Bruno Meyer (Polizist)
Johann Franz Bruno Meyer, Simba, der Löwe war sein Deckname, (* 29. Januar 1911 in Hamburg; † 22. Dezember 1983 ebenda) war ein deutscher Polizist und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Christian Geissler machte ihn zum Vorbild für Figuren in seinem Roman Wird Zeit, dass wir leben.
Leben und Widerstand
Sein Vater war Buchbinder und stand der SPD nah, seine Mutter war Hausfrau. Bruno Meyer wurde 1929 Mitglied der KPD und trat nach dem Schulabschluss 1931 in den Dienst der Hamburger Polizei. Trotz seiner antifaschistischen Haltung blieb er 1933 auch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Polizeidienst. Zunehmend kam er zu der Einsicht, auf der falschen Seite zu stehen. Als Polizist hatte er Zugang zur Untersuchungshaftanstalt Hamburg am Holstenglacis. Seit Frühjahr 1933 waren hier die führenden Hamburger Kommunisten Fiete Schulze und Etkar André inhaftiert, mit denen er Kontakt aufnahm und beide unbemerkt fotografieren konnte. Zudem kopierte Meyer Einsatzpläne, hortete Munition und fertigte Abdrücke der Schlüssel ihrer Zellentüren an. Bevor die Befreiungsaktion anlaufen konnte, wurde die Widerstandsgruppe im Januar 1935 von einem Spitzel verraten. Bruno Meyer wurde am 16. Januar 1936 verhaftet und 1936 vom Volksgerichtshof wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in Zuchthäusern in Bremen-Oslebshausen und Hamburg-Fuhlsbüttel verbrachte. Nach seiner Entlassung wurde er am 1. April 1943 in das Konzentrationslager Sachsenhausen eingeliefert. Dort war er Blockältester und vermutlich im Widerstand. Im November 1944 wurde er als „Bewährungssoldat“ zur SS-Sondereinheit Dirlewanger eingezogen. Bereits einen Monat später geriet er in sowjetische Kriegsgefangenschaft, aus der erst im Januar 1950 nach Hamburg zurückkehrte. Danach war er zeitweise bei der KPD in Hamburg hauptamtlich tätig. 1968 wurde er Mitglied der DKP und war Mitglied des Kuratoriums der Gedenkstätte Ernst Thälmann e. V. in Hamburg. Nachdem Bruno Meyer Geisslers Roman gelesen hatte, hat er ihn – und auch den Autor als Person – aus tiefster Überzeugung abgelehnt, fühlte sich ausgenutzt und verletzt.[1]
Literarisches Denkmal
In den 1970er Jahren wurde der Autor Christian Geissler (1928–2008) auf Bruno Meyer aufmerksam. Denn in einer 1971 von der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten herausgegebenen Broschüre unter dem Titel Fiete Schulze oder Das dritte Urteil war in einer Fußnote von Meyer und der Widerstandsgruppe zu lesen, die die Befreiung von Fiete Schulze und Etkar André vorbereitete. 1976 veröffentlichte Geissler den Roman Wird Zeit, daß wir leben. Geschichte einer exemplarischen Aktion. Darin schildert er die Kämpfe der kommunistischen Bewegung in den 1920er und frühen 1930er Jahren, den proletarischen Widerstand gegen den Nationalsozialismus und die geplante Befreiungsaktion. Bruno Meyer erscheint darin als der junge Polizist Leo Kantfisch, der mit anderen die Befreiung des inhaftierten kommunistischen Parteiarbeiters Schlosser aus dem Untersuchungsgefängnis plante. In einer Vorbemerkung zum Roman schreibt Geissler, der Bruno Meyer auch persönlich kennenlernte, dass ihn „die Vorstellung von einem Schließer, der es lernt, aufzuschließen (…)“ beeindruckte. Anders als in der Realität lässt Christian Geissler die Befreiungsaktion im Roman jedoch erfolgreich ausgehen.[2][3]
Er gehörte zu der Arbeitsgruppe um Harry Naujoks, die die Erinnerungen an das KZ Sachsenhausen aufgearbeitet haben.[4]
Weblinks
Einzelnachweise
- ↑ Ein Polizist im Widerstand – Bruno Meyer als Vorbild für Leo Kantfisch, Nachwort von Detlef_Grumbach im Buch Christian Geissler: Wird Zeit, dass wir leben, Verbrecher-Verlag, Berlin 2013, S. 352
- ↑ Peter Badekow, Andre Rebstock, Rüdiger von Hanxleden (Herausgeber): Martha Naujoks-Harry Naujoks: Zwei Leben für die Befreiung: Aufbrüche und Niederlagen. Zwischen Revolution und Inferno. (Kinder des Widerstands: Hamburg), Galerie der abseitigen Künste, Hamburg 2025, S. 704–705
- ↑ Ein Polizist im Widerstand – Bruno Meyer als Vorbild für Leo Kantfisch, Nachwort von Detlef Grumbach im Buch Christian Geissler: Wird Zeit, dass wir Leben, Verbrecher-Verlag, Berlin 2013, S. 319–354
- ↑ Harry Naujoks: Mein Leben im KZ Sachsenhausen - Erinnerungen des ehemaligen Lagerältesten, Röderbeg, Köln 1987, S. 23