Carl Maier & Cie
| Carl Maier & Cie (CMC)
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|---|---|
| Rechtsform | Aktiengesellschaft |
| Gründung | 1. November 1909 |
| Sitz | Schaffhausen, Schweiz |
| Branche | Technologiekonzern |
| Website | www.new.abb.com |
| Stand: 31. Dezember 2025 | |
Die Carl Maier & Cie (Abkürzung CMC), oder auch Carl Maier, Fabrik elektrischer Apparate,[1] ist ein Schweizer Unternehmen mit Sitz in Schaffhausen,[2] das elektrische Schaltanlagen und Sicherungssysteme für den Niederspannungsbereich produziert.
Nach der Übernahme durch den Technologiekonzern ABB 1992 wurde der Geschäftsbetrieb zunächst als ABB CMC Carl Maier AG fortgeführt.[3]
2001 ging die CMC schliesslich vollständig auf ABB über und ist heute einer von acht Produktions- und Engineering-Standorten in der Schweiz.
Der Standort ist spezialisiert auf die Entwicklung und Herstellung von Niederspannungsprodukten zum Schutz von Personen, Leitungen und Geräten.
Mit seinem Critical Power Portfolio gehört ABB Schaffhausen zur Division Smart Buildings innerhalb des Geschäftsbereichs Elektrifizierung.[4]
Geschichte
Am 1. November 1909 gründete der damals 32-jährige Carl Maier in Schaffhausen seine „Fabrik elektrischer Apparate“. 1923 erfolgte anlässlich einer Kapitalbeteiligung des Ingenieurs Ernst Hauser die Umfirmierung in Carl Maier & Cie (kurz CMC).
Das Fabrikationsprogramm umfasste von Anfang an eine breite Palette von elektrischen Schalt- und Schutzapparaten im Hoch- und Niederspannungsbereich.
In den ersten Prospekten von 1910 wurden verschiedene Ölschalter für Spannungen bis 15 000 Volt und Ströme bis 500 Ampere sowie Motorschaltkästen angeboten.
Schon im November 1910 konnte das neue Fabrikgebäude im Schaffhauser Industriegebiet Ebnat bezogen und die Produktion in grösserem Stile aufgenommen werden.[5]
Die CMC war über Jahrzehnte an zahlreichen Projekten zur Elektrifizierung der Schweizerischen Bundesbahnen beteiligt:
- um 1915: Kraftwerk Eglisau, Kommandosaal,[6]
- um 1916: Kraftwerk Massaboden, gesamte Schaltanlagen
- um 1920: Kraftwerk Ritom, grössere Schaltanlagen[7]
- um 1922: Kraftwerk Amsteg, grössere Schaltanlagen
Die CMC lieferte auch Schaltanlagen für den Kommandoraum und den Maschinensaal beim Neubau des Elektrizitätswerk Schaffhausen.[8][9]
Seit 1962 entwickelt und produziert CMC elektromagnetische Relais, sogenannte Magnetauslöser, die bei Unregelmässigkeiten im Stromfluss den Stromkreis unterbrechen.
1980 führte CMC mit dem S500 den ersten Hochleistungs-Leitungsschutzschalter zum Schutz vor Überstrom in den Markt ein und hob damit die Sicherheit in elektrischen Installationen auf ein neues Niveau.[10]
1988 stellte CMC das Stecksockelsystem SMISSLINE vor, bei dem Geräte und Komponenten erstmals ohne zusätzliche Schutzausrüstung unter Spannung aufgesteckt und entnommen werden konnten.[11]
1992 erfolgte die Integration der damaligen CMC in die ABB Schweiz AG. 1997 wurde die ebenfalls von ABB übernommene MDRC-Produktion von Busch-Jaeger in die CMC integriert. 2004 wurde der Schalter- und Steckdosenhersteller Levy Fils übernommen.[12]
LOGA-Rechenscheibe
Neben der Herstellung und dem Vertrieb elektrotechnischer Produkte fertigte das Unternehmen um 1960 die LOGA-Rechenscheibe (auch Schieber für Motoren) für Dreiphasen-Asynchron-Motoren.
Die Rechenscheibe aus Aluminium verfügt auf der Vorderseite über verschiebbare Fenster, über welche die Leistung bei gegebener Drehzahl eingestellt wird. An einer Doppelskala im oberen Bereich können der Nennstrom bei gegebener Spannung sowie die Scheinleistung abgelesen werden. Auf der Rückseite befinden sich Tabellen für Motorschutzschalter. Die Beschriftung ist in Deutsch und Französisch gehalten.[13]
Innovation und Nachwirkung
Carl Maier & Cie ist seit über einem Jahrhundert führend beim Schutz der Energieversorgung von kritischer Infrastruktur. CMC Schaffhausen entwickelte Technologien, die bis heute in ABB-Produkten zum Einsatz kommen:
- 1980: S500-Leistungsschutzschalter
Grundlage für die heutige S800-Serie von ABB, gefertigt in Schaffhausen (0,5–125 A; bis 50 kA Kurzschlussfestigkeit).[14]
- 1988: SMISSLINE-Stecksystem
Weltweit erstes Stecksockelsystem mit Spannungsaufnahme während des Einsteckens. Weiterentwickelt als SMISSLINE TP und produziert in Schaffhausen.[15]
- 1998: MA7-Magnetauslöser
Siebte Generation der Magnetauslöser-Technologie. Weltweit führend bei minimaler Auslöseenergie und zentrales Bauteil aller Fehlerstromschutzschalter von ABB.[16]
Auszeichnungen (Auswahl)
Die CMC Carl Maier + Cie. AG wurde 1988 für das Schutz-und-Schaltgeräte-System SMISSLINE[17] und 1992 für den Sicherheits-Zwischenstecker SIDOS[18] mit dem iF product design award ausgezeichnet.
2010 wurde die ABB Schweiz AG (CMC) für ihre innovative ferngesteuerte Schalteinheit S800-RSU mit dem renommierten Intersolar AWARD im Bereich Photovoltaik ausgezeichnet.[19]
Bekannte Mitarbeiter (Auswahl)
- Meta Antenen (* 1949), Sportlerin und Technische Zeichnerin[20] bei CMC
Literatur
- Markus Schärrer: Carl Maier. In: Schaffhauser Beiträge zur Geschichte. Biographien Band V. 68. Jg. 1991, S. 114–128 (PDF)
- Paul Maier: Lebenschronik Carl Maier, 1989/90 (PDF)
- H. W. Schuler: Über die Streckenschaltsysteme in den Fahrleitungen der SBB in: Elektrische Bahnen, Dezember 1925, S. 430 ff.
- Jakob Schwyn, Edwin Biedermann: 50 Jahre Bau elektrischer Apparate. Schaffhausen 1959, 161 S.
- Max Strauss: Zum Abschluss der Elektrifikation der SBB. Bern 1960
- Erwin Waldvogel: 50 Jahre Industrie-Vereinigung Schaffhausen. Schaffhausen 1970
Weblinks
- Matthias Wipf: "Maier, Carl", in: Historisches Lexikon der Schweiz (HLS)
- Stadtarchiv Schaffhausen: ABB, Carl Maier & Cie, CMC
- Innovation made in Switzerland: 30 Jahre SMISSLINE
- #Pioniercast Wipf & Blunschi: Carl Maier, Gründer der CMC (heute Teil der ABB Schweiz)
- ABB Schweiz AG, Schaffhausen – ELSB (Electrification - Smart Buildings)
Einzelnachweise
- ↑ Matthias Wipf: Maier, Carl. Historisches Lexikon der Schweiz (HLS), 14. August 2008, abgerufen am 29. Dezember 2024.
- ↑ ETH Zürich - ETH-Bibliothek - E-PICS - ETHBIB.Bildarchiv - Com_F63-01192. Abgerufen am 14. August 2024.
- ↑ Zentraler Firmenindex der Schweiz. ZEFIX, abgerufen am 12. August 2024.
- ↑ ABB Schweiz AG, Schaffhausen. Abgerufen am 29. Dezember 2024.
- ↑ Paul Maier: Firma Carl Maier & Cie (CMC) auf dem Ebnat, Schaffhausen, Schweiz. In: Lebenschronik Carl Maier. Abgerufen am 22. Februar 2025.
- ↑ Kommandosaal, Kraftwerk Eglisau
- ↑ Beschaffung Schaltanlage 15 kV durch Carl Maier, abgerufen am 15. September 2012
- ↑ Elektrizitätswerk Schaffhausen, Teilansicht des Kommandoraumes (Stadtarchiv Schaffhausen)
- ↑ Elektrizitätswerk Schaffhausen, Teilansicht des Maschinensaals (Stadtarchiv Schaffhausen)
- ↑ ABB Schweiz AG: Electrification – Smart Buildings auf Google. Abgerufen am 23. Dezember 2024.
- ↑ Wolfgang Schreiber: CMC zeigt «smissline» dem Weltmarkt. Schaffhauser Nachrichten, 21. April 1988, abgerufen am 25. November 2024.
- ↑ Hans-Caspar Ryser: Hoher Schutz bei niedriger Spannung. Schaffhauser Nachrichten, 7. April 2007, abgerufen am 15. Februar 2025.
- ↑ LOGA Rechenscheibe für Motoren, abgerufen am 6. September 2012
- ↑ ABB Produktseite S800
- ↑ ABB Produktseite SMISSLINE TP
- ↑ Hans Wicki: Magnetauslöser, der der Insel entspringt. Schaffhauser Nachrichten, 16. März 2000, abgerufen am 16. Februar 2025.
- ↑ iF Design - El. Schutz- u. Schaltgeräte-System "smissline". Abgerufen am 14. August 2024.
- ↑ iF Design - SIDOS Sicherheits-Zwischenstecker. Abgerufen am 14. August 2024.
- ↑ Ferngesteuerte Schalteinheit S800-RSU gewinnt den Intersolar AWARD 2010. Abgerufen am 13. August 2024.
- ↑ Technische Zeichnerin bei CMC, abgerufen am 6. September 2012