Bruce Onobrakpeya

Bruce Obomeyoma Onobrakpeya (* 30. August 1932 in Agbarha-Otor, Delta) ist ein nigerianischer Druckgrafiker, Maler und Bildhauer.[1] Er gilt als einer der Vordenker der nigerianischen Moderne.[2]

Leben

Onobrakpeya wuchs in Agbarha-Otor auf und studierte von 1957 bis 1961 Malerei am Nigerian College of Arts, Science and Technology in Zaria (heute Ahmadu Bello University).[1] Im Jahr 1958 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der Zaria Art Society („Zaria Rebels“), die eine „natürliche Synthese“ westlicher und nigerianischer Bildtraditionen anstrebte.[1] 1963 wurde er Kunstlehrer am St. Gregory’s College in Lagos und illustrierte im selben Jahr die zweite Ausgabe von Chinua Achebes Roman No Longer at Ease.[1] Zwischen 1967 und 1978 entstanden auf Anregung des katholischen Missionars Kevin Carroll zahlreiche christliche Auftragswerke, darunter die Fourteen Stations of the Cross für St. Paul’s in Lagos.[1] Seit den späten 1980er-Jahren baute er in seiner Heimatstadt ein Kunstzentrum auf; 1998 fand der erste Harmattan Workshop in Agbarha-Otor statt.[3] Für seine Leistungen erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, darunter 2017 den Nigerian National Order of Merit (NNOM).

Wirken

Onobrakpeya gilt als experimenteller Erneuerer der Druckgrafik; er entwickelte Verfahren wie die tiefdruckartige „Plastograf“-Technik (1967) sowie weiterführende Formen wie plastocast-Relief und Metallfolien-Tiefätzung.[4] Seine Bildsprache verknüpft Mythen und Zeichen der Urhobo-Kultur mit christlichen Motiven und einem postkolonialen Kontext; programmatisch zeigte dies die Serie The Mask and the Cross.[5] In seinem Werk führte er ein eigenes Zeichen- und Schriftsystem namens „Ibiebe“ ein, eine aus ideografischen, geometrischen und geschwungenen Glyphen bestehende Schrift, die er in Druckgrafiken und Reliefs einsetzte.[6] Seine Arbeiten wurden international ausgestellt und ausgezeichnet, darunter eine Honorable Mention bei der 44. Biennale von Venedig (1990).[1] Im Jahr 2023 zeigte das High Museum of Art in Atlanta seine erste museale Einzelausstellung in den Vereinigten Staaten.[2] 2024/2025 übernahm das Smithsonian National Museum of African Art in Washington, D.C. die Schau.[5] Die jüngsten US-Präsentationen 2023 in Atlanta und 2024/2025 in Washington, D.C. würdigten sein Lebenswerk und seine Relektüre christlicher Ikonografie als wegweisend.[7]

Commons: Bruce Onobrakpeya – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c d e f Bruce Onobrakpeya: A Timeline. In: High Museum of Art. 2023, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  2. a b Bruce Onobrakpeya: The Mask and the Cross. In: High Museum of Art. 7. April 2023, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  3. The Harmattan Workshop (African Arts, Winter 2011). In: African Arts (Smithsonian Institution). 2011, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  4. Bruce Onobrakpeya (1932--). In: Routledge Encyclopedia of Modernism. 5. September 2016, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  5. a b After Nigerian Independence, One Renowned Artist Made Jesus a West African Savior in His Vibrant Work. In: Smithsonian Magazine. 29. August 2024, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  6. Ibiebe (Alphabet and Ideograms). In: National Museum of African Art, Smithsonian Institution. 2005, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  7. At 91, Nigerian artist who reimagined the crucifixion is celebrated at Smithsonian. In: WUSF/NPR. 22. Juni 2024, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).