Camuzzi (Familie)

Camuzzi (Camuzio, Camuzi) war eine Tessiner Familie. Ein Zweig wurde durch Künstler und Architekten bekannt.

Geschichte

Die Camuzzi stammten aus Gottro bei Porlezza in der Lombardei. Ein Zweig liess sich im 15. Jahrhundert in Lugano nieder. Mehrere Familienmitglieder gehörten im 15. und 16. Jahrhundert dem Generalrat der Stadt an. Antonio Camuzzi wurde 1452 als solcher erwähnt, Eugenio und Ludovico 1566, auch der 1472 erwähnte Albertus de Gotoro könnte ein Familienangehöriger sein. Ludovico Camuzzi war um 1563 auch Notar der Landschaft Lugano und der umliegenden Täler. Bedeutende Familienmitglieder waren Ärzte. Francesco Camuzzi liess die Familienkapelle in der Kirche Santa Maria degli Angeli in Lugano dekorieren. Sein Sohn Andrea Camuzio wurde kaiserlicher Hofarzt in Wien und später Professor an der Universität Pisa.[1]

Von den Camuzzi aus Lugano stammte Casimir Franz Xaver von Camuzi ab, der in den Diensten der Habsburgermonarchie stand. Nachkommen wurden auch in der Pfalz ansässig.

Stukkateure und Architekten der Familie Camuzzi liessen sich in Montagnola nieder. Der 1717 geborene Muzio Camuzzi war im Raum Lugano und in Bergamo tätig. Er schuf 1739 Stuckaturen in der Pfarrkirche von Muzzano und zwanzig Jahre später in der Kirche San Rocco in Lugano. Agostino Camuzzi arbeitete als Architekt in Sankt Petersburg. Nach seiner Rückkehr baute er 1854 die Casa Camuzzi in Montagnola. Sie wurde von 1919 bis 1931 von Hermann Hesse bewohnt und beherbergt seit 1997 in einem Nebengebäude ein Hesse-Museum.[1]

Bekannte Familienangehörige

Camuzzi/Camuzio von Lugano

  • Francesco Camuzzi (* um 1480), Arzt in Lugano; Söhne:
  • Gerolamo Camuzio (* um 1515), Humanist
  • Andrea Camuzio († 1587), kaiserlicher Hofarzt in Wien, Professor an der Universität Pisa und Humanist; Sohn:
  • Eugenio Camuzio († 1602), Doktor der Philosophie und Jurist

Camuzzi von Montagnola

  • Muzio Camuzzi (* 1717), Stukkateur
  • Agostino Camuzzi (1808–1870), Architekt in St. Petersburg, Tessiner Grossrat und Erbauer der Casa Camuzzi; Söhne:
  • Arnoldo Camuzzi (1838–1895), Landschaftsmaler und Bahnhofsinspektor
  • Demetrio Camuzzi (1858–1899), Architekt, Gross- und Nationalrat

Von Camuzi, österreichischer und bayerischer Adel

  • Casimir Franz Xaver von Camuzi (1728–1806), Oberamtmann des österreichischen Oberamts Winnweiler; Söhne:
  • Casimir von Camuzi (1764–1841), österreichischer Generalmajor in Tarnów
  • Joseph von Camuzi (1767–1828), Oberamtssekretär und später Geheimer Rat, Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer; Sohn und Tochter:
  • Gideon von Camuzi (1799–1879), Gutsbesitzer und Bürgermeister in Dirmstein, Mitglied der Bayerischen Abgeordnetenkammer
  • Franziska Louise Johanna Camuzi (1807–1887), heiratete 1829 Ignaz von Rudhart (1790–1838), 1837 Ministerpräsident von Griechenland

Literatur

  • Eligio Pometta, Giulio Rossi: Geschichte des Kantons Tessin. Bern 1944.
  • A. Mario Redaelli, Pia Todorovic Strahl: Montagnola San Pietroburgo. Montagnola 1998.

Belege

  1. a b Chiara Orelli: Camuzzi. In: Historisches Lexikon der Schweiz. 25. Mai 2012.