Carl August Bembé
Carl August Clemens Wilhelm Bembé (* 8. April 1900 in Mainz; † 4. Januar 1955 in München-Oberföhring) war ein deutsch-amerikanischer Architekt und Designer.
Leben
Carl August Bembé entstammte der Mainzer Fabrikantenfamilie Bembé. Seine Vorfahren waren seit mehreren Generationen als Parkett- und Möbelfabrikanten in Mainz ansässig, und er war ein direkter Nachfahre des Firmengründers (Philipp) Anton Bembé (1799–1861). Seine Eltern waren Carl Ferdinand Bembé und dessen Ehefrau Friederike, geb. Lauteren.[1]
Er war Schüler des Landerziehungsheims Schondorf[2] und begann nach der Teilnahme am Ersten Weltkrieg mit dem Studium der Architektur an der TH München. Anschließend lehrte er zeitweilig als Assistent von Paul Bonatz an der TH Stuttgart. Von 1923 an war er als freier Architekt in München tätig. Dort war in den 1930er Jahren zeitweilig Ferdinand Streb sein Mitarbeiter.
1938 reiste Bembé in die USA zu Walter Gropius. Im Zweiten Weltkrieg wurde er 1939 zur Wehrmacht eingezogen. Seine Familie zog ins Ferienhaus nach Herrsching am Ammersee, um der Bombardierung zu entkommen. Nach Kriegsende fand Bembé 1945 wieder Kontakt zu Paul Bonatz, Lois Welzenbacher und Walter Gropius. Letzterer unterstützte seine Bewerbung um eine Professur am Rensselaer Polytechnic Institute in Troy (New York), wo Bembé ab 1948 als Professor unterrichtete. 1951 erhielt Bembé auf seinen Antrag hin die US-amerikanische Staatsbürgerschaft.[3]
Mitte der 1950er Jahre lebte er mit seiner Frau und den vier gemeinsamen Kindern (3 Töchter, 1 Sohn) wieder in Deutschland und wohnte in München-Schwabing in der Biedersteiner Straße 49.
Carl August Bembé starb am 4. Januar 1955 im Alter von 54 Jahren im Städtischen Krankenhaus München-Oberföhring an einer Herzerkrankung und wurde am 7. Januar 1955 auf dem Friedhof in Dießen am Ammersee beigesetzt.[3]
Werk
Bembé entwarf über 200 Privathäuser, aber auch Tankstellen und Rasthäuser sowie Yachten für das Unternehmen Maybach-Motorenbau und Inneneinrichtungen für Fahrzeuge der Marken Opel und Adler. Zudem entwickelte er Holzrahmen-Konstruktionen für Garten- und Sommerhäuser.
Unter Denkmalschutz steht das Wohnhaus in Riederau, Curry Park 1, sein eigenes Ferienhaus, das er in Formen des Neuen Bauens 1928 errichtete und 1935 erweiterte. Es gilt als „der erste Flachdachbau Bayerns“ und kann damit als ein Meilenstein der Moderne angesehen werden. Bembé fügte sein Haus durch die traditionelle Holzkonstruktion, die dunkle Holzverkleidung und andere Ausstattungselemente in das Umfeld ein.[4] 2013 wurde es von Felix Bembé erweitert.
Am 1. Mai 1936 wurde die erste Reichsautobahn-Tankstelle an der Anschlussstelle Darmstadt eröffnet, die der von Bembé entworfenen Muster-Tankstelle in Nierentischform entsprach und damit ein Vorläufer der Bauart der Reichsautobahn-Tankstelle Fürstenwalde war.[5]
Sein Schwager Manfred Curry, der Bruder seiner Ehefrau Marion, ließ nach Plänen von Bembé bei der Bootswerft Josef Steinlechner das Hausboot Tiger mit Wasser- und Telefonanschluss bauen und ankerte damit vor dem Riederauer „Currys Inn“.[6]
Schriften
- Lage und Gestaltung von Tankstellen. In: Deutsche Bauzeitung, 73. Jahrgang 1939, Nr. 10, S. 224–229.
- Von der Linie zum Raum. Gedanken zur heutigen Architektur. 1. Auflage, Verlag Callwey, München 1953 / 2. Auflage, ebenda 1958.
Einzelnachweise
- ↑ Standesamt Mainz, Geburtsregister-Eintrag Nr. 688 vom 9. April 1900; eingesehen auf ancestry.de am 27. Dezember 2025.
- ↑ Nachruf in: Das Münster. Zeitschrift für christliche Kunst und Kunstwissenschaft. 8 (1955), S. 131.
- ↑ a b Report on the Death of an American Citizen, Meldungen vom Tod amerikanischer Staatsbürger im Ausland, Dokument vom 25. Februar 1955 für Carl August Bembé; eingesehen auf ancestry.de am 27. Dezember 2025.
- ↑ Hendrik Leonhardt: Der erste Flachdachbau Bayerns – Carl August Bembés Ferienhaus in Dießen a. Ammersee. In: Bayerisches Landesamt für Denkmalpflege (Hrsg.): Denkmalpflege-Informationen. Nr. 148, März 2011, S. 37–40 (online [PDF; 5,7 MB]).
- ↑ Straßengeschichte, Muster-Tankstelle ( vom 29. November 2014 im Internet Archive)
- ↑ 2009 Ammersee Yacht-Club „Manfred Curry“. In: florian-raff.de. Abgerufen am 8. März 2025 (historisches Foto des Hausboots Tiger).