Bruce Cutler

Bruce Cutler (* 29. April 1948 in New York City; † 6. Oktober 2025 ebenda) war ein US-amerikanischer Strafverteidiger, der vor allem durch die Verteidigung von John Gotti sowie durch Medienauftritte als juristischer Kommentator bekannt wurde.[1][2][3][4]

Leben

Cutler wurde 1948 in Brooklyn geboren.[5] Sein Vater, Murray Cutler, war Detektiv beim New York City Police Department und wurde später selbst Strafverteidiger.[6] In einem Interview mit dem Radioprogramm Conversations With Allan Wolper auf WBGO 88.3 FM erklärte Cutler, dass ihn die pro-gewerkschaftliche Haltung seines Vaters zu einer sozialdemokratischen Position im Stil von Franklin D. Roosevelt inspiriert habe.[7][8]

Er wuchs in einer jüdischen Familie in Flatbush auf und besuchte die Poly Prep Country Day School.[9] Nach seiner Schulzeit absolvierte er bis 1970 das Hamilton College, wo er im Wrestlingteam sowie Kapitän des Footballteams war und Lacrosse spielte, und im Anschluss die Brooklyn Law School (BLS).[7] Er war mit Barbara Wolf Patterson und Gladys Moross verheiratet – beide Ehen wurden geschieden.[1]

Als ehemaliger Staatsanwalt in Brooklyn (englisch Brooklyn District Attorney) erlangte Cutler in den 1980er-Jahren Bekanntheit, als er drei Freisprüche für John Gotti von der Gambino-Familie erwirkte – darunter ein Fall, in dem mindestens ein Geschworener bestochen wurde, um Gotti für nicht schuldig zu erklären.[10] Gene Mustain und Jerry Capeci schrieben in ihrem Buch Mob Star, dass Cutler die Beweise der Staatsanwaltschaft „drehen, zerkratzen, verdrehen und zu Brei schlagen konnte, bis sie nur noch ein Klumpen begründeter Zweifel waren.“[5]

Als Gotti 1990 wegen des Mordes an Paul Castellano im Jahr 1985 und weiterer Verbrechen angeklagt wurde, schloss der vorsitzende Richter I. Leo Glasser Cutler und zwei weitere Kollegen von der Verteidigung aus. Aufgrund von Abhörprotokollen aus Gottis „Ravenite Social Club“ argumentierten die Staatsanwälte, dass Cutler und seine Kollegen möglicherweise von kriminellen Aktivitäten wussten. Da das Anwaltsgeheimnis in solchen Fällen nicht greift, wurde Cutler als „Teil der Beweislage“ betrachtet und konnte als Zeuge geladen werden. Zudem habe Cutler andere potenzielle Zeugen vertreten, was einen Interessenkonflikt darstelle. Glasser folgte der Argumentation und bezeichnete Cutler als „Hausjuristen“ des Gambino-Clans.[11][12]

Nach seiner Disqualifikation wurde Cutler wegen Missachtung des Gerichts verurteilt, da er sich öffentlich äußerte und damit eine gerichtliche Anordnung verletzte.[13] Er erhielt neunzig Tage Hausarrest, drei Jahre Bewährung, eine Geldstrafe in Höhe von 5000 US-Dollar und ein 180-tägiges Berufsverbot für den Eastern District of New York.[13] Das Berufungsgericht, das United States Court of Appeals for the Second Circuit, bestätigte das Urteil.[13]

Im Film 15 Minuten Ruhm mit Robert De Niro und Ed Burns trat Cutler als er selbst auf. Er war auch auf Court TV zusammen mit dem Anwalt Ed Hayes in der Sendung Cutler and Hayes zu sehen und hatte auf dem CW Network seine eigene Show Jury Duty; er war Taufpate von Hayes’ Tochter Avery. Zudem spielte er Gastrollen in den Folgen Drawing Dead und Open Secrets der vierten Staffel der Fernsehserie Blue Bloods – Crime Scene New York. Im deutschen Sprachraum wurde Cutler unter anderem von Reinhard Brock und Helmut Gauß synchronisiert.[14] Er war als er selbst auch in Der Untergang der Cosa Nostra, Die Mafia und John Gotti: Das Erbe eines Mafioso zu sehen.

Im Jahr 2003 veröffentlichte er seine Autobiografie Closing Argument. Cutler war Hauptverteidiger von Phil Spector[15] bis zum 27. August 2007, als er seinen Rücktritt wegen „strategischer Meinungsverschiedenheiten“ bekanntgab.[16]

Cutler starb im Alter von 77 Jahren an Nierenversagen in einer Pflegeeinrichtung in Brooklyn.[5]

Literatur

  • Bruce Cutler, Lionel Rene Saporta: Closing Argument: Defending (and Befriending) John Gotti, and Other Legal Battles I Have Waged. Crown Publishing (Random House), New York 2003, ISBN 0-609-60831-2 (englisch).

Filmografie (Auswahl)

Einzelnachweise

  1. a b Bruce Cutler. Internet Movie Database, abgerufen am 6. November 2025.
  2. Bruce Cutler in The Movie Database, abgerufen am 6. November 2025.
  3. Bruce Cutler bei Fernsehserien.de, abgerufen am 6. November 2025.
  4. Bruce Cutler in der Online-Filmdatenbank; abgerufen am 6. November 2025.
  5. a b c Sam Roberts: Bruce Cutler, Pugnacious Lawyer for the Mob Boss John Gotti, Dies at 77. The New York Times, 8. Oktober 2025, abgerufen am 8. Oktober 2025 (englisch).
  6. Robert D. McFadden: Murray Cutler, 78, Lawyer Who Took on Criminal-Defense Cases In: The New York Times, 6. Juni 1994. Abgerufen am 10. Oktober 2025 (englisch). 
  7. a b Bruce Cutler – Attorney at Law (Memento vom 15. Juni 2021 im Internet Archive)
  8. Bruce Cutler on Conversations With Allan Wolper
  9. Jan Hoffman: AT THE OFFICE WITH: Bruce Cutler; Even Mob Lawyers Get the Blues. In: The New York Times. 7. April 1993, abgerufen am 12. Februar 2019 (englisch).
  10. Blum, Howard: Gangland: How the FBI Broke the Mob. Pocket, New York 1995, ISBN 0-671-90015-3 (englisch, archive.org).
  11. The Goodfather
  12. Last Arrest (Memento vom 17. November 2006 im Internet Archive)
  13. a b c United States of America, Appellee, v. Bruce Cutler, Defendant-appellant, 58 F.3d 825 (2d Cir. 1995). In: Justia Law. Abgerufen am 20. Oktober 2023 (englisch).
  14. Bruce Cutler. In: Deutsche Synchronkartei. Abgerufen am 6. November 2025.
  15. Lawyers Bruce Cutler and Ed Hayes Star in Mafia Cops – The Biggest Mob Trial in Years
  16. Alan Feuer: Detectives’ Lawyers Know the Spotlight In: New York Times, 20. März 2005. Abgerufen am 21. Januar 2015 (englisch).