Buy now, pay later
Buy Now, Pay Later (BNPL), auf Deutsch etwa „Jetzt kaufen, später bezahlen“, bezeichnet eine Zahlungsform, bei der Konsumenten Waren oder Dienstleistungen sofort erwerben, die Zahlung jedoch ganz oder teilweise zu einem späteren Zeitpunkt erfolgt.[1][2]
BNPL kann als digitale Weiterentwicklung des traditionellen Rechnungs- und Ratenkaufs betrachtet werden, bei der das Grundprinzip der späteren Bezahlung von Waren bestehen bleibt, jedoch über digitale Prozesse abgewickelt wird.
Geschichte
Das Konzept von Buy Now, Pay Later ist im deutschsprachigen Raum nicht neu. Schon in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts boten Versandhauskataloge wie Quelle, Otto oder Neckermann ihren Kunden die Möglichkeit, Produkte auf Rechnung zu bestellen und später zu bezahlen. Damit konnten Konsumenten Waren erwerben, ohne sofort den gesamten Kaufpreis entrichten zu müssen. Auch Ratenzahlungen für höherpreisige Anschaffungen waren schon damals üblich.
Beim Rechnungskauf wird die Ware innerhalb einer kurzen Frist, meist 14 bis 30 Tage, bezahlt. Beim Ratenkauf erfolgt die Zahlung in mehreren Teilbeträgen über einen längeren Zeitraum. Diese Formen der Zahlungsaufschiebung existierten zunächst vor allem im stationären Handel und wurden später auf den Online-Handel übertragen.
In den 1990er- und 2000er-Jahren etablierte sich der Rechnungskauf als gängige Zahlungsmethode im E-Commerce, da er eine Abwicklung der Zahlung nach Warenerhalt ermöglichte. Ratenkäufe wurden insbesondere bei höherpreisigen Produkten wie Elektronik oder Möbeln genutzt.
Ab etwa 2010 boten spezialisierte Anbieter wie etwa Klarna digitale Lösungen zur Abwicklung von Rechnung und Ratenzahlung unter dem Namen Buy Now, Pay Later im Internet an und somit etablierte es sich als eigenständiges, digital unterstütztes Zahlungsmodell.
Seit den 2020er-Jahren wurde BNPL in Deutschland weiter verbreitet. Neben klassischen Raten- und Rechnungskäufen kamen zunehmend zeitlich befristete, zinsfreie Ratenmodelle auf. Parallel dazu rückte die Regulierung stärker in den Fokus, um die Überschuldung von Verbrauchern zu begrenzen.[3]
Funktionsweise
Bei BNPL wählt der Kunde beim Kaufabschluss eine Zahlungsmethode, die es ihm erlaubt, den Kaufpreis verzögert zu begleichen. Die Zahlungsabwicklung kann entweder vollständig durch den Händler oder über spezialisierte Dienstleister erfolgen. Letztere übernehmen häufig die Bonitätsprüfung des Kunden, das Inkasso der Zahlungen und tragen das Ausfallrisiko. BNPL-Dienste können als White-Label-Lösungen angeboten werden, sodass die Marke des Händlers im Vordergrund bleibt, während der Zahlungsdienstleister im Hintergrund agiert.
Kundenverhalten
Für Verbraucher bieten BNPL-Modelle neben der kurzfristigen Liquidität oft eine einfache, in den Check-out integrierte Zahlungslösung, die ohne separate Kontoeröffnung oder Kreditkartenvertrag auskommt. Zudem empfinden viele Kundinnen und Kunden die zinsfreie oder niedrigschwellige Ratenzahlung als weniger komplex als klassische Kredite, was Hemmschwellen beim Online-Shopping senkt.[4]
Für Händler gilt BNPL als Konvsersionstreiber, da mehr Kundschaft den Kauf abschließt und der durchschnittliche Warenkorbwert steigt. Gleichzeitig tragen BNPL-Anbieter in vielen Modellen das Ausfallrisiko und übernehmen Mahnwesen sowie Zahlungsabwicklung, sodass Händler schneller und planbarer ihr Geld erhalten.[5]
Kritik
BNPL steht vor allem wegen Überschuldungsrisiken, Intransparenz und problematische Anreize in der Kritik. Verbraucherschützer bemängeln, dass die sehr einfache und oft als „harmlos“ präsentierte Nutzung dazu führt, dass insbesondere junge Kundinnen und Kunden mehrere kleine Kredite parallel aufnehmen, die sich unbemerkt zu größeren Schulden summieren. Hinzu kommen Gebühren und Mahnkosten bei Zahlungsverzug sowie mögliche Negativeinträge bei Auskunfteien, was BNPL zu einem Risiko für die finanzielle Stabilität und zukünftige Kreditwürdigkeit der Verbraucher macht.[6][7]
Als Konsequenz hat die Europäische Union eine neue Verbraucherkreditrichtlinie (Richtlinie (EU) 2023/2025) verabschiedet. Diese erweitert den Anwendungsbereich des EU-Verbraucherkreditrechts auf bisher oft ausgenommene Kleinst- und Kurzzeitkredite, zu denen auch typische BNPL-Modelle gehören. Damit werden BNPL-Verträge in den allgemeinen Rahmen des Verbraucherdarlehensrechts integriert und unterliegen künftig einheitlichen Mindeststandards im Binnenmarkt. Ziel der Neuregelung ist es, BNPL-Angebote rechtlich weitgehend wie klassische Verbraucherkredite zu behandeln und damit den Verbraucherschutz im digitalen Zahlungsverkehr zu stärken.[8]
Einzelnachweise
- ↑ Buy now pay later: Was ist das und was sollte ich beachten? Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 16. August 2025; abgerufen am 13. Dezember 2025 (deutsch).
- ↑ Buy now, pay later - Was steckt dahinter? 21. April 2022, abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Nicole Nitsche: Hype-Thema "Buy now pay later" (BNPL) – ein Blick hinter die Kulissen. In: Paymentandbanking. 29. September 2021 (paymentandbanking.com [abgerufen am 13. Dezember 2025]).
- ↑ Buy now pay later: Schuldenfalle oder moderner Rechnungskauf? | Verbraucherzentrale.de. 11. Juni 2025, abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Nicole Nitsche: Es ist an der Zeit, eine Buy Now Pay Later Strategie aufzubauen: Die Top 5 Überlegungen für deutsche Händler. In: Paymentandbanking. 2. September 2021 (paymentandbanking.com [abgerufen am 13. Dezember 2025]).
- ↑ "Buy now, pay later": Verbraucherzentrale warnt vor Kreditreform. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Mit „Buy now, pay later“ komfortabel in die Schuldenfalle | Verbraucherzentrale Hamburg. Abgerufen am 13. Dezember 2025.
- ↑ Link11 - CAPTCHA. Abgerufen am 13. Dezember 2025.