Burg Passy-les-Tours

Die Burg Passy-les-Tours im Weiler (frz. hameau) Passy-les-Tours liegt im Gemeindegebiet von Varennes-lès-Narcy im französischen Département Nièvre (Region Bourgogne-Franche-Comté), sechs Kilometer nordöstlich von La Charité-sur-Loire, unweit der RN 151. Die trotz des Verfalls stattlichen Reste der in Privatbesitz befindlichen, auf Viehweiden stehenden, aber frei zugänglichen Burganlage sind seit 1927 in die Liste der Monuments historiques eingeschrieben und stehen folglich unter Denkmalschutz.[1]

Geschichte

Der Auftraggeber und der Baumeister der Burg Passy-les-Tours konnten bislang nicht eindeutig identifiziert werden. Als Initiator kommt Jehan de Chevenon in Betracht, einer der Ratgeber König Karls VI., der später zu den sogenannten Marmousets gezählt wurde und häufig, wenn auch ohne Beleg, als Auftraggeber genannt wird. Diese Annahme lässt sich mit der Untersuchung der Bauform verbinden und stützt die Vermutung, dass der anonyme Baumeister mit jenem identisch sein könnte, der im Auftrag eines anderen dem Rat des Königs angehörenden Mitglieds der Familie Chevenon den Bau der ebenfalls im Département Nièvre, 12 km südlich von Nevers gelegenen und ähnlich gestalteten Burg Chevenon leitete.

Im Verlauf des Hundertjährigen Krieges diente Passy-les-Tours ab 1422 dem capitaine Perrinet Gessard als Hauptquartier.[2] Der in englischen und burgundischen Diensten stehende Abenteurer hielt 1429 als Verteidiger der benachbarten Stadt La-Charité-sur-Loire der einen Monat dauernden Belagerung durch die von Jeanne d’Arc kommandierte französische Armee stand, bis diese mit Einbruch des Winters unter teilweiser Zurücklassung ihrer Artilleriegeschütze ohne Erfolg abzog.[3] Die Burganlage wurde während der Hugenottenkriege gegen Ende des 16. Jahrhunderts weitgehend zerstört und von den damaligen wie den späteren Besitzern dem Verfall überlassen.

Architektur

Die auf einem nahezu quadratischen Grundriss mit Seitenlängen von etwa 50 Metern errichtete Anlage war von vier runden Türmen flankiert, von denen einer erhalten ist. Der etwa 25 Meter hohe Donjon umfasst das stark beschädigte Burgtor, das sich zu dem eingestürzten Eingangsgewölbe öffnete. Zwischen den runden, auf Strebepfeilern und Konsolen ruhenden Tortürmen sind im oberen Bereich Brustwehr und Maschikuli erhalten geblieben. Das glatte Mauerwerk aus sorgfältig behauenen und gleichmäßig versetzten Quadern weist Bogen- und Schießscharten unterschiedlicher Formen auf. Die Öffnungen in der Wand des Wohntraktes haben im Obergeschoss ihre steinernen Fensterkreuze bewahrt; das Innere der Burg ist heute als Ruine mit weitgehend erhaltenen Außenmauern überliefert.

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Fußnoten

  1. Eintrag in der Datenbank Mérimée in der offiziellen Webpräsenz des französischen Kulturministeriums
  2. Informationstafel des Conseil général der Nièvre bei der Burgruine.
  3. Pierre-Gilles Girault: Jeanne d'Arc, Ed. Jean-Paul Gisserot, 2003 Paris, ISBN 2-87747-633-2 online

Koordinaten: 47° 12′ 54,5″ N, 3° 4′ 32,5″ O