Buchwalde (Knappensee)

Buchwalde, sorbisch Bukojna, war ein sorbisches Dorf in der Oberlausitz, etwa 4,5 km östlich von Wittichenau und 2 km nördlich von Groß Särchen im heutigen Landkreis Bautzen. Der Ort wurde zwischen 1929 und 1932 im Zuge der Erweiterung des Braunkohletagebaus Werminghoff I durch die Eintracht Braunkohlenwerke und Brikettfabriken AG als eines der ersten Dörfer in der Lausitz devastiert und überbaggert. Die amtlich registrierte Zahl der umgesiedelten Personen betrug 350.

Geschichte

Der Ort wurde erstmals im Jahr 1401 als Buchwalt urkundlich erwähnt. In späteren Jahrhunderten finden sich die Formen Buchwalde (1418 ff.) und Bukownia (1719) auf. Die sorbische Namensform Bukojna leitet sich ab vom altsorbischen bukowina, „(Siedlung im oder am) Buchenwald“.

Während der Feudalzeit gehörte Buchwalde zur Standesherrschaft Hoyerswerda. Kirchlich war das Dorf nach Groß Särchen eingepfarrt.

Ab 1918 zogen zunehmend Arbeiter in den Ort. Die Auswirkungen des Tagebaus führten zum Absinken des Grundwasserspiegels und zur Ertragsminderung der Felder. Die Eintracht AG begann, Grundstücke aufzukaufen. Viele Bauern veräußerten ihren Besitz, teils stark entwertet durch die Inflation. Einige siedelten in benachbarte Regionen um, andere wurden Arbeiter im Bergbau.

Ab 1924 war Buchwalde faktisch eine Industriegemeinde mit 90 bis 100 Haushalten. Die Infrastruktur wurde verbessert: 1925 erhielt der Ort eine Wasserleitung und elektrisches Licht, es wurden Wege angelegt, die Schule verbessert und personell aufgestockt und die Feuerwehr gegründet.

In einer späteren Darstellung wird Buchwalde in seiner Struktur als typisches sorbisches Dorf in der nördlichen Oberlausitz beschrieben: Die Dorfstraße war von Gräben, Obstbaumreihen und Fußwegen gesäumt. Die Häuser standen mit dem Giebel zur Straße; Wohnhaus, Stall und Scheune bildeten zusammen ein geschlossenes Gehöft. Viele Gebäude trugen Initialen der Erbauer am Giebel. Das Gasthaus Rich, an der Kreuzung der Straße Wittichenau–Koblenz, verfügte über einen Tanzsaal, der 1929 nach Koblenz an das dortige Gasthaus versetzt wurde. Die Schule des Ortes wurde später nach Maukendorf verlegt.[1]

Im Jahr 1928 wurden die letzten Gemeindegrundstücke an die Eintracht AG verkauft, auf der Ortslage durch das Lauchhammerwerk die erste Förderbrücke errichtet und der Großteich Groß Särchen trockengelegt. Alle Gebäude bis auf eines, das aufgrund seiner Bauweise aus Holz, Stroh und Lehm zerfiel, wurden zum Abbruch verkauft.

Der zunächst von Norden nach Süden schwenkende Tagebau Werminghoff I erreichte im Jahr 1929 das Dorf. In den darauffolgenden vier Jahren wurde der Ort überbaggert.[2]

Die letzten Einwohner verließen 1931 den Ort. Sie zogen teils nach Groß Särchen, teils nach Werminghoff (das heutige Knappenrode) in werkseigene Häuser. Erhalten blieb der Ausbau Neubuchwalde südwestlich des eigentlichen Ortes, der heute an der Abzweigung der Wittichenauer Straße von der B 96 liegt.

Am 1. Januar 1931 wurde die Gemeinde aufgelöst.

Bevölkerung

Im Jahr 1884 lebten in Buchwalde neun Halbbauern (Halbhüfner), fünf Großgärtner (Viertelhüfner), 37 Groß- und Kleinhäusler, drei Mieter und zwei Gastwirte.

Die Einwohnerzahlen entwickelten sich wie folgt:

Jahr 1825 1871 1884 1905
Einwohner 147 248 256 223

Nach dem Ersten Weltkrieg stieg die Einwohnerzahl infolge der Industrialisierung durch den Braunkohlenbergbau erstmals über 300.

Der vorletzte Gemeindevorsteher von Buchwalde, August Lapstich, veröffentlichte am 5. März 1931 in der Serbske Nowiny eine Liste der 41 Haus- und Grundbesitzern und der sonst erwähnenswerten Bewohner Buchwaldes.[3] Viele entschieden sich bewusst für neue Höfe in der näheren oder weiteren Umgebung der Oberlausitz. Nur ein ehemaliger Bewohner zog in die Niederlausitz.

Arnošt Muka stellte im Jahr 1884 fest, dass die 256 Einwohner von Buchwalde alle Sorben waren. 1914 besuchten 74 sorbische und sieben deutsche Kinder, ein Jahr später 75 sorbische und 16 deutsche Kinder die Schule in Buchwalde.[4]

Heutige Lage und Erinnerungsstätte

Heute befindet sich auf dem ehemaligen Siedlungsgebiet der Knappensee.

Am 9. Juni 2007 errichtete die Domowina im Rahmen des Tages der abgebaggerten sorbischen Dörfer am Südufer des Knappensees einen Gedenkstein für das untergegangene Dorf Buchwalde.[5] Der Granitfindling trägt die Inschrift Buchwalde „BUKOJNA 1401 – 1931“. Daneben befindet sich eine Informationstafel mit der Ortsgeschichte sowie ein Linde.[6][7]

Das Gelände ist derzeit (Stand: Oktober 2025) als geotechnischer Sperrbereich ausgewiesen und die Erinnerungsstätte nicht zugänglich.[8] Seit Oktober 2025 erinnern Banner an der Absperrung des Knappensees u. a. an das untergegangene Dorf.[9]

Siehe auch

Literatur

  • Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa/Elke Nagel: Buchwalde. Erinnerungen an die verlorene Heimat, 2. Auflage, Lohsa 2016.
  • Sächsisches Industriemuseum/Lausitzer Bergbaumuseum Knappenrode Förderverein und R. Lorenz, Was bleibt – 90 Jahre Ortsumsiedlungen im Lausitzer Braunkohlerevier. Begleitbuch zur Wanderausstellung „Was bleibt“, Chemnitz 2015, S. 5–13.
  • Ring Deutscher Bergingenieure e. V., Bezirksverein Lausitzer Braunkohle (Hrsg.), 100 Jahre Braunkohlenbergbau um Werminghoff (Knappenrode) und Lohsa, Spitzkunnersdorf 2014, S. 18–22.
  • Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3., bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 52–57.
  • Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung, Horno 2010, S. 334–335.
  • Förderverein Begegnungsstätte Zejler-Smoler-Haus Lohsa/Werner Thomas: Verschwundene Orte und Ortsteile um Lohsa, Lohsa 1997.
  • Ernst Eichler, Hans Walther: Ortsnamenbuch der Oberlausitz. Studien zur Toponymie der Kreise Bautzen, Bischofswerda, Görlitz, Hoyerswerda, Kamenz, Löbau, Niesky, Senftenberg, Weißwasser und Zittau. Bd. I: Namenbuch, Berlin 1975, S. 43.
  • Karlheinz Blaschke: Historisches Ortsverzeichnis von Sachsen. 4. Teil: Oberlausitz, Leipzig, 1947 S. 41.
  • August Lapstich: Serbska wjes Bukojna zašła. In: Serbske Nowiny Nr. 54, 3. März 1931, Beilage.
  • Arnošt Muka: Statistika hornjołužiskich Serbow pruskeho kralestwa. In: Časopis Maćicy Serbskeje 1885, Jg. XXXVIII, S. 10, 39.
  • Buchwalde im Archiv verschwundener Orte
  • Buchwalde auf KuLaDig. Kultur.Landschaft.Digital.
  • Buchwalde im Historischen Ortsverzeichnis von Sachsen

Einzelnachweise

  1. Georg Preibsch: Chronik von Buchwalde (unveröffentlichtes Manuskript). (Abgedruckt in Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier, 3. bearbeitete und erweiterte Auflage, Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 53–55).
  2. Lausitzer und Mitteldeutsche Bergbau-Verwaltungsgesellschaft mbH: Werminghoff/Knappenrode (Wandlungen und Perspektiven 17). Senftenberg 2024 (lmbv.de [PDF]).
  3. Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 3. bearbeitete und erweiterte Auflage. Domowina-Verlag, Bautzen 2014, S. 55 f.
  4. Archiv verschwundener Orte: Dokumentation bergbaubedingter Umsiedlung. Horno 2010, S. 334.
  5. Archiv Verschwundener Orte - Erinnerungsstätte für Buchwalde. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
  6. Gedenkstein für den devastierten Ort Buchwalde. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
  7. Torsten Richter: Heimat, die bleibt. Ortserinnerungsstätten in der Lausitz. Regia-Verlag, Cottbus 2013, S. 174 f.
  8. Buchwalde/Bukojna. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. Abgerufen am 21. Oktober 2025.
  9. Andreas Kirschke: Knappensee: Wo einst das sorbische Dorf Buchwalde lag. 19. Oktober 2025, abgerufen am 21. Oktober 2025.

Koordinaten: 51° 22′ 53″ N, 14° 18′ 40″ O