Burgkopf (Hunsrück)
| Burgkopf | ||
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| Burgkopf | ||
| Höhe | 371,1 m | |
| Lage | Rheinland-Pfalz, Deutschland | |
| Koordinaten | 49° 44′ 55″ N, 6° 49′ 36″ O | |
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Der Burgkopf ist ein Berg mit einer Höhe von 371,1 Metern[1] und eine archäologische Fundstelle im Hunsrück in der Nähe von Fell und Lorscheid in Rheinland-Pfalz, gelegen zwischen den Bachtälern von Welgerbach und Feller Bach (zur Mosel).
Lage
Der Burgkopf bildet eine markante Spornlage über dem Feller Tal und ist Teil eines Geländesporns, der nach Osten in ein höheres Bergplateau übergeht.
Unabhängig davon existiert auf der benachbarten Gemarkung von Lorscheid eine weitere Erhebung gleicher Bezeichnung mit einer Höhe von etwa 470 m.
Beschreibung der Fundstelle
Auf dem Berg befinden sich die Reste eines römischen Höhenheiligtums, das aus drei gallorömischen Umgangstempeln besteht. Die Anlage war vom 1. bis in das späte 4. Jahrhundert n. Chr. in Nutzung. Im Zentrum eines der Tempel wurde ein lebensgroßer Teil eines Kultbildes des Gottes Silvanus entdeckt, was auf dessen lokale Verehrung schließen lässt.
Funde aus der spätlatènezeitlichen und vorrömischen Besiedlungsphase sowie bautechnische Befunde deuten darauf hin, dass der Burgkopf bereits vor der römischen Nutzung als Siedlungs- und Befestigungsplatz diente.
Forschungsgeschichte
Frühe Hinweise (19. Jahrhundert)
Die ersten bekannten Hinweise auf Funde am Burgkopf stammen von dem örtlichen Pfarrer Schmitt, der über die Aktivitäten des Oberförsters Baden im Jahr 1830 berichtet. Baden ließ auf dem Berg graben und entdeckte dabei Teile einer Skulptur sowie einen Bronzekessel. Schmitt überlieferte außerdem die Sage vom vergrabenen Goldenen Kalb.
Erste wissenschaftliche Grabung (1933)
Im Jahr 1933 führte Paul Steiner die erste wissenschaftlich geleitete Grabung durch. Die Grundmauern der Hauptgebäude wurden freigelegt und durch Friedrich Badry vermessen und zeichnerisch dokumentiert.
Ausgrabungen 1980–1986
Eine erneute Untersuchung erfolgte 1980/81 und 1986 unter der Leitung des Landesmuseums Trier. Die Arbeiten von Karl-Josef Gilles konzentrierten sich auf die drei römischen Tempel, förderten jedoch auch Befunde vorrömischer Befestigungen und Siedlungsspuren zutage.
Wichtige Befunde aus dieser Phase:
- Ein Fund an der westlichen Geländekante von Tempel II brachte eine massive Steinsetzung zutage, möglicherweise Teil einer latènezeitlichen Randbefestigung.
- Östlich von Tempel I wurde mehrfach eine ca. 2 m breite Trockenmauer angeschnitten. Untersuchungen 1986 ergaben, dass diese in Murus-gallicus-Technik (keltische Holz-Stein-Konstruktion) errichtet wurde.
- Das Fundmaterial aus Gruben, Gräben und Befestigungselementen belegt eine spätlatènezeitliche Nutzungsphase vor der römischen Tempelerrichtung.
Archäologische Befunde
Römische Tempelanlage
Die Tempelanlage besteht aus drei Umgangstempeln, die typischerweise gallorömisch sind:
- Tempel auf dem höchsten Punkt der Erhebung
- Zwei weitere Tempel in unmittelbarer Umgebung
- Nutzung vom 1. bis 4. Jahrhundert n. Chr.
- Fund des Silvanus-Kultbildes im Haupttempel
Vorkeltische und keltische Phase
- Befestigungsmauern in Murus-gallicus-Technik
- Pfostengruben und Hausgrundrisse
- Umgangsmauern und Randbefestigungen
- Funde aus der späten Latènezeit (~150–30 v. Chr.)
Die Lage des Burgkopf entspricht typischen keltischen Höhenbefestigungen im Hunsrück, die strategisch günstig auf Spornlagen mit guter Sichtverbindung zu den Tälern angelegt wurden.
Sagen und Überlieferungen
Eine Sage behauptet, auf dem Burgkopf sei ein Goldenes Kalb vergraben. Dieses Motiv ist regional verbreitet und erinnert an mythische Schatz-Sagen, die häufig mit keltischen oder römischen Kultplätzen in Verbindung gebracht werden. Archäologische Hinweise darauf existieren nicht.[2]
Bedeutung und heutige Nutzung
Der Burgkopf ist heute eine frei zugängliche archäologische Stätte. Eine Infotafel informiert über die römische Tempelanlage. Seit einigen Jahren kann die Anlage mithilfe der Augmented-Reality-App „ARGO“ virtuell rekonstruiert betrachtet werden.
Das Gelände ist Teil mehrerer Wanderwege in der Region Hunsrück-Mosel und gilt als eines der bedeutendsten römischen Höhenheiligtümer im Umfeld von Trier.
Bilder
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Infotafel
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Mauerreste