Christlich-Konservatives Deutschland-Forum
Das Christlich-Konservative Deutschland-Forum (CKDF) war von 1992 bis 2003 eine Vereinigung rechtskonservativer CDU-Politiker. Ihr vollständiger Name lautete bis 1998 Christlich-Konservatives Deutschland-Forum in der CDU/CSU.
Geschichte
Gründung
Gegründet wurde die Organisation Anfang Dezember 1992 von 192 CDU-Mitgliedern des rechten Flügels unter maßgeblicher Beteiligung von elf Bundestagsabgeordneten, wie etwa Claus Jäger, Wilfried Böhm und Heinrich Lummer, und mehreren Landtagsabgeordneten. Ziel der Vereinigung war es, „dem rechten Flügel der Union wieder eine Organisationsform und Stimme und den konservativen Unionsvereinigungen einen Dachverband zu geben“. Die ursprüngliche Initiative für die Gründung kam jedoch vom Baden-Württemberger CDU/JU-Mitglied Jörg Schmidt aus dem Rems-Murr-Kreis. Er hatte in mehrmonatiger Arbeit durch Anschreiben, Gespräche und Zusammenführungen zahlreiche prominente CDU-Politiker vom konservativen Flügel der Union für das Projekt gewonnen.
Als Vorstufe zur bundesweiten Gründung war die Bildung „konservativer Gesprächskreise“ innerhalb der Unionsparteien vorausgegangen, so zum Beispiel: „Wertkonservativer Kreis“, „Petersberger Kreis“ in Hessen, „Karlshorster Kreis“ in Berlin, „Potsdamer Kreis“ sowie Gesprächskreise in Stuttgart und Tübingen, in denen sich rechtskonservative Teile der Union zusammenfanden.
Der für die Gründung maßgebliche Jörg Schmidt trat im Laufe der Entwicklung zwar zunehmend in den Hintergrund, behielt aber den Kontakt vor allem zu sächsischen Landtagsabgeordneten. Zusammen mit einem MdL-Referenten aus Dresden entwickelte er ein Informationsblatt mit dem Titel Deutschland-Forum, auch kurz „DForum“, um das CKDF publizistisch zu begleiten und zu unterstützen. Vorläufiger Geschäftsführer wurde Helmut Walter. Zu Sprechern wurden Claus Jäger, Rudolf Karl Krause, der sich 1993 den Republikanern anschloss, und der sächsische Landtagsabgeordnete Wolfgang Nowak gewählt.[1]
Ursprünglich hatten die Initiatoren mit weiteren prominenten Unterstützern wie Gerhard Mayer-Vorfelder, Manfred Kanther,[2] Constantin Freiherr Heereman oder Gerhard Löwenthal gerechnet. Deren Fernbleiben wurde forumsintern mit der Angst vor innerparteilichen Repressalien von Seiten der CDU-Führung begründet. Auch Mitbegründer Böhm distanzierte sich bald. Dagegen legte Claus Jäger sein Sprecheramt erst im September 1993 nieder, nachdem zwei seiner Ausschlussanträge nicht stattgegeben worden war. Von Seiten der CSU distanzierten sich die Mitglieder der Landesgruppe im Bundestag mit inhaltlich abgestimmten Schreiben an die Leitung des CKDF. Sie bezeichneten das CKDF in Bezug auf die CSU offiziell als überflüssig und ihre Partei nach wie vor für konservative Positionen in der Tradition von Konrad Adenauer und Franz Josef Strauß stehend.[3] Dementsprechend scheint es auch wenig verwunderlich, dass es in Bayern Zeit des Bestehens des CKDF zu keiner Gründung eines eigenen Landesforums kam.[4]
Weitere Entwicklung
Als „konservative und nationalliberale Sammlungsbewegung innerhalb der Unionsparteien“ gegründet, wurde der Organisation bald eine Nähe zur Jungen Freiheit (JF) und deren Leserkreisen vorgeworfen. So hielt Claus Jäger 1993 das Einleitungsreferat der ersten JF-Sommeruniversität. Der für die JF tätige Autor Frank Bötzkes war von November 1993 bis Anfang 1995 Vorsitzender des Arbeitskreises Junger Konservativer in Braunschweig.
1998 kam es zum Bruch mit den Unionsparteien und der langsamen Selbstauflösung, nachdem die CDU in Nordrhein-Westfalen das Deutsch-Türkische Forum als CDU-Vereinigung offiziell anerkannt und diesen Status dem CKDF weiterhin verwehrt hatte. Nach weiteren politischen Differenzen mit der Union traten viele der etwa 800[5] CKDF-Mitglieder dem Bund freier Bürger (BFB) bei, welcher in der Folge offiziell in das Visier der Verfassungsschutzbehörden geriet. Der CKDF-Bundessprecherrat beschloss 1998 vorläufig die Einstellung seiner Arbeit, zu Beginn des Jahres 2002 zerfiel das CKDF als auf Bundesebene arbeitende Organisation endgültig. Einzelne Landesforen führten ihre Arbeit unter verändertem Namen fort, so unter anderem das Hessische als „Arbeitskreis Konservativer Christen“ (AKC) und das Baden-Württembergische als „CDU 21“.
Bundesweite Aufmerksamkeit erfuhr die Organisation zuletzt 2003 für ihre aktive Unterstützung für Martin Hohmann durch ihr vormaliges hessisches Landesforum, dem Arbeitskreis Konservativer Christen (AKC) um Herbert Gassen.[6]
Programmatik
Wichtige Programmpunkte waren ein Bekenntnis zu „christlich-konservativen Werten“, eine Ablehnung der „multikulturellen Gesellschaft“, der „Schutz des ungeborenen Lebens“ und das Eintreten für die „Belange von Vertriebenen“ sowie gegen „Asylmissbrauch“ und „Frauenquoten“.
Kritiker merken an, dass sich programmatische Eckpunkte kaum von rechten Positionen unterschieden: Der „Grundwert Gleichheit“ werde abgelehnt, das „deutsche Vaterland“ dürfe nicht in Europa aufgehen, die Außenpolitik müsse sich stärker den Vertriebenen und deutschen Aussiedlern widmen, die Kinder zu Patriotismus, Ehre und Freiheitswillen erzogen werden, und die Polizei solle wieder mehr und härter durchgreifen dürfen.[7]
Personen
- Ulrich Bösl (* 1959), Kommunalpolitiker (CDU) und Gewerkschaftssekretär, von 2005 bis 2025 Vorsitzender und seitdem Ehrenvorsitzender der Christlichen Gewerkschaft Postservice und Telekommunikation (CGPT)[8][9], ab 2000 Mitglied im Landessprecherrat von Nordrhein-Westfalen[10]
- Franz Longin (* 1933), CDU-Politiker und Vertriebenenfunktionär[11]
- Kurt Meyer (1920–?), 1974 Gründungsvorsitzender der DSU (Westdeutschland), bis 1993 Sprecher des Nordrhein-Westfaelischen Landesforums[12]
- Manuel Ochsenreiter (1976–2021), deutscher Journalist, stellvertretender Vorsitzender des Bayerisch/Baden-Württembergischen Landesforums
- Roland Rösler (1943–2020), CDU-Politiker[13]
- Volker Schimpff (* 1950), deutscher Historiker und Museologe[14]
- Hans Ludwig Waiblinger (1923–2012), deutscher Jurist und Diplomat, Geschäftsführer des Rheinland-Pfälzischen Landesforums[15]
- Josef Weber (* 1935), deutscher Polizeibeamter und ehemaliger Politiker[16]
- Ulrich Woronowicz (1928–2011), deutscher evangelischer Theologe, 1998 kommissarischer Vorsitzender des Bundessprecherrates[17]
Siehe auch
Literatur
- Ursel Sieber, Bernd Siegler, Charlotte Wiedemann u. a.: Deutsche Demokraten. Wie rechtsradikal sind CDU & CSU? Göttingen 1994, ISBN 3-923478-94-1.
- Jens Mecklenburg (Hrsg.): Handbuch Deutscher Rechtsextremismus. Berlin 1996, ISBN 3-88520-585-8, S. 184–186.
Weblinks
- Historischer Abriss des CKDF auf dessen Webpräsenz (Stand 2003) ( vom 10. Februar 2003 im Internet Archive)
- Programmatische Selbstdarstellung des CKDF (Stand 2000)
- Webpräsenz des CKDF Berlin-Brandenburg (Stand 2001)
- Webpräsenz des Arbeitskreises Konservativer Christen (AKC)
- Profil des CKDF bei apabiz
- Deutsche Christen vor ihrer Auferstehung? In: haGalil
- Der lädierte rechte Flügel. In: Junge Freiheit Nr. 35/2004, 20. August 2004
- Titanic auf dem Rhein In: Der Spiegel, 53/1992
Einzelnachweise
- ↑ Sönke Braasch: Christlich-Konservatives Deutschlandforum. In: Der Rechte Rand, Nr. 26, Dezember 1993 / Januar 1994, S. 9.
- ↑ Titanic auf dem Rhein, in: Der Spiegel, 53/1992 (online)
- ↑ taz.de
- ↑ web.archive.org
- ↑ Profil des CKDF bei apabiz
- ↑ Stimme der Mehrheit? In: Telepolis, 13. November 2003.
- ↑ Konservativ-rechtsextreme Kreise: Deutsche Christen vor ihrer Auferstehung? In: haGalil, 4. November 2003.
- ↑ https://cgpt.de/portfolio/
- ↑ https://cgpt.de/uncategorized/fuehrungswechsel-bei-der-cgpt/
- ↑ https://jf-archiv.de/archiv00/070yy11.htm
- ↑ web.archive.org
- ↑ apabiz.de
- ↑ web.archive.org
- ↑ web.archive.org
- ↑ web.archive.org
- ↑ web.archive.org
- ↑ web.archive.org