Bunter Teller

Der Bunte Teller oder Weihnachtsteller, auch Süßer Teller genannt, gehört zu den zahlreichen Bräuchen, die Weihnachten als zentrales Fest im Winter auch von benachbarten Festen auf sich zog.

Brauchtum

Nikolaus

Als Gabenteller entstammt der Bunte Teller ursprünglich dem Brauchtum des Nikolaustages zu Erinnerung an Nikolaus von Myra. Der Begriff „Nikolausteller“ erlebte nach der Deutschen Wiedervereinigung eine neue Blüte.[1] Mit Nüssen, Früchten und Gebäck wurden am Tag des beliebten Heiligen vor allem die Kinder beschert.[2] Durch zwei Legenden hat sich Nikolaus den Ruf als »Kinderbischof« erworben: Durch die heimliche, nächtliche Bescherung von drei Jungfrauen ohne Mitgift und durch die Wiederbelebung von drei Knaben.[3] Bekannt ist der bunte Gabenteller zum Nikolaustag auch aus dem bis heute populären Lied Lasst uns froh und munter sein.[4]

Weihnachten

Der Begriff „Weihnachtsteller“ ist erstmals 1927 nachzuweisen und bezeichnet einen farbig und schmückend mit Weihnachtsmotiven bedruckten Pappteller als Unterlage für insbesondere Süßigkeiten. Es folgte eine Blütezeit, die etwa bis in die 1960er- und 1970er-Jahre andauerte. Danach begann die Bedeutung nach und nach abzuebben, ohne jedoch völlig zu verschwinden.[5][6]

Neujahr

Als Zeichen der Üppigkeit und Fülle gehört der Bunte Teller auch zum Brauchtum des Neujahrsfestes. Es gehört zu den am weitesten verbreiteten und allgemeinsten Bräuchen, in einer Übergangszeit an deren Schwelle als Übergangsritus verschwenderischen Wohlstand zu zeigen. Bezogen auf den Jahreswechsel bedeutet der Bunte Teller: „So gut soll es uns auch im nächsten Jahr gehen. So voll soll unser Teller auch in Zukunft sein …“

Literatur

  • Jacobus de Voragine: Legenda aurea, aus dem Lateinischen übersetzt von Richard Benz, Heidelberg 1979, ISBN 3-7953-0601-9
  • Hermann Kirchhoff: Christliches Brauchtum. Feste und Bräuche im Jahreskreis, München 1995, ISBN 3-466-36416-7
  • Rüdiger Vossen: Weihnachtsbräuche in aller Welt, Hamburg 1985, ISBN 3-7672-0915-2
  • Ingeborg Weber-Kellermann: Das Buch der Weihnachtslieder, Mainz 1982, ISBN 3-7957-8213-9

Einzelnachweise

  1. Verlaufskurve. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  2. Kirchhoff, S. 31 ff.
  3. Legenda aurea, S. 26 ff.
  4. Weber-Kellermann, S. 327 ff.
  5. ThomasOlivier: Weihnachten: Und wer hat's wann erfunden? Mitteldeutsche Zeitung, 23. Dezember 2011, abgerufen am 16. Dezember 2025.
  6. Verlaufskurve. Digitales Wörterbuch der deutschen Sprache, abgerufen am 16. Dezember 2025.