Bundesinstitut für Gehörlosenbildung
é
Das Bundesinstitut für Gehörlosenbildung (BiG), gegründet als kaiserlich königliches Taubstummeninstitut zu Wien, ist die erste Gehörlosenschule in Österreich.[1][2]
Geschichte
1777 lernte Kaiser Joseph II. Abbé Charles-Michel de l’Epée und seine Arbeit mit gehörlosen Kindern am Institut National de Jeunes Sourds de Paris bei einem Besuch seiner Schwester kennen. Er beschloss auch in Österreich eine Gehörlosenschule zu errichten, um alle gehörlosen Kinder aus der gesamten Monarchie und allen sozialen Schichten zu unterrichten. Johann Friedrich Storck[3] und Joseph May[4][5] wurden deshalb in Paris von Abbé de l’Epée ausgebildet.[1]
1779 wurde die Gehörlosenschule unter Storck als Direktor als eine der ersten Schulen für gehörlose Kinder weltweit in Wien gegründet. Dies führte zu weiteren Schulgründungen im Königreich Österreich-Ungarn.[1]
1786 befasste sich Storck mit den methodischen Zeichen von Abbé de l'Epée und schrieb dazu eine Anleitung für den Unterricht mit methodischen Zeichen und ein Handalphabet (Fingeralphabet) für die Österreichische Gebärdensprache. Joseph May folgte Storck als 2. Direktor. Michael Venus war der 3. Direktor.
1916 wurde der zweitälteste Kindergarten der Welt für gehörlose Kinder gegründet und damit ein durchgehendes Ausbildungsprogramm vom Kleinkind bis zum jungen Erwachsenen geschaffen.[6]
Neben dieser Schule gab es in Wien und Niederösterreich auch noch die Landes-Taubstummenanstalt Wiener Neustadt, das Allgemeine Österreichische Israelitische Taubstummeninstitut Wien und die Niederösterreichische Landes-Taubstummenanstalt Wien-Oberdöbling, da jedes gehörlose Kind des Habsburger Königreichs grundsätzlich nach Wien an eine Gehörlosenschule gehen konnte.[1]
Standort
Die ersten 133 Jahre war die Schule in verschiedenen Gebäuden untergebracht:
- 1779 im Wiener Bürgerspital[1]
- 1782 in einer Wohnung im Stöger’schen Hause Nr. 789[1]
- 1784 im ehemaligen Kloster der Pazmaniten am Dominicanerplatz Nummer 683[1]
- 1807 im Windhagischen Stiftungshaus[1]
- 1821 im Haus auf der Wieden Nummer 162[7] neben dem Theresianum[6]
- 13. März 1912 Institutsgebäude in der Speisinger Str. 105 im 13. Bezirk[6]
Seit 1982 befindet sich das Schulzentrum am heutigen Standort in der Maygasse 25, benannt nach dem früheren Direktor Joseph May.[1]
Unterrichtsmethode
Die Wiener Schule (Wiener Mischmethode) fühlte sich anfangs der Französischen Methode mit Gebärden verbunden. Nachdem May 1792 Direktor wurde, wurde zusammen mit Wolfgang von Kempelen aus einer sozialen Erwägung heraus die Lautsprachbildung Teil des Unterrichts. Die Schriftsprache mit Fingeralphabet und Gebärden blieb aber Teil des Unterrichts. Die Lautsprache fristete trotzdem ein Randdasein. Mays Nachfolger Michael Venus gilt durch seine Zusammenfassung der methodischen Grundsätze der Wiener Schule, seine lange Amtszeit und seine Starrheit als typischer Vertreter dieser. Sein Unterricht wurde durch genaue Anweisungen geregelt, die den Sprachaufbau gemäß der Grammatik und der Gebärde als Träger des Lehrverfahrens vorschrieben. Venus und Franz Hermann Czech[8] wurden von Franz Joseph I. beauftragt ihre Lehrart bei öffentlichen Vorträgen vorzustellen. Czech sah die Lautspracherziehung durch das Vorhandensein der Sprechwerkzeuge und ihrer grundsätzlichen Funktionsbereitschaft bei gehörlosen Kindern als gerechtfertigt an.
Heute wird bimodal-bilingual unterrichtet.[9]
Aufbau
Die Schule beherbergt:[6][10][11]
- Frühförderung
- Kindergarten
- Sonderschule (KEF-Schule/HSB-Gruppe) Vorschule, Volksschule, Mittelschule (in inklusiver Form oder in Kleingruppen)
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ a b c d e f g h i Masterarbeit Gehörlosenbildung Österreich 18./19. Jahrhundert. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Deaf History - Europe - 1779: First School for the Deaf in Austria, Vienna. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Storkgasse. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 23. Mai 2025; abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Josef May. Archiviert vom (nicht mehr online verfügbar) am 20. März 2025; abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Maygasse. Abgerufen am 1. Oktober 2025 (englisch).
- ↑ a b c d Geschichte der Institution – BiG. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Taubstummeninstitut. In: Wien Geschichte Wiki. Wiener Stadt- und Landesarchiv (MA 8) und Wienbibliothek im Rathaus (MA 9), 7. November 2023, abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ 'versinnlichte denk- und sprachlehre, mit anwendung auf die religions- und sittenlehre und auf das leben : mit 72 kupfertafeln' - Digitalisat | MDZ. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Schulkonzept – BiG. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Schulkonzept – BiG. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
- ↑ Standort BiG – BiG. Abgerufen am 1. Oktober 2025.
Koordinaten: 48° 9′ 48,9″ N, 16° 17′ 6,6″ O