Bucephalandra motleyana

Bucephalandra motleyana

Bucephalandra motleyana[1]

Systematik
Ordnung: Froschlöffelartige (Alismatales)
Familie: Aronstabgewächse (Araceae)
Unterfamilie: Aroideae
Tribus: Schismatoglottideae
Gattung: Bucephalandra
Art: Bucephalandra motleyana
Wissenschaftlicher Name
Bucephalandra motleyana
Schott

Bucephalandra motleyana ist eine Pflanzenart aus der Familie der Araceae und der Gattung der Bucephalandra, die endemisch in Kalimantan auf Borneo beheimatet ist und deren genaue Typuslokalität nicht mehr bekannt ist, sodass sie in der Natur nicht wiedergefunden wurde. Es handelt sich um eine „rheophytische Pflanze“ („Strömungspflanzen“), das heißt, dass sie an fließende Gewässer und an regelmäßige Überflutung angepasst ist. Sie wächst auf Felsen an Bächen und Flussufern und kommt dort in mattenartigen Beständen auf Gestein angewachsen vor.

Etymologie

Die männlichen Blüten wurden mit einem gehörnten Kuh- oder Stierkopf verglichen, daher stammt auch der Gattungsname: Bucephalandra leitet sich von den griechischen Wörtern βοῦς („bous“; Stier oder Kuh); κεφαλή („kephalē“; Kopf); und ἀνήρ („anēr“, „andros“; Mann) ab (Mayo, Bogner & Boyce 1995). Das Artepitheton motleyna ehrt James Motley (1822–1859), der Bucephalandra motleyana Mitte des 19. Jahrhunderts auf Borneo sammelte.[2]

Beschreibung

Heinrich Wilhelm Schotts ursprüngliche Erstbeschreibung von Bucephalandra motleyana, die er im Jahr 1858 angefertigt hatte, ist spärlich und enthält schwerwiegende Fehler (siehe Bogner 1980).[3] Nachfolgende Beschreibungen (Bogner 1980; Bogner & Hay 2000) wurden aus zahlreichen verschiedenen Arten zusammengestellt, entsprechend den damaligen taxonomischen Konzepten, und sind daher für die Darstellung von Bucephalandra motleyana nicht zuverlässig. Laut Wong Sin Yeng & Peter Boyce 2014 ist eine erneute Dokumentation und exakt verortete Sammlung von B. motleyana am Typusfundort erforderlich (siehe oben).[3]

Nach dem Bestimmungsschlüssel von Wong & Boyce (2014) weist B. motleyana als Blütenstandsmerkmale auf:

  • Der Appendix („Anhang“) des Kolbens (Spadix) ist ellipsoid ausgeformt,
  • Die Staminodien (das sind unfruchtbar gewordene, also sterile oder verkümmerte Staubblätter), die diesen Appendix bedecken, haben eine papillöse, aber nicht stachelige (echinate) Oberseite,
  • Die Theken (Staubbeutel-Hälften) der männlichen Blüten sind verborgen (nicht vorspringend).
  • Die Hörner dieser Theken sind nach unten gerichtet, wenn die männlichen Blüten reif sind,
  • Die Hörner der Theken haben an der Basis einen Ring von Warzen.[2][3]

Ökologie

Auch wenn Wong Sin Yeng & Peter Boyce 2011 im Newsletter der International Aroid Society in Abbildung 24 ein Foto von Bucephalandra motleyana in situ präsentierten und als „eine Rheophyte“ vorstellten, „die am häufigsten Kalkstein-Flussbetten und -Ufer bevorzugt“, „jedoch auch auf sehr harten, feinkörnigen Sandsteinen vorkommen“ könne, „wie beispielsweise im Penrissen-Gebirge im Südwesten von Sarawak“ (im Original in Englisch: „Bucephalandra motleyana Schott is a rheophyte most often favouring limestone stream beds and banks. However, it can also occur on very hard fine-grained sandstones, as in the Penrissen range of SW Sarawak.“),[4] so schreiben sie 2014 (Woing & Boyce 2014) ganz im Gegenteil, die ökologischen Aspekte von B. motleyana seien unbekannt, aber sehr wahrscheinlich sei auch diese Bucephalandra rheophytisch. Der Großteil des Meratus-Gebirges, aus dem Bucephalandra motleyana sehr wahrscheinlich stamme, sei ultramafisch und weise Granitaufschlüsse auf.[3] Ultramafisches Gestein ist ein magmatisches Gestein, das zu 90 Vol.-% oder mehr aus mafischen Mineralen besteht und ist somit in hohem Maße magnesium- und eisenhaltig.[3]

Verbreitung

Höchstwahrscheinlich wurde B. motleyana im südlichen Teil der Meratus-Berge (heutiges Kalimantan Selatan) aufgesammelt, dies muss jedoch noch vor Ort bestätigt werden, falls die Art dort wiedergefunden wird.[3] Der Meratus ist ein heiliger Berg und ein Gebirgszug im Südosten der Insel Borneo.

Systematik und botanische Geschichte

Im Jahr 1858 stellte Heinrich Wilhelm Schott die Gattung Bucephalandra auf. Als erste Art beschrieb er Bucephalandra motleyana nach einer Pflanze aus Süd-Kalimantan.[5] Bucephalandra motleyana Schott galt in Folge als eine sehr formenreiche, weit verbreitete Art, weil in ihr zunächst alle damals bekannten restlichen Bucephalandra- und Microcasia-Artnamen als Synonyme eingeschlossen waren.[5] Der Wasserpflanzenfreund und Exporteur von Lebewesen für die Vivaristik Wiliam („Wim“) A. Tomey fand Bucephalandra während der Regenzeit am Fluss Hulu Sungai Landak, nahe des Wasserfalls Ait Terjun Melanggar im Juni 2001 sowohl submers fest verankert auf glattem Gestein in starker Strömung in etwa 1 m tiefem Wasser, als auch emers in der Trockenzeit im August 2002 bei Serimbu in Blüte.[6] Diese Pflanzen, die Wim Tomey aus der Umgebung von Serimbu in West-Kalimantan mitgebracht hatte, verbreiteten sich als B. motleyana unter den Aquarianern und Pflanzenliebhabern, zumal Wim Tomey diese Spezies 2004 in der auf Aquarienpflanzen spezialisierten Zeitschrift Aqua Planta (Herausgeber: Arbeitskreis Wasserpflanzen) als aquaristisch neue Pflanze vorstellte. In Folge unterschieden die Aquarianer die Pflanzen aus Tomeys Aufsammlung als „die Art“ B. motleyana von den neu importieren „Arten“.[2] Was unter Bucephalandra motleyana verstanden wird, hängt aber von den unterschiedlichen taxonomischen Konzepten der botanischen Autoren ab. Bogner & Hay (2000) akzeptierten seinerzeit nur zwei Bucephalandra-Arten, B. gigantea sowie B. motleyana. Letztere sahen sie als äußerst variable Art an, die auf Borneo weit verbreitet ist und alle restlichen später beschriebenen Arten einschließt. Der Niederländer Wim Tomey (Tomey 2004) sowie Christel Kasselmann (Kasselmann 2010) folgen diesem Konzept und nennen als die Pflanzen von Serimbu B. motleyana. Aber auch praktisch alle „neuen Arten“, die in der Aquaristik eingeführt wurden, konnten seinerzeit zu B. motleyana gezählt werden, wenn man nach dem Konzept von Bogner & Hay (2000) vorging.[2] Wong & Boyce (2014) hingegen unterscheiden vorläufig 29 Bucephalandra-Arten und schätzen die wirkliche Artenzahl auf über 50. Wong & Boyce beziehen die Artbezeichnung Bucephalandra motleyana nur auf die Pflanzen, nach denen Heinrich Wilhelm Schott 1858 die Art und mit ihr die Gattung Bucephalandra beschrieb. Diese B. motleyana (sensu stricto = im engeren Sinne) ist vermutlich nicht in Aquarienkultur vorhanden, die Bezeichnung dürfte irrtümlich für eine oder mehrere andere Bucephalandra verwendet werden, sodass die oben in der Taxobox abgebildete Pflanze auch nicht zuverlässig die von James Motley aufgesammelte Pflanze wiedergibt. Der genaue Fundort von Bucephalandra motleyana, die Schott erstbeschrieb, ist unbekannt. Vermutlich liegt er in Kalimantan Selatan, bei Banjarmasin, im südlichen Bereich der Meratus-Berge.[2]

Nicht mehr bekannte Typuslokalität

James Motley sammelte B. motleyana in Borneo. Das Typusexemplar wird im Kew Herbarium (England) als Typus-Herbarbeleg der gesamten Gattung Bucephalandra aufbewahrt. Seit Motleys Originalaufsammlung wurde der Holotypus B. motleyana allerdings nicht in der Natur wiedergefunden. Dies lässt darauf schließen, dass B. motleyana wahrscheinlich ein Lokalendemit (ein auf ein kleines Gebiet beschränktes Taxon) ist.[2]

Aus Sicht der taxonomischen Stabilität finden Professor („Associate“) an der Universität Malaya (Sarawak) Wong Sin Yeng und Peter C. Boyce (Centro Studi Erbario Tropicale, Universität Florenz) es dringend erforderlich, den Gattungstypus (das Typusexemplar) B. motleyana Schott wiederzufinden, der seit James Motleys ursprünglicher Sammlung im heutigen Kalimantan Selatan nicht wiedergefunden wurde. James Motleys Typuslokalität bleibt unpräzise, obwohl sie aufgrund Motleys bekannter Aktivitäten wahrscheinlich im südlichen Teil des Meratus-Gebirges liegt, das selbst damals, in den 1850er Jahren, von Banjarmasin, der nächstgelegenen Großstadt und Hafenstadt (heute Hauptstadt der Provinz Südkalimantan, Indonesien), aus relativ leicht zu erreichen war. Die kommerziellen Namen („Handelsnamen“), die für noch nicht bestimmte Arten oder sonstige Taxa im Bucephalandra motleyana-Komplex gelten, sind: „Amanda“, „Brownie“, „Diana“, „Helena“, „Neoamanda“, „Themis“ und „Ulysses“.[3]

Trotz der fast universellen Verwendung des Namens Bucephalandra motleyana für Bucephalandra-Pflanzen in Herbarien, in der Literatur, in lebenden Sammlungen und im Internet fanden Wong Sin Yeng & Peter C. Boyce keine lebenden, konservierten oder abgebildeten Pflanzen, die mit Motleys ursprünglicher Sammlung übereinstimmen. Obwohl nicht ganz sicher ist, wo Motleys Aufsammlung stattfand, stammt sie aufgrund seiner bekannten Sammeltätigkeit sehr wahrscheinlich aus dem Meratus-Gebirge im heutigen Kalimantan Selatan. James Motley war ab 1854 Leiter der Julia-Hermina-Kohlengrube in Kalangan, dem heutigen Kalimantan Selatan. Wie schon zuvor aus Labuan schickte James Motley Pflanzenmaterial, darunter lebende Aronstabgewächse, nach Europa. Motley, seine Frau und seine drei Kinder wurden am 1. Mai 1859 während eines lokalen Aufstands zu Beginn des Banjarmasin-Krieges (1859–1863) in Kalangan ermordet.[3] Josef Bogner wies im Jahr 1980 schlüssig nach, dass die Tafel, die Schotts Beschreibung von 1858 beigefügt ist, gravierende Ungenauigkeiten enthält. Unkorrigierte Teile von Schotts Tafel wurden von Adolf Engler (Engler 1912) reproduziert. Dies stiftete einige Verwirrung.[3]

Literatur

  • Heinrich Schott (1858): Genera Aroidearum. – Vindobonae: Typis Caroli Ueberreuter, (online)
  • Adolf Engler (1912): Homalomeninae und Schismatoglottidinae. – In: Engler A. (ed.), Das Pflanzenreich. Regni vegetabilis conspectus 55(IV.23Da)
  • Peter C. Boyce, Josef Bogner & Simon Joseph Mayo (1995): Bucephalandra catherineae, a new species from Kalimantan – Bot. Mag. 12: 150 – 153; im Artikel abgekürzt: Mayo, Bogner & Boyce 1995
  • Josef Bogner (1980): The genus Bucephalandra Schott. – Aroideana 3: 134 – 143; im Artikel abgekürzt: Bogner 1980
  • Josef Bogner, Alistair Hay (2000): Schismatoglottideae (Araceae) in Malesia II – Aridarum, Bucephalandra, Phymatarum and Piptospatha. In: Telopea 9 (1), 2000: 179-222; im Artikel abgekürzt: Bogner & Hay 2000
  • Wim A. Tomey (2004): Bucephalandra motleyana Schott – ein Rheophyt als Aquarienpflanze? - Aqua Planta 29 (3): 88-97; im Artikel abgekürzt Tomey 2004
  • Christel Kasselmann (2010): Aquarienpflanzen. 3. Auflage. - DATZ Aquarienbuch, Ulmer Verlag, Stuttgart; im Artikel abgekürzt Kasselmann 2010
  • Wong Sin Yeng & Peter C. Boyce (2014): Schismatoglottideae of Borneo XXX – New species and combinations for Bucephalandra. - Willdenowia 44: 149-199; im Artikel abgekürzt Wong & Boyce (2014)
  • Wong Sin Yeng & Peter C. Boyce (2014b): Studies on Schismatoglottideae (Araceae) of Borneo XXXXI: Additional new species of Bucephalandra. - Willdenowia 44: 415–421.
Commons: Bucephalandra – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. B. motleyana (sensu stricto = im engeren Sinne) ist vermutlich nicht in Aquarienkultur vorhanden, die Bezeichnung dürfte irrtümlich für eine oder mehrere andere Bucephalandra verwendet werden, sodass die in der Taxobox abgebildete Pflanze auch nicht zuverlässig die seinerzeit von James Motley aufgesammelte Pflanze wiedergibt. Die kommerziellen Namen („Handelsnamen“), die für noch nicht bestimmte Arten oder sonstige Taxa im Bucephalandra motleyana-Komplex gelten, sind laut Wong & Boyce: „Amanda“, „Brownie“, „Diana“, „Helena“, „Neoamanda“, „Themis“ und „Ulysses“. Vermutlich ist auf dem Foto, das im Botanischen Garten Berlin-Dahlem angefertigt wurde, eine dieser selbst als Sorten nicht valide beschriebenen Taxa oder Bucephalandra kishii abgebildet.
  2. a b c d e f Aquasabi GmbH & Co. KG: Bucephalandra motleyana. In: Aquasabi. Flowgrow Aquascaping Network, 2025, abgerufen am 27. November 2025.
  3. a b c d e f g h i Sin Yeng Wong, Peter C. Boyce: Studies on Schismatoglottideae (Araceae) of Borneo XXX — New species and combinations for Bucephalandra. In: Willdenowia, 44(2) : 149-199. Botanic Garden and Botanical Museum Berlin (BGBM), 2014, abgerufen am 25. November 2025.
  4. Sin Yeng Wong, Peter C. Boyce: Geological Perambulations. In: The IAS Newsletter, 33(4) : 4. International Aroid Society, Inc. (IAS), Dezember 2011, abgerufen am 7. Dezember 2025.
  5. a b Heiko Muth: Bucephalandra: viele neue Arten? In: Aquasabi. Flowgrow Aquascaping Network, 26. Februar 2014, abgerufen am 25. November 2025.
  6. Kathrin Schulz: Bucephalandra. Kleine Schätze in unseren Aquarien. In: https://seerose-frechen.de/. Aquarien- und Terrarienfreunde Seerose Frechen e.V., abgerufen am 25. November 2025.