Carl Friedrich Heman
Carl Friedrich Heman (* 30. August 1839 in Grünstadt; † 3. April 1919 in Basel) war ein deutscher evangelischer Theologe und Professor für Philosophie an der Universität Basel. Er verfasste eine große Zahl von Büchern und Schriften, hauptsächlich zu philosophisch-theologischen Themen und teilweise zur Geschichte des Judentums.
Leben und Wirken
Jugend und berufliche Anfänge
Er wurde geboren als Sohn des 1833 vom Judentum zum evangelischen Christentum konvertierten Lehrers Heinrich Wilhelm David Heman (1793–1873).[1] Dieser stammte aus Kindenheim und hatte durch die Konversion seine Stelle als Lehrer an der jüdischen Schule in Grünstadt verloren. Deshalb stellte ihn der mit ihm befreundete Schulleiter Heinrich Dittmar als Mathematiklehrer an der Grünstadter Lateinschule ein, von wo er 1844 nach Basel übersiedelte und die Leitung des vom evangelischen „Verein der Freunde Israels“ betriebenen „Proselytenhauses“ übernahm.
Zum Zeitpunkt seiner Geburt wirkte der Vater in Grünstadt als Mathematiklehrer. 1844 verzog die Familie nach Basel. Er besuchte dort die Schule und wechselte 1857 auf das Gymnasium Zweibrücken, wo er die letzte Klasse und das Abitur absolvierte. 1858 kehrte Heman nach Basel zurück und begann Philosophie zu studieren. Ab 1860 besuchte er die Universität Erlangen und widmete sich der evangelischen Theologie. Dieses Studium setzte er ab 1861 in Tübingen und nach einer kurzen Unterbrechung durch den Militärdienst ab 1863 in Basel fort. Während seines Studiums wurde er Mitglied des Erlanger und des Tübinger Wingolf sowie des Schwizerhüsli Basel im Falkensteinerbund.[2] 1864 legte er das theologische Examen bei der Protestantischen Landeskirche der Pfalz in Speyer ab und wurde an der Universität Tübingen im Fach Philosophie promoviert.
Spätere Jahre
Von 1864 bis 1871 wirkte Carl Friedrich Heman als Pfarrvikar in Germersheim. Dort heiratete er 1870 Sophie Blaul (1843–1930), die Tochter des verstorbenen Stadtpfarrers und Heimatdichters Georg Friedrich Blaul, mit der er sieben Kinder hatte. Ab 1871 amtierte Heman als evangelischer Pfarrer in Konken. 1874 folgte er seinem im Vorjahr verstorbenen Vater im Amt als Leiter des Baseler Proselytenhauses der „Freunde Israels“ nach.
1883 habilitierte er sich an der Universität Basel in Theologie und wurde 1888 zum außerordentlichen Professor ernannt, jedoch an der Philosophischen Fakultät für die Fächer Philosophie und Pädagogik. Dieser Fachwechsel hatte offenbar mit den ihm öfter vorgeworfenen „katholisierenden Tendenzen“ zu tun, die u. a. in der Hochschätzung der scholastischen Philosophie und Theologie bestanden.
1916 trat er von seinen Universitätsämtern zurück[3] und starb 1919 in Basel. Carl Friedrich Heman war mit dem Mathematiker Georg Cantor befreundet und persönlich bekannt mit Theodor Herzl, dessen 1. Zionistischen Weltkongress in Basel er 1897 mit organisierte, da auch er die Schaffung eines eigenen jüdischen Staates als notwendig ansah.[4]
Online abrufbare Werke Hemans
- Onlineansicht des Werkes: Eduard von Hartmann's Religion der Zukunft in ihrer Selbstzersetzung, 1875
- Onlineansicht des Werkes: Die historische Weltstellung der Juden und die moderne Judenfrage, 1881
- Onlineansicht des Werkes: Die religiöse Weltstellung des jüdischen Volkes, 1882
- Onlineansicht des Werkes: Geschichte der neueren Pädagogik, Neuauflage von 1921
Literatur
- Christian Tapp: Biografie in: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon, Band XXIX, 2008, Spalten 609–612; Onlineansicht
- Christian Tapp: Kardinalität und Kardinäle: wissenschaftshistorische Aufarbeitung der Korrespondenz zwischen Georg Cantor und katholischen Theologen seiner Zeit, Franz Steiner Verlag, 2005, S. 375, ISBN 3-515-08620-X; (Digitalscan)
- Rudolf Eisler: Philosophen-Lexikon, Berlin, 1912, S. 250, (Onlineansicht)
Weblinks
- Literatur von und über Carl Friedrich Heman im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Indexeintrag Deutsche Biographie
- Friedrich Heman in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank
- Eintrag im Portal Kalliope
Einzelnachweise
- ↑ David Heman in der Rheinland-Pfälzischen Personendatenbank
- ↑ Gesamtverzeichnis des Wingolf 1991
- ↑ Webseite der Universität Basel ( vom 21. September 2017 im Internet Archive). Abgerufen am 5. April 2024.
- ↑ Hanna Rucks: Messianische Juden: Geschichte und Theologie der Bewegung in Israel, Verlag Vandenhoeck & Ruprecht, 2014, ISBN 3-7887-2880-9, S. 77; (Digitalscan)