Carl-Dieter von Reichmeister
Odal Ludwig Dominik Daglef Carl-Dietrich von Reichmeister, auch Karl-Dieter von Reichmeister, teils auch Carl von Reichmeister, (* 22. Dezember 1910 in Dessau;[1] † 23. September 2001 in Neubiberg bei München) war von November 1939 bis März 1943 deutscher Reichsfilmdramaturg.[2]
Leben
Carl-Dietrich von Reichmeister war der einzige Sohn des Kurt von Reichmeister und der Marga von Lautz aus Aschersleben, die Eltern hatten 1901 in Braunschweig geheiratet, die Schwester Anna Sophie wurde 1906 geboren. Der Vater war Major und einst Flügeladjutant, Ehrenritter des Johanniterordens und Mitglied der Deutschen Adelsgenossenschaft (D.A.G.). Der Großvater Karl von Reichmeister war ebenfalls Major und Johanniter, des Weiteren besaß dieser mit Heiningen ein Rittergut im Kreis Goslar.
Er besuchte von 1922 bis 1925 die Lateinische Schule in Halle (Saale). Reichmeister trat zum 1. Juli 1928 der NSDAP bei (Mitgliedsnummer 92.860)[3] Wesentlich später, etwa vor März 1935, schloss er sich auch der SS an (SS-Nummer 103.829), bei der er im April 1935 zum SS-Untersturmführer (Leutnant) und im November 1936 zum SS-Hauptsturmführer (Hauptmann) aufstieg. 1942 er im genannten Dienstrang beim Stabe des SS-Hauptamtes und Referent im Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda geführt, das in Berlin-Frohnau ansässig war.[4] Zudem war er als Referent beim Reichspressechef tätig.
Bereits 1937 heiratete er in Wilhelmshorst bei Potsdam Christa von Bock und Polach, Tochter der Anna von Sanden und des 1916 im Kriegslazarett verstorbenen Hauptmanns Otto von Bock und Polach. Christa war die Enkeltochter des preußischen Generals der Infanterie Friedrich von Bock und Polach. Ihr Großvater mütterlicherseits, Alfred von Sanden, war kgl. preuß. Kammerherr und Mitglied des Preußischen Herrenhauses auf Lebenszeit. Christa und Carl-Dieter von Reichmeister hatten eine 1938 in Berlin geborene Tochter Heidegunde.
In den Tagebüchern von Joseph Goebbels wird Carl-Dieter von Reichmeister mehrfach genannt.[5] Im Sommer 1943 wurde er als Kriegsberichter zur Waffen-SS in die SS-Standarte Kurt Eggers an die Front einberufen. Sein Nachfolger als Reichsfilmdramaturg wurde Regierungsrat Kurt Frowein.
Nach Kriegsende befand er sich von 1945 bis 1948 in alliierter Internierung. Danach betätigte sich Carl-Dieter von Reichmeister als Gastwirt. Um 1985 lebte er in Grainbach im Chiemgau.[6]
Literatur
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Alter Adel und Briefadel. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. 1928. Jahrgang 20, Justus Perthes, Gotha 1927, S. 478. Siehe FamilySearch.
- Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil B (Briefadel). 1940. Jahrgang 32, Justus Perthes, Gotha 1939, S. 503 f. Siehe FamilySearch.
- SS-Personalkanzlei (Hrsg.): Dienstaltersliste der Schutzstaffel der NSDAP. Stand vom 1. Dezember 1938. Reichsdruckerei, Berlin 1938. Reprint: Biblio, Osnabrück 1996. ISBN 3-7648-2487-5, S. 198 f.-Nr. 4656.
- Ernst Klee: Das Kulturlexikon zum Dritten Reich. Wer war was vor und nach 1945. S. Fischer, Frankfurt am Main 2007, ISBN 978-3-10-039326-5.
Weblinks
- Carl Dietrich von Reichmeister, In: Bundesarchiv, (BArch) R 9361-V/135291 (Alt-/Vorsignatur: VBS 237 / 2681000323) Sammlung Berlin Document Center (BDC): Personenbezogene Unterlagen der Reichskulturkammer (RKK)
Einzelnachweise
- ↑ Hans Friedrich von Ehrenkrook, Friedrich Wilhelm Euler, Walter von Hueck: Genealogisches Handbuch der Adelige Häuser. A (Uradel). 1960. Band IV, Band 22 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1960, ISSN 0435-2408, S. 78.
- ↑ Wolfgang Jacobsen: Filmgeschichte kompakt - Der Film im Nationalsozialismus. 5. Band, (Verordnungen - Strukturen), Auflage Online-Ressource, Verlag Edition Text + Kritik, München 2021, ISBN 978-3-96707-529-8, S. 36.
- ↑ Bundesarchiv (BArch) R 9361-IX KARTEI/34130264.
- ↑ Gothaisches Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser. Zugleich Adelsmatrikel der D.A.G. Teil A (Uradel). 1942. Jahrgang 41, Justus Perthes, Gotha 1941, S. 28. Siehe: FamilySearch.
- ↑ Vgl. u. a.: Elke Fröhlich / Institut für Zeitgeschichte (IfZ-München) in Verbindung mit dem Bundesarchiv (Hrsg.): Die Tagebücher von Joseph Goebbels. Sämtliche Fragmente. Teil 1, K. G. Saur, München 2007, ISBN 3-598-21920-2, S. 405.
- ↑ Walter von Hueck et al.: Genealogisches Handbuch der Adeligen Häuser. A (Uradel). 1985. Band XVIII, Band 87 der Gesamtreihe GHdA, Hrsg. Deutsches Adelsarchiv, C. A. Starke, Limburg an der Lahn 1985, ISSN 0435-2408, S. 32–429.