Burkhard Hund von Wenkheim

Burkhard Hund von Wenkheim (* um 1485; † 1545) war ein einflussreicher sächsischer Verwaltungsbeamter, Rat und Rentmeister. Er gilt als der entscheidende strategische Planer und logistische Leiter des fingierten Überfalls auf Martin Luther im Jahr 1521, durch den der Reformator zu seinem Schutz auf die Wartburg gebracht wurde.

Leben

Burkhard Hund stammte aus dem fränkischen Adelsgeschlecht Hund von Wenkheim. Sein Wohnsitz befand sich auf Burg Altenstein bei Bad Salzungen. Seine Karriere im Dienst der Wettiner begann im Jahr 1509 mit dem Antritt der Stelle als Amtmann von Gotha.[1]

Im Jahr 1513 stieg er zum Rentmeister des sächsischen Herzogs Johann des Beständigen auf.[1] In dieser Funktion nahm er eine ökonomische Schlüsselposition ein: Da die wettinischen Brüder (Johann der Beständige und Friedrich der Weise) im Zuge der sogenannten Mutschierung von 1513 ihre Verwaltung und Kassen getrennt hatten, unterstand Hund direkt Herzog Johann. Seine Stellung war derart unabhängig, dass Kurfürst Friedrich der Weise ihm gegenüber nicht weisungsbefugt war, sondern für finanzielle Belange förmliche Ersuche an seinen Bruder Johann richten musste.[2] Zu seinen weiteren Aufgaben als Beamter gehörte die Geleitsicherung auswärtiger Fürsten an der hessisch-thüringischen Grenze.[3] Burkhard Hund verstarb im Jahr 1545.[4]

Wirken auf dem Reichstag zu Worms (1521)

Zwischen Januar und Mai 1521 hielt sich Burkhard Hund im Gefolge des Herzogs Johann auf dem Reichstag zu Worms auf. Während der historischen Anhörung Luthers sicherte er die finanzielle Handlungsfähigkeit der sächsischen Gesandtschaft. Da Kurfürst Friedrich bereits 12.000 Gulden verbraucht und hohe Schulden aufgenommen hatte, bat er seinen Bruder am 8. April 1521, Hund mit der Regelung der immensen Zehrkosten der Gruppe um Georg Spalatin zu beauftragen.[2]

In einem weiteren Brief vom 24. April 1521 bedankte sich der Kurfürst ausdrücklich für die finanzielle Unterstützung durch Hund. Diese geschäftliche Verbindung beweist, dass Burkhard Hund in unmittelbarem persönlichem Kontakt zu dem Kreis stand, welcher zeitgleich die Entführung Luthers auf die Wartburg koordinierte.[5]

Rolle bei der Entführung Martin Luthers

Burkhard Hund von Wenkheim war einer erst um 1700 aufgekommenen Legende zufolge einer der Entführer Martin Luthers, als dieser auf dem Rückweg vom Wormser Reichstag am Abend des 4. Mai 1521 die Burg Altenstein passierte, und auf die Wartburg gebracht wurde. Dort verbrachte Luther ein knappes Jahr als Junker Jörg und übersetzte das Neue Testament ins Deutsche. Auch der eingeweihte kurfürstliche Amtmann Hans Sittich von Berlepsch, der Luther schließlich auf der Wartburg beaufsichtigte, soll demnach unter den Entführern gewesen sein.

Historisch zutreffend ist, dass Burkhard Hund nicht persönlich am Scheinüberfall auf Martin Luther beteiligt war, sondern als Kenner der örtlichen Gegebenheiten eine wichtige Rolle bei dessen Planung spielte. Da er seinen Wohnsitz auf Burg Altenstein hatte und regelmäßig zwischen Gotha und Eisenach verkehrte, verfügte er über das nötige Wissen, um den Ort des Überfalls so zu wählen, dass der Verdacht auf die Grafen von Henneberg gelenkt wurde. In Worms stand er als Rentmeister in engem Kontakt zum Gefolge Friedrichs des Weisen und half dabei, dessen finanzielle Verlegenheit zu lösen. Eine persönliche Teilnahme Burkhard Hunds am Überfall ist unwahrscheinlich, da ein Risiko seiner Enttarnung bestanden hätte, die den Kurfürsten Friedrich wiederum verraten hätte.[6] Um die kursächsische Seite vor Verdacht zu schützen, hielt sich Hund zum Zeitpunkt des Überfalls nachweislich in Weimar auf, wo er am 2. Mai 1521 in seiner Funktion als Rentmeister Schuldenangelegenheiten protokollierte.[4]

Literatur

  • Hilmar Schwarz: Die Rolle des Reitmeisters Burkhard Hund von Wenkheim. In: Lutherjahrbuch 87, 2020, S. 41–47.

Einzelnachweise

  1. a b Hilmar Schwarz: Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Rentmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 41 (google.de).
  2. a b Hilmar Schwarz: Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Rentmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 42 (google.de).
  3. Hilmar Schwarz: Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Rentmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 45 (google.de).
  4. a b Hilmar Schwarz: Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Rentmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 46 (google.de).
  5. Hilmar Schwarz: Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Rentmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 43 (google.de).
  6. Christopher Spehr (Hrsg.): Lutherjahrbuch. Band 87, Die Rolle des Reitmeisters Burkhard Hund von Wenkheim, S. 41–47 (google.de).