Burkhard von Ellerbach
Burkhard von Ellerbach, auch: Burkhard von Erbach (* um 1340; † 9. März 1404 in Augsburg)[1] war von 1373 bis 1404 Bischof von Augsburg.
Leben und Wirken
Herkunft und Aufstieg
Burkhard von Ellerbach entstammte dem schwäbischen Ministerialengeschlecht der Herren von Ellerbach, das den Herzögen von Österreich diente.[2] Wo sich die namensgebende Burg befand, ist nicht eindeutig geklärt. Als sicher gilt, dass der Name nicht auf Ellerbach im Landkreis Dillingen zurückgeht. Vermutlich stammt das Geschlecht eher aus Erbach (ehemals auch Erlbach genannt) im Alb-Donau-Kreis.[3] Seine Eltern waren Burkhard von Ellerbach, genannt Pupelin, und Guta von Pappenheim zu Biberbach. Er hatte vier Brüder: Wilhelm, Johann, Bertold und Friedrich.[3]
Sein genaues Geburtsdatum ist nicht überliefert und auch über seine vorbischöfliche Zeit ist wenig bekannt. Erstmals erwähnt wird Burkhard 1355 in einem Bittgesuch an Papst Innozenz VI. um ein Kanonikat in Augsburg. Nachweislich war er seit 1372 als Domherr in Augsburg tätig.[3]
Am 12. Dezember 1373 wurde Burkhard von Papst Gregor XI. zum Bischof von Augsburg providiert. Zwar versuchte das Domkapitel eine Wahl abzuhalten, doch setzte sich die päpstliche Entscheidung durch, wobei die Wünsche des Kapitels berücksichtigt wurden.[2] Burkhard hielt sich zu diesem Zeitpunkt in Avignon auf und scheint seine Ernennung aktiv betrieben zu haben.[2] Die feierliche Thronisierung erfolgte am 12. März 1374, wobei er bereits zuvor bischöfliche Handlungen ausgeführt hatte.[4] Es wird angenommen, dass er erst 1387 seine Konsekration empfing.[4]
Bischof in Zeiten des Umbruchs
Seine Amtszeit fiel in eine Phase tiefgreifender kirchlicher Umbrüche. Nach dem Tod Gregors XI. begann das Abendländische Schisma, das rund 40 Jahre andauerte.[4] Zunächst stand er auf der Seite von Papst Urban VI., wandte sich jedoch bald dem Gegenpapst Klemens VII. und Herzog Leopold III. von Habsburg zu.[5] Erst nach Leopolds Tod im Jahr 1386 näherte er sich wieder Urban VI. und dessen Nachfolger Papst Bonifatius IX. an.[6]
Auch die politische Ordnung begann während seiner Amtszeit aus den Fugen zu geraten. Durch das Aufstreben des Bürgertums in den Städten entwickelte sich ein Machtkampf mit den bayerischen Herzögen. Diese zunehmenden Spannungen führten zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, in die das Hochstift Augsburg und damit der Bischof zwangsläufig hineingezogen wurden. Der Bischof war als Herr des Hochstifts als Herrscher anzusehen und stand so den Reichstädten gegenüber, die sich im Schwäbischen Städtebund zusammengeschlossen hatten.[7] Die Spannungen entluden sich 1387 im Städtekrieg, bei dem Bischof Burkhard von Ellerbach die Gegner der Städte kräftig mit finanziellen Mitteln unterstützte.[8] Nach dem Krieg besserte sich das Verhältnis zwischen Bischof und Stadt wieder.[9]
Verwaltung, Seelsorge und Vermächtnis
Neben den vorgenannten Unruhen auf kirchlicher und politischer Ebene hatte der Bischof in seinem Bistum mit weiteren Widrigkeiten zu kämpfen. So traten während seiner Amtszeit pestartige Krankheiten verstärkt auf. In den Städten kam es daraufhin zu Erhebungen gegen die jüdische Bevölkerung. Burkhard galt jedoch nicht als Judenfeind. So gestattete er der jüdischen Gemeinde in Nördlingen die Errichtung eines neuen Friedhofs neben dem überbauten Begräbnisplatz von 1349.[10] Sorgen bereitete ihm eine aufkommende Ketzerbewegung in Augsburg, Donauwörth und Dinkelsbühl.[11]
Die finanziellen Verhältnisse des Bistums waren angespannt. Burkhard versuchte durch Steuerforderungen, Verkäufe und Verpfändungen die Einnahmen zu verbessern. Seine Schulden konnte er trotz dieser Maßnahmen bis zu seinem Tod nicht tilgen.[12]
Trotz der vielen Schwierigkeiten vernachlässigte der Bischof die Leitung seines Bistums nicht. Er widmete sich der Betreuung von Klöstern und Spitälern.[13] Darüber hinaus bestätigte er zahlreiche Messpfründenstiftungen und er befasste sich mit Pfarreigründungen und -vereinigungen.[14] Aufgrund eines von ihm verübten Totschlags kurz nach der Konsekration verfiel er der Irregularität.[4] Er ernannte deshalb Weihbischöfe, die für ihn die Weihehandlungen durchführten. Bekannt sind der Minorit Albert, Bischof von Salon, und der Karmelit Ulrich, Bischof von Sebaste in Palästina. Als Generalvikare wirkten während seiner Amtszeit Martinus Swinkrist, Johannes Kochner und Johannes Vogt von der Schär.[11]
Burkhard pflegte ein gutes Verhältnis zum Domkapitel, das er mit Gunsterweisungen bedachte. Bei innerkirchlichen Unstimmigkeiten trat er als Vermittler auf.[15] Ob er am Bau des Ostchores des Augsburger Doms beteiligt war, ist unklar. Gesichert ist lediglich die Genehmigung für die Vikarie, die in der St. Jakobskapelle an der Südseite des Ostchors eingerichtet wurde.[15]
Burkhard von Ellerbach starb am 9. März 1404 in Augsburg und wurde im Augsburger Dom beigesetzt.[16] Nach Ansicht des Historikers Friedrich Zoepfl war er einer der kraftvollsten Regenten des Bistums Augsburg und hinterließ ein gutes Andenken.[16]
Siehe auch
Literatur
- Friedrich Zoepfl: Das Bistum Augsburg und seine Bischöfe im Mittelalter. Band 1, Schnell & Steiner, München 1955.
Weblinks
- Eintrag von Burkhard von Ellerbach im Augsburger Stadtlexikon
- Eintrag von Burkhard von Ellerbach im Historischen Lexikon Bayerns
Einzelnachweise
- ↑ Karl Bosl: Bosls bayerische Biographie. Friedrich Pustet, Regensburg, 1983, ISBN 3-7917-0792-2, S. 173 (Online-Zugriff)
- ↑ a b c Zoepfl, S. 325
- ↑ a b c Zoepfl, S. 326
- ↑ a b c d Zoepfl, S. 327
- ↑ Zoepfl, S. 330
- ↑ Zoepfl, S. 331
- ↑ Zoepfl, S. 332
- ↑ Zoepfl, S. 337
- ↑ Zoepfl, S. 338
- ↑ Zoepfl, S. 344
- ↑ a b Zoepfl, S. 342 ff.
- ↑ Zoepfl, S. 340
- ↑ Zoepfl, S. 344
- ↑ Zoepfl, S. 347
- ↑ a b Zoepfl, S. 349
- ↑ a b Zoepfl, S. 350
| Vorgänger | Amt | Nachfolger |
|---|---|---|
| Johannes I. Schadland | Bischof von Augsburg 1373–1404 | Eberhard II. von Kirchberg |