Burg Benzigen
| Burg Benzigen | ||
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| Staat | Schweiz | |
| Ort | Glarus Süd | |
| Entstehungszeit | zw. 12. und 13. Jh. | |
| Burgentyp | Höhenburg, Spornburg | |
| Erhaltungszustand | Mauerreste | |
| Ständische Stellung | Adel | |
| Bauweise | Stein, tw. Megalithgrössen | |
| Geographische Lage | 47° 0′ N, 9° 4′ O | |
| Höhenlage | 565 m ü. M. | |
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Burg Benzigen ist eine mittelalterliche Burgruine und archäologische Stätte oberhalb des Dorfes Schwanden in der Gemeinde Glarus Süd im Kanton Glarus, Schweiz. Die Anlage erhebt sich auf einer markanten Geländeterrasse über dem Linth-Tal und zählt zu den faszinierendsten Zeugnissen des lokalen Hochmittelalters, obwohl nur noch wenige Mauerreste erhalten sind.
Lage
Die Burg liegt auf einer natürlichen Terrasse nördlich von Schwanden, die steil zur Linth-Schlucht abfällt. Sie befindet sich in unmittelbarer Nähe zur heutigen Hauptstrasse sowie zum Bahnhof Schwanden und steht damit im historischen Zentrum des Linth-Tales.
Geschichte
Die genaue Entstehungszeit und der ursprüngliche Name der Burg Benzigen sind nicht überliefert. Archäologische Merkmale des Gemäuers deuten jedoch stark auf eine Erbauung in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts hin, einer Zeit, in der zahlreiche Adelsfamilien des Hochmittelalters im Glarnerland begannen, strategische Höhenburgen zu errichten.
Es wird vermutet, dass die Burg im Besitz der Ritter von Schwanden war, einer lokalen Adelsfamilie, die im 13. Jahrhundert mehrfach urkundlich erwähnt wird und wohl Unterlehensnehmer der Windegger aus dem Sernftal war.
Lokalüberlieferungen und historische Quellen deuten darauf hin, dass die Anlage bereits im Spätmittelalter nicht mehr dauerhaft bewohnt war und im Laufe der Zeit in Vergessenheit geriet. So schreibt Fridolin Bäldi in der Chronik von den Landsgemeinden 1526 von der alten burg in Mitlödi. Wenige Jahre später nennt Aegidius Tschudi sie als die burg ze Schwanden uff dem Tänniberg in seinem Säckinger Urbar.
Der Name «Benzigen» erscheint erst im 18. Jahrhundert als Flurname ohne direkten Bezug zu einem bekannten Burgherrn.
Architektur
Die Burg war eine zweiteilige Höhenburg mit einer Vorburg und einer erhöhten Kernburg auf einem steilen Geländesporn. Der zentrale Wehrturm war aus mächtigen Megalithblöcken gebaut und bildete das Herzstück der Anlage. Trotz dem Verlust grosser Teile der Bausubstanz ist heute noch ein etwa 16 Meter langes Mauerstück des Nordwestturms zu sehen.
Die Gesamtfläche der Burganlage betrug etwa 30 × 60 Meter und war durch eine Ringmauer geschützt. Die Vorburg lag tiefer und war möglicherweise durch eine Palisade oder weitere Mauerzüge gesichert.
Erforschung und Ausgrabungen
Erste Sondiergrabungen erfolgten im Sommer 2005, gefördert durch lokale Vereine und Initiativen. Weitere Untersuchungen fanden 2008 statt, die bedeutende Erkenntnisse über den Grundriss und die Dimensionen der Mauern brachten. Dabei konnten bis zu 4 Meter hohe Mauern im Inneren der Kernburg freigelegt werden.
Trotz intensiver Grabungsarbeit blieb der Nachweis einer klar datierbaren Kulturschicht schwierig, da die Burg stark durch spätere Veränderungen überlagert wurde. Archäologen betonten die Notwendigkeit weiterer Grabungen mit schwerem Gerät, um definitive Antworten zur Nutzung und Chronologie der Anlage zu erhalten.
Heutiger Zustand
Heute sind nur noch spärliche Mauerreste erhalten, die von der einst mächtigen Burg zeugen. Schäden durch einen inzwischen stillgelegten Kalksteinbruch und eine kontrollierte Sprengung im Jahr 1969 führten dazu, dass grosse Teile der alten Mauern verloren gingen.
Trotzdem wirkt der verbliebene Turmmauerrest als kraftvolles Relikt einer Zeit, in der das Linth-Tal ein strategisches Bindeglied zwischen Alpenraum und Vorland war.
Besichtigung und Zugang
Die Ruine ist öffentlich zugänglich und kann auf einem kurzen Fussweg von Schwanden aus erreicht werden. Der Zugang erfolgt über Wanderwege, die an der Hauptstrasse leicht erkennbar sind. Aufgrund des Geländes ist die Anlage nicht rollstuhlgängig.
Siehe auch
Literatur
- Werner Meyer: Die mittelalterlichen Burgen und Wehranlagen des Kantons Glarus. In: Jahrbuch des Historischen Vereins des Kantons Glarus. Heft 65, Glarus 1974.
- Thomas Bitterli: Burgruine Benzigen bei Schwanden (GL): Ergebnisse der Sondierungen 2005 und 2008. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 15, 2010, S. 62–80.
- Fritz Hauswirth: Burgen und Schlösser der Schweiz. Band 6: Urschweiz und Glarus. Kreuzlingen 1970.
- Rolf Kamm: Glarner Burgen. In: Mittelalter. Zeitschrift des Schweizerischen Burgenvereins, 2010, S. 53–54.
- Daniel Reicke: «von starken und grossen flüejen»: Untersuchung zu Megalith- und Buckelquader-Mauerwerk (= Schweizer Beiträge zur Kulturgeschichte und Archäologie des Mittelalters. Bd. 22). Basel 1995.
Weblinks
- Burg Benzigen auf burgenwelt.org
- Burg Benzigen in der privaten Datenbank Alle Burgen.
- 3. Burg Benzigen, Infotafel zur Burg auf den Webseiten des Glarner Burgenweges
- Rolf Kamm: Fragen und Antworten zur Burg Benzigen (PDF; 179 kB)