Capela do Corpo Santo (Funchal)
| Capela do Corpo Santo | ||
|---|---|---|
Die Capela do Corpo Santo in Funchal (2017) | ||
| Daten | ||
| Ort | Funchal | |
| Bauherr | Bruderschaft der Fischer | |
| Baustil | Gotik Manierismus | |
| Baujahr | 15. Jahrhundert | |
| Koordinaten | 32° 38′ 51,2″ N, 16° 53′ 59,5″ W | |
| Besonderheiten | ||
| gotischer Bau unter Denkmalschutz (Imóvel de Interesse Público) | ||
Die katholische Capela do Corpo Santo (deutsch: Kapelle des Heiligen Leibes), offizielle Bezeichnung Capela Espirito Santo, befindet sich auf Madeira in der Altstadt von Funchal. Sie geht auf das späte 15. Jahrhundert zurück und steht unter Denkmalschutz.
Lage
Die Kapelle liegt in der Altstadt von Funchal, der im 15. Jahrhundert erbauten „Zona velha“ in der gleichnamigen Straße „Largo do Corpo Santo“, und gehört zur Freguesia Santa Maria Maior. Ein wenig östlich von der Kapelle liegt das Fortaleza de São Tiago, weiter im Westen schließt sich das heutige Stadtzentrum von Funchal an.
Geschichte
Die Altstadt ist das älteste Viertel der Stadt und war ursprünglich vor allem von Fischern und Handwerkern bewohnt.[1] Die Bruderschaft der Fischer, die Familien der auf See gebliebenen Männer unterstützte, ließ die Kapelle im 15. Jahrhundert am Ostrand der Stadt errichten und weihte sie ihrem Schutzpatron São Pedro Gonçalves Telmo. Zugleich nutzte sie das Gebäude auch als Krankenhaus.[2][3][4]
Vom ursprünglichen Bau des späten 15. Jahrhunderts sind noch das gotische Portal mit seinem Spitzbogen und die Holzflügel der Tür erhalten. Deren Schnitzereien zeigen Pergamentblätter, die auf die Zeit um das Jahr 1500 datiert werden. Bei allen Umbau- und Renovierungsarbeiten der folgenden Jahrhunderte – beginnend mit der ersten Umgestaltung von 1594 – blieb die Grundstruktur der Kapelle jedoch erhalten.[5][3]
Die Inneneinrichtung der Kapelle ist vom 16. Jahrhundert bis in das 19. Jahrhundert immer wieder ergänzt worden. Die Hauptaltartafeln stammen aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts, 1580 folgte die Ausführung eines gotischen Kelches, der sich heute im Museum für Sakrale Kunst befindet, 1590 Seitenaltäre durch die Werkstatt von Fernão Gomes; ca. 1600 silberne Kerzenständer für die Altäre des Heiligen Laurentius und des Heiligen Leibes durch die Werkstatt von Tristão Ribeiros; 1691 und 1745 Reformen des Bruderschaftsgelübdes der Fischer, 1803 Übertragung eines Heiligengemäldes an die Kapelle São Sebastião, 1800 Aufbau der Kanzel, 1881 Herstellung des Prozessionskreuzes.[6]
In den Jahren von 1954 bis 1960 wurden mehrfach Instandhaltungs-, Umbau- und Verbesserungsarbeiten durchgeführt. Die Kapelle wurde am 21. Dezember 1974 als Imóvel de Interesse Público unter Denkmalschutz gestellt. Erneute Restaurierungsarbeiten an einzelnen Objekten fanden 1987/88, 1995 und 2016 statt.[6]
Baubeschreibung und Ausstattung
Der Grundriss des Gebäudes ist rechteckig, am Chor schließt sich auf der Südseite des Gebäudes eine kleine Sakristei an. Die Fassade mit dem Eingangsportal ist nach Westen ausgerichtet. Das Portal wird von einem hohen dreieckigen Giebel eingerahmt, der von einem kleinen Oculus und einem Kreuz im manuelinischen Stil überragt wird. An der dem Meer zugewandten südlichen Seite des Portals ist über dem Giebel der Fassade ein kleiner Glockenturm aufgesetzt.[6][3][5]
Das Innere der Kapelle ist als Saalbau gehalten, der schlicht und ohne größere Ornamentik auskommt. Die Innenausstattung ist bereits von den Renovierungsarbeiten des 16. und 17. Jahrhunderts geprägt.[7]
Der Chor ist in manieristischem Stil ausgestaltet und wird durch eine trapezförmige Holzdecke abgeschlossen. Auf einem der dort angebrachten Bilder trägt ein Schiff sowohl das portugiesische Wappen als auch die habsburgische Standarte, was auf einen Entstehungszeitraum während der Iberischen Union um 1616 hinweist.[7] Die Wände des Chores sind vollkommen von Gemälden bedeckt, die Szenen aus dem Leben des Heiligen Pedro Telmes sowie musizierende Engel und Heilige darstellen.[5] Das Hauptaltarbild stammt aus der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts und zeigt den Heiligen beim Segnen einer Karavelle. Dies ist wahrscheinlich die älteste Schiffdarstellung auf der Insel.[7]
Die Seitenaltäre sind etwas später als das Hauptaltarbild geschnitzt und rahmen Holzgemälde ein, die der Werkstatt von Fernão Gomes zugeschrieben werden. Die Gemälde an den Wänden der Hauptkapelle sind teilweise naiv und die Gemälde musizierender Engel an der Decke sind groß.[6] Die Gesamtheit der Innenausstattung beherbergt eine der besten Sammlungen der Insel mit Gemälden, Skulpturen, Schnitzereien und Silberarbeiten aus dem 16. bis 18. Jahrhundert.[3]
Literatur
- Pablo de la Riestra: Madeira. Historische Bauten – Edificios históricos. P+RH-Kunstverlag, Pfaffenhofen 2015, ISBN 978-3-9816229-2-8.
- Fernando Augusto da Silva Carlos Azevedo de Ménéses: Elucidário Madeirense, Volume II: F–N, Funchal 1978, (Online-Version).
- Câmara Municipal do Funchal: Carta do Patrimonio. Imóvels classiificados. Eigendruck der Gemeinde, 2. akt. Aufl. Funchal 2013 (Online-Version als PDF).
Weblinks
- Capela do Espírito Santo / Capela do Corpo Santo, in der portugiesischen Denkmaldatenbank SIPA (Sistema de Informação para o Património Arquitectónico) der Direção-Geral do Património Cultural unter monumentos.gov.pt (portugiesisch), abgerufen am 3. Oktober 2025
- Rui Carita: A capela do Corpo Santo do Funchal, bei et-al.pt (portugiesisch), abgerufen am 3. Oktober 2025
Einzelnachweise
- ↑ Altstadt von Funchal, bei portugal360.de
- ↑ Elucidário Madeirense, Volume II: F–N, S. 128, S. 295
- ↑ a b c d Carta do Patrimonio. Imóvels classiificados, S. 65
- ↑ Capela do Corpo Santo, bei madeira-web.com
- ↑ a b c Riestra: Madeira. Historische Bauten – Edificios históricos, S. 28
- ↑ a b c d Capela do Espírito Santo / Capela do Corpo Santo, in der portugiesischen Denkmaldatenbank SIPA (Sistema de Informação para o Património Arquitectónico) der Direção-Geral do Património Cultural unter monumentos.gov.pt
- ↑ a b c Rui Carita: A capela do Corpo Santo do Funchal, bei et-al.pt