Carglumsäure
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| Allgemeines | ||||||||||||||||||||||
| Name | Carglumsäure | |||||||||||||||||||||
| Andere Namen |
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| Summenformel | C6H10N2O5 | |||||||||||||||||||||
| Externe Identifikatoren/Datenbanken | ||||||||||||||||||||||
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| Arzneistoffangaben | ||||||||||||||||||||||
| ATC-Code |
A16AA05 | |||||||||||||||||||||
| Eigenschaften | ||||||||||||||||||||||
| Molare Masse | 190,15 g·mol−1 | |||||||||||||||||||||
| Sicherheitshinweise | ||||||||||||||||||||||
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| Toxikologische Daten | ||||||||||||||||||||||
| Wenn nicht anders vermerkt, gelten die angegebenen Daten bei Standardbedingungen (0 °C, 1000 hPa). | ||||||||||||||||||||||
Carglumsäure ist eine chemische Verbindung und leitet sich von der Carbamidsäure und der Glutaminsäure ab. Sie wird als Arzneistoff zur Behandlung von durch einen Mangel an N-Acetylglutamat-Synthetase (NAGS) ausgelöster Hyperammonämie – eines krankhaft erhöhten Ammoniakgehalts im Blut – eingesetzt.
Eigenschaften
Carglumsäure hat ein chirales Zentrum. Das optische Isomer ist die N-Carbamyl-D-glutaminsäure.
Carglumsäure ist ein weißes kristallines Pulver. Die Substanz ist löslich in kochendem Wasser, in kaltem Wasser hingegen nur schwer. In organischen Lösungsmitteln ist Carglumsäure praktisch unlöslich. Carglumsäure weist drei pKa-Werte auf: 2,50, 3,55 und 8,60, die den beiden Carbonsäuregruppen bzw. der Carbamoylgruppe zugeordnet werden. Der isoelektrische Punkt liegt bei einem pH-Wert von 3,02.[2]
Pharmakologie
Zu einer potentiell hirnschädigenden Hyperammonämie kommt es, wenn der Harnstoffzyklus im Körper nicht mehr funktioniert, der Körper also kein Ammoniak durch Verstoffwechselung zu Harnstoff entgiften kann. Dies ist bei einem N-Acetylglutamat-Synthetasemangel der Fall.[3] Ursache sind Mutationen im NAGS-Gen (Chromosomenregion 17q21.31). Das Produkt der N-Acetylglutamat-Synthetase (N-Acetylglutamat) dient im Körper als allosterischer Aktivator der Carbamoylphosphat-Synthetase I, die im Harnstoffzyklus die Ammoniakverwertung katalysiert. Carglumsäure ist ein Strukturanalogon von N-Acetylglutamat und kann an dessen Stelle ebenfalls als Aktivator dienen. Es wirkt therapeutisch sogar besser.[3]
Sonstiges
Ein NAGS-Mangel ist eine sehr selten vorkommende angeborene Stoffwechselstörung, deren geschätzte Prävalenz in der Europäischen Union bei 0,00125 pro 10 000 Personen liegt.[2] Carglumsäure wurde im Jahr 2003 als Orphan-Arzneimittel unter dem Präparatenamen Carbaglu in der EU zugelassen. Die Marktexklusivität endete 2013.[4] Das Generikum Ucedane wurde 2017 zugelassen.[5]
Einzelnachweise
- ↑ a b c Datenblatt N-Carbamyl-L-glutamic acid bei Sigma-Aldrich, abgerufen am 23. Juni 2014 (PDF).
- ↑ a b Carbaglu: EPAR - Scientific Discussion, Beurteilungsbericht der Europäischen Arzneimittelagentur zu Carbaglu vom November 2006.
- ↑ a b H. Lüllmann, K. Mohr, L. Hein: Pharmakologie und Toxikologie, 17. Auflage, Georg Thieme Verlag, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-13-151647-3, S. 267.
- ↑ Union Register of medicinal products: Eintrag EU/1/02/246. In: ec.europa.eu. 30. Juni 2025, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).
- ↑ Union Register of medicinal products: Eintrag EU/1/17/1202. In: ec.europa.eu. 30. Juni 2025, abgerufen am 27. September 2025 (englisch).