Buren Watch Company

Buren Watch Company
Rechtsform Aktiengesellschaft
Gründung 1898
Auflösung 1972
Auflösungsgrund Liquidation
Sitz Büren an der Aare
Leitung Fritz Suter (bis 1898), Henry Williamson (1898–1931), Roland Gsell (1932–1966)
Mitarbeiterzahl ca. 400 (um 1950)[1]
Branche Uhrenmanufaktur

Die Buren Watch Company war eine Schweizer Uhrenmanufaktur. Das Unternehmen entstand 1898 aus der Übernahme der Schweizer Uhrenmanufaktur Fritz Suter & Cie in Büren an der Aare durch die Londoner Firma H. Williamson Ltd.[2]

Geschichte

Entstehung und Übernahme durch Williamson

Die Ursprünge der späteren Buren Watch Company liegen in der in Büren an der Aare ansässigen Firma Fritz Suter & Cie, welche seit 1843 Uhrenteile fertigte, ab 1873 eigene Taschenuhren herstellte und seit den 1880er-Jahren als Unternehmen firmierte. 1896 arbeiteten bereits 250 Mitarbeiter an Buren-Uhren. Im Jahr 1898 übernahm die Londoner Firma H. Williamson Ltd, welche bis dato Uhren in England fertigte, die Fabrik Fritz Suter & Cie in Büren, was als Gründung der Buren Watch Company gilt.[3][4]

Im Jahr 1899 wurde H. Williamson Ltd. nach dem Merchandise Marks Act von 1887 verurteilt, da Uhren mit in der Schweiz gefertigten Werken fälschlich als englische Produkte deklariert worden waren. Daraufhin ließ Williamson Maschinen für die Teilefertigung in Coventry installieren, nutzte die Schweizer Werke in Büren jedoch weiterhin. Statt Einzelteile nach England zu liefern, produzierte man nun vollständige Uhren, die unter dem Namen Buren nach Großbritannien exportiert wurden.[3][5]

Um 1904 wurden etwa 500 Uhren pro Tag hergestellt. Ab 1907 fertigte Williamson alle Uhren vollständig in Büren und exportierte sie als Swiss Made nach England.[6] Im Jahr 1916 ergänzte Williamson den Firmennamen offiziell um zu „Buren Watch Co.“.[7]

Während des Ersten Weltkrieges startete Buren mit dem Bau eigener Kaliber und fertigte neben Taschenuhren nun auch Armbanduhren.[7] Nach dem Krieg expandierte Buren weiter. 1925 erhielt Buren ein Patent für ein Verfahren, Lagersteine durch Presspassung im Uhrwerk zu befestigen.[4] In den späten 1920er Jahren produzierte Buren jährlich rund 200.000 Uhren.[4] Auf internationalen Ausstellungen erzielte man Anerkennung, so wurde Buren auf der Weltausstellung Barcelona 1929 mit einem Preis ausgezeichnet.[7]

Eigenständiges Unternehmen (1932–1966)

Nachdem das Mutterunternehmen H. Williamson Ltd. 1932 durch Folgen der Weltwirtschaftskrise nach 1929 unter Zwangsverwaltung gestellt und schließlich aufgelöst wurde, übernahm ein Schweizer Konsortium unter Führung des schweizerisch-amerikanischen Finanziers Roland Gsell die Fabrik in Büren.[5] Damit war das Unternehmen nicht länger Teil des englischen Konzerns und firmierte sich als Uhrenfabrik Buren AG (Buren Watch Co. SA). Kurz darauf traten die Brüder Jean und Hans Kocher in die Geschäftsleitung ein und organisierten das Unternehmen neu. Die ehemaligen Williamson Werke in Coventry fungierten jetzt als Importeur der Buren-Uhren unter der Firma Rotherham & Sons.[8][7][9]

Übernahme durch Hamilton und Ende

Mitte der 1960er Jahre geriet Buren, wie viele Schweizer Hersteller, in wirtschaftlichen Druck. Der Mehrheitseigner Roland Gsell suchte einen Ausstieg und leitete den Verkauf an einen größeren Partner ein. Somit wurde die Uhrenfabrik Buren AG schließlich 1966 von der amerikanischen Hamilton Watch Company aufgekauft.[4]

Daraufhin verlagerte Hamilton seine gesamte Uhrenproduktion von den USA nach Büren. Somit wurden die Buren-Werke Fertigungsstätte für den Großteil der Hamilton Uhren. Nach 1966 trat Buren als Marke unter Hamilton zunehmend in den Hintergrund.[4][10]

Nachdem Anfang der 1970er Jahre Quarzuhren rapide an Marktanteilen gewannen, verschlechterte sich die finanzielle Lage des Hamilton Konzerns. So übernahm heutige Swatch Group 1971 die Hamilton Watch Co. zu welcher Buren gehörte. Doch bereits 1971 wurde die Produktion in Büren eingestellt und die Fabrikgebäude verkauft. 1972 folgte dann die endgültige Liquidation der Buren Watch Company.[11][10][9]

Verbleib der Marke seit 1972

Nach der Stilllegung der Produktion in Büren und der Liquidation blieb der Markenname Buren erhalten und wurde später wieder genutzt. In den 1990er-/2000er-Jahren tauchte die Marke im deutschsprachigen Raum erneut auf; seit den 2020er-Jahren besteht eine Schweizer Webpräsenz unter Buren SA.[12] Die heutige Webpräsenz führt historische Linien fort (u. a. Trench, Grand Prix, Rotowind, Super Slender, Intramatic, Chronomatic) und bietet entsprechende Kollektionen an.[13]

Produkte und Innovationen

Militäruhren

Während des Zweiten Weltkriegs gehörte Buren zu den zwölf Schweizer Herstellern, die von der britischen Regierung beauftragt wurden, robuste Dienstuhren für die Armee herzustellen (später als „Dirty Dozen“ bekannt).[14] Für die britischen Streitkräfte fertigte Buren etwa 11.000 Uhren des Modells Grand Prix mit dem eigenen Kaliber 426. Die britische Regierung hatte strenge Spezifikationen an die Uhren, so musste sie ein schwarzes Zifferblatt mit arabischen Ziffer, eine kleine Sekunde, Leuchtzeiger, ein stoßgesichertes 15-steiniges Werk sowie ein wasserdichtes Gehäuse und bruchsicheres Plexiglas aufweisen.[10][2]

Buren lieferte zudem während des Krieges wöchentlich Tausende einfacher „Trench Watches“ an die Alliierten.

Automatikwerke

Nach dem Kriegsende führte Buren bereits 1945 eigene Automatikuhren mit pendelnder Schwungmasse ein. Darauf folgend präsentierte Buren 1953 die Kaliber 535 bis 539 unter dem Namen „Rotowind“ mit freidrehendem Rotor.[4]

Mikrorotor und Lizenzvergaben

Die wohl größte technische Innovation von Buren folgte 1954 mit der Patentanmeldung am 21. Juni 1954 (Patent CH 329804) für einen neuartigen Automatikaufzug. Ein planetenförmigen Mikrorotor, der nicht auf dem Uhrwerk aufsetzt, sondern vollständig in dessen Ebene integriert ist. Die Planetary Rotor genannte Konstruktion, ermöglichte extrem flache Automatikkaliber. Die ersten Serienuhren dieses Typs kamen 1957 auf den Markt. Mit nur 4,2 mm Höhe war das Kaliber 1000 im Jahr 1957 das flachste Automatikwerk der Welt. Folgend darauf wurde 1962 das Kaliber 1280 mit nur 2,8 mm Höhe vorgestellt.[15][4][7]

Viele Schweizer Uhrenmanufakturen wie IWC oder Piaget nutzten Burens Patent um Automatikwerke zu entwickeln. Als Lizenzgebühr waren vier Schweizer Franken pro Werk vereinbart.[15][4]

Chrono-Matic (Kaliber 11)

Buren war als Tochterfirma Hamiltons 1969 zusammen mit Hamilton, Breitling und Heuer-Leonidas an der Entwicklung des ersten automatischen Chronographens, dem Chrono-Matic mit Kaliber 11 beteiligt.[2][4] Die Entwicklung wurde am 3. März 1969 in New York und Genf vorgestellt.[16]

Kollektionen

  • Grand Prix (Dirty Dozen)
  • Rotowind
  • Super Slender
  • Intramatic
  • Chrono-Matic

Literatur

  • Hans Kocher: Die Geschichte der Uhrmacherei in Büren / Schweiz. Verlag Ortsmuseum Büren, Büren an der Aare 1988, ISBN 3-939315-27-3.

Einzelnachweise

  1. Hans Kocher: Die Geschichte der Uhrmacherei in Büren. Verlag Ortsmuseum Büren, Büren an der Aare 1988, ISBN 3-939315-27-3, S. 214 ff.
  2. a b c BUREN. Archiviert vom Original (nicht mehr online verfügbar) am 12. Dezember 2024; abgerufen am 5. September 2025 (Schweizer Französisch).
  3. a b 1848-1899. Abgerufen am 5. September 2025 (Schweizer Französisch).
  4. a b c d e f g h i History of Buren Watch, Buren Watches, Vintage military Buren watches. Abgerufen am 5. September 2025.
  5. a b H. Williamson. Abgerufen am 6. September 2025.
  6. 1900-1999. Abgerufen am 5. September 2025 (Schweizer Französisch).
  7. a b c d e The true story of Buren watches. Abgerufen am 5. September 2025 (englisch).
  8. TRENCH. Abgerufen am 5. September 2025 (Schweizer Französisch).
  9. a b Die Uhrenfabrik Buren AG. Abgerufen am 5. September 2025.
  10. a b c The Dirty Dozen: History’s Most Legendary Field Watches. 7. Oktober 2022, abgerufen am 5. September 2025 (englisch).
  11. WatchPatrol: Community Powered Watch Search. Abgerufen am 5. September 2025.
  12. Legal notices. In: BUREN (offizielle Website). Abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  13. Collections. In: BUREN (offizielle Website). Abgerufen am 6. September 2025 (englisch).
  14. GRAND PRIX. Abgerufen am 6. September 2025 (Schweizer Französisch).
  15. a b History of the Microrotor | Chrono24 Magazine. Abgerufen am 5. September 2025 (englisch).
  16. Breitling Watch Stories: 140 Years of Spirit & Innovations. Abgerufen am 6. September 2025 (britisches Englisch).