Das Bauen auf dem platten Lande und in den kleinen Städten Schleswig-Holsteins. Baukatechismus mit Bildern. 1909
- 3. Auflage Lübeck: Coleman 1915 (Digitalisat)
- (Hrsg.): Ländliche Bauten in Schleswig-Holstein. 100 Musterentwürfe. Lübeck: Coleman 1914 (Digitalisat)
- Trümmerbilder: 22 Aquarelle von Carl Meyer kommentiert mit persönlichen Eindrücken aus der Hildesheimer Bevölkerung. zusammengestellt und eingeleitet von Helga Stein, Hildesheim: Gerstenberg 1995, ISBN 978-3-8067-8571-5
Literatur
- Hans Günther Andresen: Bauen in Backstein: Schleswig-Holsteinische Heimatschutz-Architektur zwischen Tradition und Reform: zur Ausstellung der Schleswig-Holsteinischen Landesbibliothek 2.Juli-27.August 1989.
- Joachim Heisel: Tradition und Modernität: Reformarchitektur in Lübeck. Darmstadt: wbg 2021, ISBN 978-3-534-40593-0, bes. S. 33ff
Weblinks
- Meyer, Carl in der Datenbank Niedersächsische Personen
Einzelnachweise
- ↑ Bauen in Backstein, S. 203
- ↑ Von Lübecks Türmen 1907, S. 182–183
- ↑ Datenblatt in der Denkmal-Datenbank Schleswig-Holstein, abgerufen am 25. September 2025
- ↑ Schleswig-Holsteinischer Landesverein für Heimatschutz im Kiel-Wiki, abgerufen am 23. September 2025
- ↑ Handbuch des Kunstmarktes 1926, S. 412