Burkhart Seidemann
Burkhart Seidemann (* 1944 in Weimar; † 6. April 2016 in Berlin) war ein deutscher Pantomime, Theaterregisseur und Autor. Er prägte die Theaterszene in der DDR maßgeblich durch seine Arbeit im einzigen professionellen Pantomimeensemble Ostdeutschlands.
Leben und Werk
Burkhart Seidemann wurde in Weimar in eine ehemals adelige Familie geboren[1]. Nach dem Abitur in Eisenach absolvierte er eine Lehre als Kunstschmied bei Günther Laufer[2]. Anschließend studierte er Theologie in Jena, wo er seine Leidenschaft für die Pantomime entdeckte. Sein Lehrer war Harald Seime.[3]
Nach einem kurzen Praktikum als Landpfarrer zog Seidemann 1972 nach Ost-Berlin und schloss sich der Pantomimegruppe um Volkmar Otte an. Diese wurde 1974 vom DDR-Kulturministerium als „Pantomime-Ensemble des Deutschen Theaters“ professionalisiert.[4] Seidemann avancierte bald zum Mitautor, später zum künstlerischen Leiter und dominierenden Regisseur des Ensembles. Das Ensemble setzte sich bewusst von der Ästhetik Marcel Marceaus ab und entwickelte komplexe Szenarien im Ensemblespiel.[5] Zu den bekanntesten Inszenierungen zählen Dr. Fausts Höllenfahrt, Orpheus und Hans Wurst.
Trotz großer Beliebtheit in der DDR und Anerkennung durch die Presse blieb dem Ensemble internationale Anerkennung verwehrt, da Auslandsreisen aus politischen Gründen untersagt wurden.[6] Nach der Abwicklung des Ensembles im Zuge der Kulturpolitik nach der Wiedervereinigung von 1990 gründete Seidemann 1991 das Hackesche Hoftheater in Berlin. Dieses Theater wurde unter seiner Leitung zu einem kulturellen Brennpunkt in den Hackeschen Höfen und verband mimisches Theater mit jüdischer Musiktradition[7]. Seidemann setzte sich intensiv mit Klezmer-Musik auseinander und integrierte sie in seine Inszenierungen, wodurch er wesentlich zur Wiederbelebung jüdischer Kultur im Berliner Theaterleben beitrug.[8] Besonders hervorzuheben sind seine Produktionen wie Reineke Fuchs und Der Dybbuk, die jiddische Erzähltradition mit gestischem Theater verbanden.[9] Das Theater musste 2006 mangels Subventionen schließen[10], doch Seidemanns Einfluss auf die kulturelle Nutzung der Hackeschen blieb erhalten.
Persönliches
Burkhart Seidemann lebte seit 1973 mit dem Puppenspieler Peter Waschinsky zusammen[11]. Die beiden heirateten am 5. April 2016, einen Tag vor Seidemanns Tod an Lungenkrebs.[12]
Nachwirkung
Seidemanns Arbeit gilt als bedeutender Beitrag zur Theaterlandschaft der DDR und zur Entwicklung des mimischen Theaters in Deutschland. Er zeigte Engagement für alternative Theaterformen, jüdische Kultur und die Wiederbelebung der Hackeschen Höfe als Spielstätte.[13]
Einzelnachweise
- ↑ Peter Waschinsky: Abschied von Burkhart Seidemann. In: Die Deutsche Bühne, 2016.
- ↑ Biografische Notizen im Theaterarchiv Berlin.
- ↑ Interview mit Burkhart Seidemann, Theater der Zeit, 1985.
- ↑ DDR-Kulturministerium, Verlautbarung zur Ensemblegründung, 1974.
- ↑ Jens Groß: Mimik und Macht – Theaterformen in der DDR. Henschel Verlag, 1999.
- ↑ DDR-Reisekontrollarchiv, Eintrag zum Pantomime-Ensemble, 1982.
- ↑ Hackesches Hoftheater, Archivmaterial 1997–2006.
- ↑ Berliner Zeitung, „Klezmer und Körperkunst“, 2002.
- ↑ Programmheft Hackesches Hoftheater, Spielzeit 2003/2004.
- ↑ Berliner Senatsverwaltung für Kultur, Förderbericht 2006.
- ↑ Waschinsky, P.: Persönliche Erinnerungen. In: Theater heute, Mai 2016.
- ↑ Berliner Morgenpost, Nachruf vom 7. April 2016.
- ↑ Deutsches Theatermuseum München, Ausstellungskatalog „Gesten der Freiheit“, 2018.