Carl Künzig
Carl Künzig (* 3. Oktober 1867 in Durbach; † 19. Juli 1944 in Lausanne) war ein deutscher Jurist.
Herkunft und Ausbildung
Carl Eugen Künzig kam 1867 als zweiter Sohn des Hauptlehrers Eduard Künzig und seiner Ehefrau Carolina Josepha im südbadischen Durbach zur Welt, wo sein Vater an der örtlichen Volksschule unterrichtete. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Tauberbischofsheim, Heidelberg und zuletzt Mannheim legte er 1885 seine Reifeprüfung ab und studierte von 1885 bis 1890 Volkswirtschaft und Rechtswissenschaft an der Eberhard-Karls-Universität Tübingen und an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg. 1886 wurde er Mitglied des schlagenden Corps Franconia Tübingen. 1890 legte Carl Künzig in Heidelberg die 1. juristische Staatsprüfung ab und durchlief anschließend ein Referendariat im badischen Staatsdienst, das er 1894 mit der 2. juristischen Staatsprüfung abschloss. Während seiner Ausbildung hinterließ er einen überragenden Eindruck bei seinen Vorgesetzten, darunter beim badischen Ministerialrat und Landeskommissär Eduard Engelhorn.
Leben und Tätigkeit im Kaiserreich
1894 heiratete Carl Künzig die Mannheimer Kaufmannstochter Elisabeth Schreiber (1874–1939). Der Ehe entsprangen der Sohn Eduard (1895–1921) und die Töchter Erika (1898–1966) und Gertrud (1903–1982). In der Zeit von 1894 bis 1897 wirkte Carl Künzig als Notar in Villingen. Danach trat er als Rechtsreferent in die Dienste der Fürstlich Fürstenbergischen Verwaltung in Donaueschingen. Für seine erfolgreiche Tätigkeit wurde er mehrfach von seiner Arbeitgeberin ausgezeichnet. Zwischen 1906 und 1911 trug Künzig als Generalbevollmächtigter des Fürsten Max Egon II. zu Fürstenberg die Hauptverantwortung für die Abwicklung der fürstlichen Geschäfte innerhalb der in Berlin ansässigen Handelsvereinigung, einer gemeinsam mit dem Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen unterhaltenen Firmenholding, die in der Öffentlichkeit als Fürstentrust bezeichnet wurde. In dieser Funktion übte Künzig zahlreiche Vorstands- und Aufsichtsratsämter in großen Unternehmen aus, darunter in der Allgemeinen Berliner Omnibus AG, der Berliner Terrain- und Bau AG und – als Aufsichtsratsvorsitzender – der Boswau & Knauer AG in Berlin. Künzigs hoher gesellschaftlicher Status wird dokumentiert von dessen Mitgliedschaft im elitären Deutschen Herrenklub in Berlin.
Infolge der Berliner Immobilienkrise und unternehmerischer Fehlentscheidungen entwickelte sich der „Fürstentrust“ ab 1912 zu einem der größten Finanzskandale zur Zeit des Deutschen Kaiserreichs. Obwohl Künzig bereits 1911 seine Tätigkeit in der Holding eingestellt und ein neues Amt als Fürstlich Fürstenbergischer Kammerpräsident in Donaueschingen angetreten hatte, geriet er in die Auseinandersetzungen zwischen seinem Dienstherrn und dessen Compagnon, dem Fürsten Christian Kraft zu Hohenlohe-Oehringen. Da der Vorwurf strafbaren Verhaltens im Raum stand und Kaiser Wilhelm II. befürchten musste, in den Finanzskandal hineingezogen zu werden, sorgte der Chef des kaiserlichen Zivilkabinetts, Rudolf von Valentini, für die Abberufung Künzigs vom Amt des Donaueschinger Kammerpräsidenten. Im Ersten Weltkrieg diente Künzig als Offizier in der preußischen Armee an der Ostfront. Für seine Tapferkeit zeichnete ihn Großherzog Friedrich II. von Baden mit dem Ritterkreuz I. Klasse mit Eichenlaub u. Schwertern des Ordens vom Zähringer Löwen aus.
Leben und Tätigkeit nach dem Ende des Kaiserreichs
Nach seiner Demission als Leiter der fürstenbergischen Verwaltung im Jahre 1915 diente Carl Künzig seinem Herrn Max Egon II. als Vermögensberater im Rang eines Kammerpräsidenten z[zur] b[esonderen] V[erwendung]. In dieser Funktion sanierte er die fürstlichen Finanzen und führte Boswau & Knauer zu großen wirtschaftlichen Erfolgen. Daneben übte Künzig den Vorsitz des Aufsichtsrats der Aktiengemeinschaft für Seilindustrie vormals Ferdinand Wolff in Mannheim aus. Zudem war er Mitglied des Aufsichtsrates der Commerz- und Primat Bank AG, der Mitteldeutschen Creditbank, der Fürstlich Fürstenbergischen Brauerei AG in Donaueschingen und der Silvana Holzindustrie AG in Hüfingen. In Heidelberg bewohnte der mittlerweile sehr wohlhabend gewordene Jurist in den 1920er und 1930er Jahren eine repräsentative Villa am Neckar, die zuvor dem preußischen Hofarchitekten Ernst von Ihne gehört hatte. Nach dem Verkauf des Bauunternehmens Boswau & Knauer durch Max Egon II. schied Künzig 1937 aus den fürstlichen Diensten aus und verlegte seinen Wohnsitz in die Schweiz. Nach dem Tod seiner ersten Ehefrau Elisabeth ging er 1940 die Ehe mit der deutschen Staatsbürgerin Erna Hildegard Risch, geb. Schütze ein. 1944 starb er 77-jährig in Lausanne.
Literatur
- Wolf-Ingo Seidelmann: Carl Eugen Künzig – F.F. Kammerpräsident, Vermögensberater und Freund des Fürsten Max Egon II. In: Schriften des Vereins für Geschichte und Naturgeschichte der Baar, Donaueschingen 2024, ISSN 0340-4765, S. 31–48.
- Wolf-Ingo Seidelmann: Der Fürstentrust, in: Heinrich Fürst zu Fürstenberg (Hrsg.): Max Egon II. zu Fürstenberg – Fürst, Soldat, Mäzen. Jan Thorbecke, Ostfildern 2019, ISBN 978-3-7995-1369-2, S. 350–377.
- Georg Wenzel: Deutscher Wirtschaftsführer, 1929, S. 1275.